Banken-Viertel Canary Wharf in London

Finanzstabilitätsbericht der Notenbank Britische Banken für harten Brexit gerüstet

Stand: 16.12.2019, 19:35 Uhr

Wie schlimm würde ein ungeregelter Brexit die britischen Geldinstitute treffen? Diese Frage hat die Bank of England untersucht. Die beruhigende Antwort: Die Banken auf der Insel könnten einen No-Deal-Brexit verkraften - selbst bei einer weltweiten Rezession.

Zwar würde bei einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union die Wirtschaft in eine schwere Rezession fallen und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um bis zu 5,5 Prozent schrumpfen. Dennoch drohe kein Bankenkollaps, meint die Bank of England. In ihrem am Montagabend veröffentlichten Bericht zur Finanzstabilität sieht die Notenbank die britischen Banken und Versicherer auch für einen ungeregelten Brexit gerüstet. Die Banken könnten auch in einem solchen Krisenszenario für die Wirtschaft weiterhin Kredite vergeben, glauben die Experten der Bank of England. Selbst wenn ein stärkerer Protektionismus gleichzeitig die Weltwirtschaft bremsen würde, könnte das britische Bankensystem dies auffangen.

Rezession nicht so schlimm wie bei Finanzkrise

Noch vor einem Jahr hatte die Bank of England eine Scheidung ohne Vertrag zwischen Großbritannien und der EU dramatischer gesehen. Sie prophezeite damals einen Einbruch der Wirtschaft um acht Prozent. Das wäre eine noch schlimmere Rezession als in der Finanzkrise, als das BIP um 6,25 Prozent schrumpfte. Inzwischen seien die Vorbereitungen für einen No-Deal-Brexit verbessert worden, schrieb im September der Chef der Bank of England, Mark Carney, in einem Brief an das Parlament.

Wie robust das britische Finanzsystem ist, unterstreicht der jüngste Stresstest, bei dem jedes Jahr die Kapitalstärke der Institute untersucht wird. Die siebten größten Banken des Landes haben den Stresstest der Notenbank bestanden. Dabei handelt es sich um Barclays, HSBC, Lloyds, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland (RBS), Santander UK und Standard Chartered.

Strengere Regeln für Fonds empfohlen

Unterdessen empfahl die Zentralbank zusammen mit der Finanzaufsicht FCA strengere Regeln für Investmentfonds, die unbeschränkt Geld von Anlegern annehmen. Fondsmanager sollten die Liquidität ihrer Fonds für den Fall sichern, dass sie in kurzer Zeit große Bestände von Vermögenswerten zu Geld machen müssen. In Großbritannien soll im kommenden Jahr über neue Regeln diskutiert werden, nach denen Anleger die Rückgabe von Anteilen längere Zeit im Voraus ankündigen müssten.

Früheren Analysen zufolge dürfte es bei einem No-Brexit-Deal zu Turbulenzen an den britischen Kapitalmärkten kommen. Vor allem das britische Pfund könnte deutlich unter Druck kommen. Die Bank of England rechnet im schlimmsten Szenario mit einem Anstieg der Importpreise und der Inflation auf bis zu 5,25 Prozent.

Brexit bremst britische Konjunktur schon jetzt

Schon jetzt bremst der nahende Brexit die britische Wirtschaft. Laut dem Institute for Fiscal Studies ist das BIP seit Juni 2016 um bis zu drei Prozent schwächer gewachsen als es ohne den Brexit-Entscheid gestiegen wäre. Im dritten Quartal konnte Großbritannien knapp der Rezession entrinnen. Die britische Wirtschaftleistung zog wieder leicht an, nachdem sie im zweiten Quartal noch um 0,2 Prozent geschrumpft war.

nb