Alter chinesischer Mann beim Tai Chi

Problemfeld Demographie China droht die Vergreisung

Stand: 31.05.2018, 11:14 Uhr

Experten machen sich Sorgen um das chinesische Wirtschaftswachstum. Die These: Die Bevölkerung überaltert, es wird bald an Arbeitskräften fehlen. Der Staatsrat reagiert. Und noch ist die Stimmung in China blendend.

Die Stimmung in Chinas Industriebetrieben ist auf den bisher höchsten Stand des Jahres gestiegen. Wie das Pekinger Statistikbüro am Donnerstag mitteilte, kletterte der Einkaufsmanagerindex PMI im Mai von 51,4 auf 51,9 Punkte und erreichte damit den besten Wert seit acht Monaten. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 51,3 Punkte gerechnet. Also alles in Butter? Nicht unbedingt.

Denn die Folgen der Ein-Kind-Politik werden absehbar. Die Volksrepublik hatte seit den 1970er Jahren versucht, durch Geburtenkontrolle das rasante Bevölkerungswachstum einzudämmen. Nun zeigen sich die Nebenwirkungen: Die Überalterung der Bevölkerung. Und wenn China schwächelt, muss sich die ganze Welt sorgen machen.

„Toxische Mischung“

 Der Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier, bezeichnet die Lage in China unlängst als eine „toxische Mischung“. Bielmeier zitiert die Peking ansässige China Renmin University, wonach die chinesische Erwerbsbevölkerung im Alter von 15 bis 59 Jahren innerhalb der letzten fünf Jahre um 20 Millionen Menschen zurückgegangen sei. Die erwerbstätige Bevölkerung solle vom einstigen Höchststand von 925 Millionen im Jahr 2011 bis 2050 auf 700 Millionen Menschen schrumpfen.

Das Problem dabei ist, dass gleichzeitig Chinas Verschuldung gefährliche Höhen erreicht. Nicht nur für Bielmeier ist sie bereits „zu einem erheblichen Risiko für die konjunkturelle und finanzielle Stabilität des Landes angeschwollen“. Die Schuldenquote liegt bei mehr als 250 Prozent.

Wachstum des realen chinesischen BIP von 2008 bis 2018

Wachstum des realen chinesischen BIP von 2008 bis 2018. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Kommt das endgültige Aus der Geburtenkontrolle?

Deshalb ist China in besonderer Weise von einem hohen Wachstumstempo abhängig. Und dazu werden nach Lage der Dinge Arbeiter gebraucht. Und immer weniger Arbeiter werden, wenn die These zutrifft, später für die Altersversorgung der Ruheständler zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr wuchs die chinesische Wirtschaft um 6,9 Prozent, 2016 waren es noch 6,7 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen Fachleute mit einem Wachstum von 6,5 Prozent.

Das Problem ist erkannt. China erwägt einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg zufolge, die Regeln für die Geburtenkontrolle zu streichen. Der Staatsrat habe eine Studie in Auftrag gegeben, die eine landesweite Freigabe untersuchen solle. Demnach könnte Ende dieses Jahres oder Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung anstehen.

Auch Großfamilien belasten Arbeitsmarkt

Bereits 2015 wurden die Regeln gelockert. Mittlerweile sind zwei Kinder gestattet. Trotzdem entscheiden sich viele Paare gegen ein zweites Kind, weil sie die hohen Kosten unter anderem für die Ausbildung fürchten.

Und einen weiteren Faktor sollte man im Blick behalten. Größere Familien könnten bedeuten, dass sich Familien vermehrt um Kinder kümmern müssten. Auch das hätte zur Folge, dass der Wirtschaft Arbeitskräfte entzogen würden.

ts