Chinas neue Seidenstraße
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Reagiert Peking? China: Schwächstes Wachstum seit 28 Jahren

Stand: 21.01.2019, 07:03 Uhr

Der Handelskrieg mit den USA macht der chinesischen Wirtschaft zu schaffen, die Wachstumsdaten sind so schwach wie zuletzt vor fast 30 Jahren. Analysten erwarten deshalb, dass die Regierung bald gegensteuern wird.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erreichte im vergangenen Jahr nur noch ein Wachstum von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten hatten mit einem Wachstum in dieser Größenordnung gerechnet. Das Quartalswachstum fiel Ende 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar auf nur noch 6,4 Prozent - ähnlich langsam wie zuletzt 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise.

Die Aussichten für das angelaufene Jahr sind damit ungünstig. Die Weltbank und Experten rechnen damit, dass das Wachstum unter 6,5 Prozent fallen wird. Wie stark die Marke unterschritten wird, hängt davon ab, ob der Handelskrieg mit den USA noch weiter eskaliert oder eine Einigung gefunden werden kann.

Leere Verladedocks am Ningbo Beilun Hafen, Zhejiang, China

Flaute für Chinas Außenhandel. | Bildquelle: EPA - picture alliance / dpa

Für 2019 werde die Führung in Peking ein niedrigeres Wachstumsziel ausgeben, wie die Nachrichtenagentur Reuters jüngst von Insidern erfahren haben will. Angestrebt werde demnach eine Spanne von 6,0 bis 6,5 Prozent. Zuletzt hatten bereits Daten vom chinesischen Außenhandel Konjunkturängste geschürt.    

Springt die Regierung bei?

„Der Handelskrieg macht sich derzeit vor allem in einer wachsenden Unsicherheit bemerkbar“, sagt Max Zenglein, Leiter des Programms Wirtschaft beim China-Institut Merics. Schwächelnde Exporte und Zurückhaltung bei Investitionen wirkten sich bereits auf das Wachstum aus. „Richtig ernst dürfte es aber erst werden, wenn es bis März keine Lösung gibt und es zu weiteren Zollerhöhungen kommt." Aktuell sieht es danach aus, als seien Fortschritte zwischen den Streitparteien möglich.   

Fachleute rechnen nun mit Konjunkturhilfen der Regierung: „Es wird zusätzliche Impulse geben“, sagte Analystin Christy Tan von der National Australia Bank in Singapur. Diverse Schritte wurden bereits auf den Weg gebracht. So soll es dieses Jahr unter anderem größere Steuer- und Abgabensenkungen geben. Eine neue Flut an Wirtschaftshilfen ist allerdings nicht zu erwarten.

Die Zahlen könnten sich auch auf die deutsche Wirtschaft auswirken. „Es ist zwar mit keinem dramatischen Einbruch in der Nachfrage nach deutschen Waren zu rechnen, allerdings werden die deutschen Unternehmen sich an die neuen Realitäten anpassen müssen“, meint Zenglein.

ts/rtr/dpa