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Zollstreit bremst die Wirtschaft Chinas Wachstum auf 27-Jahres-Tief

Stand: 18.10.2019, 09:01 Uhr

Wegen des Handelsstreits mit den USA hat sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft überraschend stark verlangsamt. Im dritten Quartal legte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach offiziellen Zahlen nur noch um 6,0 Prozent zu.

Die Konjunktur im Reich der Mitte kühlt sich zunehmend ab. Die chinesische Wirtschaft ist im dritten Quartal so langsam gewachsen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal mit einer Jahresrate von nur noch 6,0 Prozent. Im vorangegangenen Quartal hatte das Plus noch bei 6,2 Prozent gelegen.

"Mit wachsenden Risiken konfrontiert"

Für das gesamte Jahr rechnet China mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 6,0 und 6,5 Prozent. Ein Sprecher der Statistikbehörde des Landes sagte zu den Zahlen, China sehe sich mit "wachsenden Risiken und Herausforderungen im Inland und Ausland konfrontiert". Trotzdem sei die Konjunktur des Landes insgesamt stabil.

Als Ursachen nannten Experten den Handelskrieg zwischen China und den USA, die Verunsicherung von Investoren und die chinesischen Bemühungen, gegen die wachsende Verschuldung anzugehen. Zudem schwächt sich die Binnennachfrage ab. "Es gibt nach wie vor eine Menge Unsicherheit über ein Handelsabkommen zwischen den USA und China", sagte Volkswirt Ho Woei Chen von UOB in Singapur.

Positive Signale aus der Industrie und dem Einzelhandel

Immerhin gab es in einzelnen Bereichen der Wirtschaft Lichtblicke. So legte die Industrieproduktion im September um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, nachdem sie im August ein Plus von 4,4 Prozent verzeichnet hatte. Im Einzelhandel gab es einen Zuwachs von 7,8 Prozent gegenüber 7,5 Prozent im August.

Das Wachstum für die drei Quartale zusammen liegt nun mit 6,2 Prozent im unteren Bereich der Zielvorgabe der Regierung für das Gesamtjahr von "6,0 bis 6,5 Prozent". Im ersten Quartal waren noch 6,4 und im zweiten 6,2 Prozent erreicht worden. Volkswirte hatten für das dritte Quartal eigentlich mit 6,1 Prozent gerechnet. 2018 hatte Chinas Wirtschaft noch um 6,6 Prozent zugelegt.

Bremse für die Weltkonjunktur

Das langsamere Wachstum in den USA und China durch den Handelskrieg der beiden größten Volkswirtschaften bremst auch die Weltwirtschaft und verschlechtert die Aussichten für Deutschland. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte diese Woche seine globale Wachstumsvorhersage für dieses Jahr zum vierten Mal in Folge auf nunmehr drei Prozent - nach 3,2 Prozent im Juli. Für Deutschland rechnet die Bundesregierung mit 0,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Die Prognose für 2020 wurde gestern um 0,5 Punkte auf 1,0 Prozent reduziert.

nb