Notenbanker Haruhiko Kuroda, Mario Draghi, Mark Carney, Thomas Jordan, Zhou Xiaochuan, Stephen Poloz

Ernüchternde Konjunkturdaten Bleiben die Notenbanken länger locker?

Stand: 10.05.2018, 06:50 Uhr

2018 sollte das Jahr der Falken werden. Ökonomen prophezeiten das nahende Ende der ultralockeren Geldpolitik in vielen Industrieländern. Danach sieht es nun nicht mehr aus. Die Zentralbanken lassen sich Zeit mit dem Kurswechsel.

In den USA ticken die Uhren anders: Die Fed normalisiert zunehmend ihre Geldpolitik und eilt von einer Zinserhöhung zur nächsten. Die US-Notenbank (Fed) hat die Zinsen zuletzt im März auf 1,5 bis 1,75 Prozent angehoben und zwei weitere Schritte nach oben signalisiert. Manche Experten rechnen gar mit drei Zinserhöhungen noch in diesem Jahr.

EZB zaudert

Viele Notenbanken in den Industrieländern sehen die Fed zwar als Vorbild. Doch den gleichen Weg wie die US-Notenbank wollen sie derzeit nicht einschlagen. Sie warten ab. Allen voran die Europäische Zentralbank (EZB). "Wir haben im Rat nicht über Geldpolitik diskutiert", erklärte bei der letzten Pressekonferenz EZB-Präsident Mario Draghi den verdutzten Journalisten. Ja, über was haben die Währungshüter dann überhaupt diskutiert, fragt man sich.

Bisher hat Draghi keine klaren Signale gegeben, ob das milliardenschwere Anleihekaufprogramm endet. Er hat lediglich den Umfang der Käufe reduziert. Allmählich werden die Märkte ungeduldig. Denn seit Wochen spekulieren die Ökonomen über ein beginnendes Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik der EZB und ein Ende der Anleihenkäufe.

Wirtschaftstempo in Europa lässt nach

Die jüngste Eintrübung der Konjunktur im Euroraum hat aber Draghi & Co wieder vorsichtiger gestimmt. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft nur noch um 0,4 Prozent - nach einem Plus von jeweils 0,7 Prozent in den vorangegangenen drei Quartalen. "Der Konjunkturmotor im Euroraum ist ins Stottern geraten", schrieb die Commerzbank in ihrer jüngsten Studie.

Auch die Frühindikatoren schwächten sich ab. So brach der Ifo-Index in Deutschland überraschend ein. Und auch das GfK-Verbrauchervertrauen sank. Zudem steigt die Inflation in Europa nicht so stark wie erhofft. Das Teuerungsziel von zwei Prozent ist momentan noch weit entfernt.

Chartverlauf Ifo-Geschäftsklimaindex von August 2017 bis April 2018

Ifo-Geschäftsklimaindex. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

Schwedische und britische Notenbanken zögern

Neben der EZB zögern auch andere Notenbanken, ihre Geldpolitik zu straffen. So verschob vor kurzem die schwedische Riksbank ihren Plan, die Zinsen zum ersten Mal nach sieben Jahren wieder anzuheben.

Die Bank of England tut sich ebenfalls schwer, nochmals an der Zinsschraube zu drehen. Angesichts der Konjunkturabschwächung und der abflauenden Inflation auf der Insel hatte der Gouverneur der Bank, Mark Carney, jüngst die Erwartung eines baldigen Zinsschritts gedämpft. Die meisten Volkswirte hatten mit einer Zinserhöhung im Mai gerechnet, nun gehen sie davon aus, dass diese eher im August kommt.

Bank of Canada warnt

Selbst aus Kanada sind inzwischen wieder lockere Töne zu hören. Der Gouverneur der Bank of Canada erklärte vor kurzem, dass noch mehr Anstrengungen nötig seien, um die Finanzkrise hinter sich zu lassen.

Und last but not least hat die japanische Notenbank ihr geldpolitisches Anreizprogramm unverändert fortgesetzt. Immerhin verzichtete sie in ihrer Erklärung diesmal darauf, einen Zeitrahmen für das Erreichen ihres Inflationsziels von zwei Prozent zu nennen.

Warum die Wende so schwer ist

Die zögerlichen Schritte zeigen, wie heikel die Rückkehr zur Normalisierung der Geldpolitik ist. Volkswirte warnen davor, dass voreilige Zinsanhebungen die Konjunktur abwürgen könnten. In Europa wird befürchtet, dass eine Zinswende besonders die Banken in Südeuropa, insbesondere Italien in Schieflage brächte.

nb