Christine Lagarde
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Inflationsziel steht zur Debatte Beginn einer neuen EZB-Politik?

Stand: 22.11.2019, 13:59 Uhr

Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde tritt ein kompliziertes Erbe an. Die lockere Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi muss sie wohl fortsetzen. Gleichzeitig schwächelt das Wachtum in Euroland weiter. Womöglich muss eine neue Strategie her, mit mehr Inflation?

Lagarde kündigte am Montag bei einer Veranstaltung in Frankfurt eine baldige Überprüfung der Strategie der Notenbank an. Dabei geht es unter anderem darum, ob das mittelfristige Inflationsziel der EZB von knapp zwei Prozent noch zeitgemäß ist.

Die Notenbank hat dieses Ziel trotz ihrer ultralockeren Geldpolitik schon lange nicht mehr erreicht, obwohl sie ihre Geldpolitik massiv gelockert hat. Einige Kritiker sprechen von "japanischen Verhältnissen", weil es der japanischen Notenbank trotz einer ebenfalls sehr lockeren Geldpolitik seit noch viel längerer Zeit nicht gelingt, ihr Preisziel zu erreichen.

Gemeinsam gegen die Konjunkturschwäche

Die neue EZB-Präsidentin hat Europa angesichts globaler Handelskonflikte und der schwächeren Konjunktur zur Gemeinsamkeit aufgerufen. Da es sich um gemeinsame Herausforderungen handele, "müssen wir ihnen mit einer gemeinsamen Antwort begegnen", sagte Lagarde bei ihrer ersten programmatischen Rede seit dem Amtsantritt am 1. November.

Zugleich bekräftigte die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag bei einer Veranstaltung in Frankfurt, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik auf absehbare Zeit für nötig hält. Die Nebeneffekte dieser Politik würden aber ständig im Blick behalten. Wie schon ihr Vorgänger Mario Draghi mahnte auch die frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine stärkere Unterstützung durch die Politik an, um das Wachstum im gemeinsamen Währungsraum anzukurbeln.

Mehr ins Wachstum investieren

Ein zentrales Element sei die staatliche Ausgabenpolitik. "Investitionen sind ein besonders wichtiger Teil der Antwort auf die Herausforderungen von heute, da sie sowohl die Nachfrage von heute als auch das Angebot von morgen sind", sagte Lagarde. Obwohl alle entwickelten Volkswirtschaften ein Wachstumsproblem hätten, seien die Staaten der Eurozone langsamer damit vorangekommen, ins digitale Zeitalter zu investieren als andere wie die USA. Die EZB-Präsidentin mahnte: "Wir haben die einzigartige Gelegenheit auf eine sich wandelnde und herausfordernde Welt durch Investitionen in unsere Zukunft, Stärkung unserer gemeinsamen Institutionen und der Handlungsfähigkeit des zweitgrößten Wirtschaftsraumes zu reagieren."

AB