Gebäude der Deutschen Bundesbank, im Hintergrund der Neubau der EZB
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Die Bundesbank warnt Deutsches Finanzsystem: Die Risiken steigen

Stand: 21.11.2019, 12:54 Uhr

Ein plötzlicher Konjunktureinbruch und Turbulenzen an den Börsen könnten die deutschen Banken aus Sicht der Bundesbank hart treffen. Der aktuelle Finanzmarktstabilitätsbericht spricht einige Risiken offen an, auch der Immobilienmarkt steht unter Beobachtung.

Die Verwundbarkeiten des Finanzsystems gegenüber unerwarteten makroökonomischen Entwicklungen nähmen zu, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Vorstellung des Finanzstabilität-Berichts: "Ein unerwarteter Konjunktureinbruch und abrupt steigende Risikoprämien könnten das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen", so Buch.

Kritisch sei etwa, dass Institute nach zehn guten Jahren für die Wirtschaft Risiken bei Darlehen unterschätzten. Zudem werde die Werthaltigkeit von Kreditsicherheiten wie Immobilien potenziell überschätzt. Hinzu komme, dass sowohl schnell steigende als auch anhaltend niedrige Zinsen das Finanzsystem unter Druck setzten.

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, und seine Stellvertreterin Claudia Buch

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, und seine Stellvertreterin Claudia Buch. | Bildquelle: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Riskante Kredite in den Bilanzen

Die Bonität der deutschen Firmen habe sich zwar verbessert, erklärte Buch. Der Anteil an riskanteren Kreditnehmern sei aber in den Kreditportfolios der Geldhäuser größer geworden. "Es werden nun mehr Unternehmen von den Banken finanziert, die bei einem unerwarteten Konjunktureinbruch als erste Probleme bekommen würden." Dies führe dazu, dass Wertberichtigungen in den Bankbilanzen schneller steigen könnten.

"Die niedrigen Zinsen setzen die Zinsmarge der Institute zunehmend unter Druck, belasten deren Profitabilität und stellen so auch ein Risiko für die Finanzstabilität dar", ergänzte Joachim Wuermeling, das für Bankenaufsicht zuständige Vorstandsmitglied der Bundesbank.

Trotz Niedrigzinsen: Immobilien nur für Reiche?

Immobilienmarkt: "Keine kreditgetriebene Spekulationsdynamik". | Bildquelle: dpa-Zentralbild

Noch keine Preisblase

Eine Gefahr sei auch, dass die Preise für Immobilien weiter in die Höhe gingen. Dadurch könnten die Entwicklungen in der Vergangenheit zu optimistisch in die Zukunft fortgeschrieben werden und die Werthaltigkeit von Sicherheiten überschätzt werden, warnte die Bundesbank.

Eine Preisblase sieht die Bundesbank weiterhin nicht - auch wenn die Preise für Wohnungen und Häuser in deutschen Städten nach Einschätzung der Notenbank um 15 bis 30 Prozent überbewertet sind. "Wir sehen aktuell keine Hinweise darauf, dass wir eine kreditgetriebene Spekulationsdynamik an den Märkten haben", sagte Buch.

Gebäude der Deutschen Bundesbank in Frankfurt Audio

Wissenswert: Die Aufgaben der Bundesbank

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sieht wegen der Konjunkturschwäche und der Aussicht auf eine noch längere Phase ultratiefer Leitzinsen Gefahren für die Finanzstabilität im Euro-Raum.

ts/dpa/rtr