Präsident der Federal Reserve Jerome Powell
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US-Notenbank vor Zinsentscheid Bremst die Fed weiter?

Stand: 19.03.2019, 15:34 Uhr

Noch zwei Zinserhöhungen, noch eine - oder gar keine mehr im laufenden Jahr 2019? Die Experten sind uneinig. Am Mittwochabend wird die US-Notenbank vielleicht die Weichen für die nähere Zukunft stellen.

Um 19:30 Uhr deutscher Zeit wird Fed-Chef Jerome Powell vor die Presse treten und den Zinsentscheid verkünden. Mit einer Änderung des Leitzinses im März rechnet nur eine verschwindende Minderheit der Experten. Der Schlüsselzinssatz wird dann in der Bandbreite von 2,25 bis 2,5 Prozent verharren.

Sehr fraglich ist derzeit aber, mit wie vielen Änderungen in diesem Jahr noch zu rechnen ist. Bis zum Januar waren die Volkswirte noch von drei Zinsschritten bis Jahresende ausgegangen. Derzeit schwanken sie zwischen einem und zwei Drehs an der Zinsschraube.

US-Industrie hängt durch

Das hängt vor allem mit den eingetrübten Konjunkturaussichten in den USA und auf globaler Ebene zusammen. Der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet die Projektionen der Volkswirte. Aktuelle Daten zeigen im Bezug auf die USA ein gemischtes Bild. Die US-Industrie verzeichnete zuletzt ein flaue Auftragslage. Dagegen sorgen aber zuversichtliche und ausgabefreudige Verbraucher weiterhin für Schwung in der Wirtschaft. Dagegen ließ auf Unternehmensseite zuletzt die Gewinnentwicklung oft zu wünschen übrig, der Effekt der Steuersenkungen durch die Trump-Regierung verpuffte zuletzt.

Bei den Aussagen von Notenbankchef Powell wird es daher wieder auf die "Tonlage" ankommen. Powell hatte seit Ende Dezember die Kommunikation radikal von einer Zinserhöhungspolitik in Richtung einer "abwartenden" Geldpolitik geändert. Man wolle die künftige Geldpolitik datenabhängiger gestalten.

Wie locker ist locker?

Welche Auswirkungen das auf die Zinspolitik hat, davon könnten die Märkte morgen Abend einen Eindruck bekommen. Nach Einschätzung von Bernd Weidensteiner, USA-Experte bei der Commerzbank, ist nicht einmal klar, ob der nächste Schritt eine Leitzinserhöhung sein wird. "Vielmehr haben die 'Tauben' in der Fed erkennbar Aufwind, so dass auch eine Zinssenkung nicht mehr ausgeschlossen werden kann", so Weidensteiner. Als "Tauben" gelten Notenbankvertreter, die zu einer lockeren Geldpolitik tendieren.

Powell sieht sich dabei nicht nur gegenüber den Märkten einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt. US-Präsident Trump hatte die Notenbank in den vergangenen Monaten mehrfach scharf wegen ihrer Zinserhöhungen kritisiert. Unter anderem hatte sich die Kritik des Präsidenten auf dem Kurznachrichtendienst Twitter auch direkt gegen den Notenbankchef gerichtet und seine Politik als Gefahr für die Wirtschaft bezeichnet. Anfang Februar hatten sich beide zu einem Gespräch getroffen.

Neben der Marschrichtung in Sachen Zinspolitik erwartet werden auch neue Aussagen zur Bilanznormalisierung. Notenbankchef Powell will diese bis zum Jahresende abschließen. Nun müssen die Mitglieder die Details entscheiden. Die BayernLB erwartet, dass der Bilanzabbau mit 50 Milliarden Euro pro Monat zunächst weiterlaufen wird. Im Oktober dürfte sich der Abbau auf 25 Milliarden Dollar pro Monat halbieren, bis er dann im Dezember ganz abgeschlossen werde.

AB