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Das sagen die Ökonomen zum EZB-Entscheid "EZB setzt an der richtigen Stelle an"

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts:
"Die Beschlüsse der EZB weisen insgesamt in die richtige Richtung. Sie sind vor allem darauf ausgerichtet, krisenbedingt aufkommenden Liquiditätsproblemen bei Banken und kleinen und mittleren Unternehmen entgegenzuwirken. Die Ausdehnung der Anleihekäufe mit Konzentration auf Anleihen privater Emittenten kann dazu ebenso beitragen wie die Verbesserung der Konditionen des gezielten und langfristigen Programms für die Banken-Refinanzierung  (TLTRO III). Die Anleihekäufe könnten auch zu einer Stützung der Aktienmärkte beitragen. Zu begrüßen ist, dass auf weitere Zinssenkungen verzichtet wurde – deren Wirkung wäre angesichts der bereits heute negativen Einlagenzinsen der EZB ohnehin gering."

Das sagen die Ökonomen zum EZB-Entscheid "EZB setzt an der richtigen Stelle an"

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts:
"Die Beschlüsse der EZB weisen insgesamt in die richtige Richtung. Sie sind vor allem darauf ausgerichtet, krisenbedingt aufkommenden Liquiditätsproblemen bei Banken und kleinen und mittleren Unternehmen entgegenzuwirken. Die Ausdehnung der Anleihekäufe mit Konzentration auf Anleihen privater Emittenten kann dazu ebenso beitragen wie die Verbesserung der Konditionen des gezielten und langfristigen Programms für die Banken-Refinanzierung  (TLTRO III). Die Anleihekäufe könnten auch zu einer Stützung der Aktienmärkte beitragen. Zu begrüßen ist, dass auf weitere Zinssenkungen verzichtet wurde – deren Wirkung wäre angesichts der bereits heute negativen Einlagenzinsen der EZB ohnehin gering."

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW:
"Das Paket war kleiner als gedacht. Der Markt hat enttäuscht reagiert. Aber wenn die EZB in dieser Situation die Leitzinsen nicht senkt, haben die Leitzinsen wirklich ihren Boden erreicht. Sinnvoll und von uns im Kern erwartet war die Ausweitung des TLTRO-III. Die EZB unternimmt jetzt alles, damit der Bankenkreditmarkt nicht schrumpft. Die zusätzlichen Anleihenkäufe fallen demgegenüber nicht stark ins Gewicht. Aber das Wertpapierankaufprogramm bleibt ein Spielbein der EZB. Wenn es hart auf hart kommt, kann die EZB hier immer noch mehr machen. Davon gehen wir zum jetzigen Zeitpunkt auch aus, denn die Meldungen rund um das Thema Corona werden täglich besorgniserregender. Die EZB wird möglicherweise noch vor dem nächsten Ratstreffen am 30. April nachbessern müssen. Wohlwissend, dass die Geldpolitik in dieser Situation eigentlich nichts ausrichtet – weder gegen das Virus noch gegen den Angebotsschock für die Unternehmen."

Ralf Umlauf, Helaba

Ralf Umlauf, Helaba:
"In den letzten Tagen hat die Spekulation auf ein umfassendes Maßnahmenpaket der EZB zugenommen. Die unveränderten Zinsen sind eine Überraschung, denn die Geldmarkt-Futures hatten sogar mehr als eine Reduzierung um zehn Basispunkte in den Kursen vorweggenommen. Die EZB ermöglicht aber durch die TLTRO III-Anpassungen eine günstigere Refinanzierung, sogar unterhalb des Einlagenzinses. Die EZB nimmt dadurch Verluste aufgrund von Refinanzierungs-Operationen in Kauf. Dies ist unseres Erachtens ein Novum in der EZB-Geschichte und stellt die entscheidende, stimulierende Maßnahme in diesem Paket dar."

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt VP-Bank:
"EZB-Präsidentin Lagarde hat sich ihre ersten Monate im Amt sicherlich anders vorgestellt. Das Coronavirus stellt die Französin vor ihre erste Feuertaufe. Das Arsenal der EZB ist aber nicht mehr allzu voll. So sehr sich die Notenbank derzeit bemühen ihr Scherflein zur Krisenbewältigung beizusteuern, noch niedrigere Zinsen und noch mehr Staatsanleihekäufe werden nur bedingt ökonomischen Nutzen haben. Es müssen jetzt die richtigen Instrumente benutzt werden. Lagarde hat dies erkannt. Es ist richtig, dass die EZB mehr Unternehmensanleihen kaufen wird. Das hat tatsächlich einen direkten positiven Einfluss auf die Unternehmensfinanzierung. Die EZB setzt mit höheren Käufen von Unternehmensanleihen also an der richtigen Stelle an.

Es bedarf jetzt vor allem aber auch der tatkräftigen Unterstützung der Regierungen. Gerade kleinere und mittlere Betriebe brauchen jetzt Zugang zu Liquidität. Der Bankensektor kann aufgrund von strengen Regularien nicht in allen Fällen helfend zur Seite stehen. Richtig ist deshalb die Entscheidung der EZB, Regelungen für Kapitalquoten der Banken zu lockern. Darüber hinaus gilt aber: Es braucht jetzt flankierende staatliche Sonderkreditprogramme."

Stefan Schneider Deutsche Bank

Stefan Schneider, Deutschland-Chefökonom Deutsche Bank:
"Die Maßnahmen sollten Wirkung zeigen - besonders die langfristige Refinanzierungsgeschäfte zu extrem günstigen Bedingungen. Auch die zusätzlichen 120 Milliarden Euro an Anleihekäufen sind ganz erheblich. Zusätzlich werden die Banken regulatorisch etwas von der Leine gelassen. Das alles zusammen sollte etwas helfen. Mehr kann die EZB derzeit realistischerweise wohl auch nicht leisten.

Viele dieser Maßnahmen gehen über das Bankensystem an die Unternehmen. Ob die Banken ihre Kreditvergabe erhöhen, nur weil ihre Kosten bei der Refinanzierung sinken, muss man abwarten. Denn gleichzeitig sind die Kreditrisiken in den stark betroffenen Sektoren wie der Reisebranche gestiegen. Hier könnte der Staat mit Kreditgarantien wirkungsvoller helfen."

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe:
"Auch die EZB beugt sich dem Corona-Virus. Mit ihren Liquiditätshilfen und Wertpapierkäufen setzt sie insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen an der richtigen Stelle an. Gleichzeitig wird dem massiven Verfall der Inflationserwartungen begegnet. Für eine klassische Geldpolitik bestand angesichts des weitgehend leeren Munitionsdepots kaum Spielraum. Hier rächt sich nun, dass die EZB für den Krisenfall wenig gerüstet ist. Je nach Pandemieverlauf wird die EZB weitere Maßnahmen beschließen."