Japaner mit Atemschutzmasken vor Börsentafel

Japans Industrie pessimistisch Erholung in China, aber Dämpfer in Japan

Stand: 01.04.2020, 09:07 Uhr

An den asiatischen Börsen kochen wegen der Corona-Pandemie erneut Rezessionsängste hoch. In Japan ist der Tankan-Stimmungsindex erstmals seit sieben Jahren ins Minus gerutscht. Zarte Hoffnungszeichen gibt es dagegen aus China.

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
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In Tokio fiel der 225 Werte umfassende Nikkei-Index am Mittwoch um 4,2 Prozent auf 18.123 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 3,7 Prozent und lag bei 1.351 Punkten. Vor allem zuletzt gut gelaufene Titel aus den Sektoren Chemie und Infrastruktur mussten Federn lassen.

Auch an den Handelsplätzen in Südkorea und Hongkong ging es bis zu 3,7 Prozent abwärts. "Investoren wollen immer noch Aktien kaufen, aber das Coronavirus macht alle vorsichtiger", sagte Fondsmanager Kiyoshi Ishigane vom Vermögensverwalter Mitsubishi UFJ Kokusai.

Pessimismus in Japan

In der japanischen Großindustrie sorgt die Angst vor den Folgen des Coronavirus auf die Weltwirtschaft erstmals seit Jahren für Pessimismus. Wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Quartalsumfrage ("Tankan") der Notenbank unter rund 10.000 Unternehmen des Landes hervorgeht, sank der darin ermittelte Stimmungsindex für die großen Produktionsunternehmen im März erstmals seit Jahren ins Negative - von null im Februar auf minus acht.

Ein negativer Index bedeutet, dass die Pessimisten jetzt in der Mehrheit sind. In Japan gibt es wachsende Sorgen über eine neue Rezession. Die Stimmung in der Industrie hat sich inzwischen im fünften Quartal in Folge eingetrübt. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Die Pandemie habe der Geschäftstätigkeit einen schweren Schlag versetzt, erklärte ein Vertreter der japanischen Notenbank. "Wir werden wahrscheinlich eine Flut von Gewinnwarnungen und Dividendenkürzungen im Vorfeld der Berichtssaison erleben", sagte Stratege Yoshihiro Ito vom Handelshaus Okasan Online Securities.

"Kühnstes" Konjunkturpaket aller Zeiten

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Um die Auswirkungen der Pandemie auf die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt zu dämpfen, hat Ministerpräsident Shinzo Abe das "kühnste" Konjunkturpaket aller Zeiten angekündigt. Unter anderem soll es Barmittel für in Not geratene Familien und kleine Firmen geben. Das geplante Konjunkturpaket soll noch größer ausfallen, als das, welches Japan während der globalen Finanzkrise 2008 geschnürt hatte. Dieses hatte damals ein Volumen von rund 57 Billionen Yen (480 Milliarden Euro).

Die Manager der Großindustrie sehen dennoch schwarz: Laut der Quartalsumfrage der Notenbank dürfte sich der Stimmungsindex in den kommenden drei Monaten angesichts der globalen Pandemie weiter auf minus elf verschlechtern. Auch die Manager großer nicht produzierender Unternehmen sind alles andere als zuversichtlich.

Zum März war ihr Index auf plus acht von zuvor 20 gerutscht, wenngleich das nicht so schlecht war wie von vielen Ökonomen erwartet. Für die kommenden drei Monate dürften jedoch auch bei diesen Unternehmen die Pessimisten in der Mehrheit sein: der Index soll auf minus eins fallen.

Positives aus China

In China hat eine Stimmungsumfrage in Industrieunternehmen dagegen eine konjunkturelle Erholung nach dem schweren Corona-Einbruch angedeutet. Der Indikator der "Caixin"-Mediengruppe zur Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie stieg im März auf 50,1 Punkte, nach 40,3 Zähler im Vormonat, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung hervorgeht.

Die Daten spiegeln die Stimmung in eher kleinen und mittelgroßen Unternehmen wider. Analysten wurden vom Ausmaß der Stimmungsaufhellung überrascht. Sie hatten zwar mit einem Anstieg des Stimmungsindikator gerechnet, waren aber im Schnitt nur von 45,0 Punkten ausgegangen.

Die strengen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 hatten die chinesische Wirtschaft praktisch zum Stillstand gebracht. Langsam nehmen Fabriken und Unternehmen jedoch die Arbeit wieder auf.

Werte deuten wieder auf Wachstum hin

Bereits am Vortag hatte das Pekinger Statistikamt gemeldet, dass die offiziellen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die Industrie und für den Bereich Dienstleistungen im März jeweils über die Wachstumsgrenze gestiegen waren. Der Indexwert für die Industrie stieg demnach auf 52,0 Punkte und der für den Dienstleistungssektor auf 52,3 Zähler.

Die Stimmungsindikatoren liegen damit wieder über der Marke von 50 Punkten, die als Expansionsschwelle bezeichnet wird. Werte oberhalb deuten auf Wachstum hin, während Werte unterhalb der Marke auf ein Schrumpfen der wirtschaftlichen Aktivitäten hindeuten.

tb/dpa