Präsident der Federal Reserve Jerome Powell
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US-Notenbank vor nächstem Zinsschritt Bleibt die Fed entspannt?

Stand: 26.09.2018, 08:31 Uhr

Behutsam hat die US-Notenbank in den vergangenen Jahren den Leitzins angehoben. Heute Abend ist es wieder soweit, wie fast alle Experten annehmen. Doch wie lange wird sich die Zinsspirale noch drehen? Für die Märkte eine entscheidende Frage.

Wenn heute Abend US-Notenbankchef Jerome Powell zunächst den Zinsschritt verkündet, werden die Teilnehmer an den Finanzmärkten kurz den Atem anhalten. Allgemein rechnet man mit einem Zinsschritt um 0,25 Prozent oder 25 Basispunkte auf eine Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent. Das wäre der insgesamt achte Zinsschritt seit Ende 2015, für das laufende Jahr aber wohl nicht der letzte.

US-Wirtschaft läuft wie selten

Und hier liegt für die Beobachter die eigentliche Spannung am Pflichttermin um 20 Uhr europäischer Sommerzeit. Denn wichtiger als die Entscheidung selbst ist die "Projektion" der Zinsentwicklung durch die Fed. Allgemein wird mit einer weiteren kleinen Anhebung noch im laufenden Jahr, nämlich im Dezember gerechnet. Alles, was danach kommt, ist aber bislang noch Spekulation.

Wie weit und wie schnell die US-Notenbank die geldpolitische Schraube anzieht, das dürfte in der Pressekonferenz ab 20:30 Uhr am Mittwoch zumindest klarer werden. Dabei gibt es aber mehrere Unbekannte. Zum einen die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung in den USA durch die Währungshüter. Die US-Konjunktur brummt wie selten: Im abgelaufenen Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr gerechnet um 4,2 Prozent gewachsen, so stark wie seit vier Jahren nicht. Dazu ist der US-Arbeitsmarkt zuletzt in Gang gekommen.

Zu viel Inflation?

Da die Inflation bei zuletzt 2,2 Prozent in der Kernrate lag, dürfte die Fed sich in ihrem Zinserhöhungsziel bestätigt sehen. Die Zielmarke der Notenbank liegt bei zwei Prozent. Allerdings muss die Fed gleichzeitig vorsichtig sein, um die gut laufende Konjunktur nicht durch zu hohe Zinsen abzuwürgen. Interessant dürfte dabei sein, wie die Notenbanker die Effekte der US-Steuerreform als Faktor bei der Konjunkturbelebung bewerten.

Auch die Einschätzung der aktuellen Gefahren für das globale Wachstum und damit auch die US-Wirtschaft dürfte in die Beurteilung der künftigen Geldpolitik einfließen. Welchen Effekt hat der Handelsstreit zwischen den USA und China aus Sicht der Experten auf die Wirtschaftsentwicklung - und wie könnte die Notenbank darauf geldpolitisch im kommenden Jahr reagieren? Nach derzeitigen Schätzungen von Volkswirten wird der aktuelle Zinserhöhungszyklus bei rund drei Prozent seinen Gipfel erreichen.

Steigende Zinsen in den USA und ein stärkerer Dollar hatten bereits in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass wieder verstärkt Kapital aus den Schwellenländern in die USA zurückfloss. Unter anderem hatte dies zu heftigen Währungsturbulenzen in einigen Schwellenländern geführt.

AB