VW-Fahrzeuge auf Chinas Straßen

Studie über die Folgen des Coronavirus Autobranche könnte es besonders hart treffen

Stand: 17.02.2020, 08:54 Uhr

Wegen der Coronakrise dürfte der Fahrzeugabsatz in China im ersten Halbjahr um mehr als zehn Prozent sinken, schätzt der Branchenverband. Besonders heftig dürfte es Europas Autoindustrie treffen.

Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) dürfte das Coronavirus in China die Autohersteller besonders empfindlich treffen. Allein in der besonders betroffenen Provinz Hubei würden an gut einem Dutzend Standorten fast zwei Millionen Autos pro Jahr gefertigt, heißt es in einer Studie der Beratungsgesellschaft. Das seien etwa acht Prozent der Fahrzeugproduktion Chinas.

Bei leichten Nutzfahrzeugen sei Hubei landesweit der wichtigste Produktionsstandort nach der Provinz Guangdong an der Grenze zu Hongkong. Doch nicht nur in Hubei seien über Tage Anlagen heruntergefahren geworden, sondern in einer Reihe von Provinzen. Zum Vergleich: Der weltweite Marktführer VW hat 2019 gut 10,9 Millionen Autos verkauft.

Allein in Wuhan 700 Zulieferer

Das Coronavirus habe schon viele Branchen in Mitleidenschaft gezogen, so die Boston Consulting Group (BCG). "Aber die Autoindustrie sticht hervor als eine, die die Auswirkungen schnell und tief spürt angesichts der entscheidenden Rolle Chinas." So sei das Land der größte Absatzmarkt für Neuwagen und zugleich wichtiger Standort für Hersteller und Zulieferer. "Die Autoindustrie wird lokal und rund um den Globus betroffen sein", schreiben die Berater mit Blick auf gestörte Lieferketten.

Insgesamt gebe es über 700 ausländische und chinesische Zulieferer in der Provinz mit ihrer abgeriegelten Hauptstadt Wuhan. Auch ausländische Autohersteller seien in Hubei stark engagiert: Ein Großteil der Produktion von Gemeinschaftsfirmen mit chinesischen Unternehmen entfalle auf die Provinz, so BCG. Honda, PSA und Renault etwa haben ihren chinesischen Hauptsitz in Wuhan.

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Gestörte Lieferketten

Ein Produktionseinbruch könnte auch die globalen Lieferketten unterbrechen, da China einer der größten Exporteure von Fahrzeugteilen sei - etwa bei Bremsen, Elektronik, Fahrgestellen und Rädern. Jede dieser Kategorien stehe für Exporte im Wert von 5 bis 6 Milliarden US-Dollar, so BCG. Schon jetzt musste Fiat-Chrysler eine Fabrik in Serbien still legen, weil Ersatzteile aus China fehlen.

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Die Folgen gestörter Lieferketten würden "in den Firmenzentralen rund um den Globus zu spüren sein", prophezeien sie. Autokonzerne mit großem China-Geschäft sollten ihre Lieferketten rüsten für Turbulenzen oder Aktivitäten in andere Länder verlagern.

Starker Einbruch im Januar

China ist gerade für deutsche Hersteller von Bedeutung: Für Mercedes-Benz, Audi, BMW, Volkswagen und Porsche ist die Volksrepublik der wichtigste Markt. Bei VW steht China für gut 40 Prozent der Auslieferungen. Auch globale Hersteller sind von Fernost abhängig: GM verkaufe mehr Autos in China als in den USA, so BCG.

Zuletzt hatte das Coronavirus dem ohnehin schwächelnden Automarkt in China zugesetzt. Im Januar lieferten die Hersteller 1,6 Millionen Fahrzeuge an Autohändler aus - gut ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum, berichtete der Herstellerverband China Association of Automobile Manufacturers. Das war der stärkste Einbruch seit Jahresanfang 2012. Käufer mieden Autohäuser zunehmend angesichts der Epidemie. Der Verband schätzt, dass das Coronavirus die Autoproduktion in diesem Jahr um eine Million Fahrzeuge mindern könnte. Verkauft wurden 2019 rund 21 Millionen Autos in China.

Weltweiter Rückgang

Dies sei die Prognose unter der Maßgabe, dass die Ausbreitung vor April effektiv eingedämmt sei, sagte der Verband der Nachrichtenagentur Reuters. Für das Gesamtjahr werde ein Rückgang der Verkäufe auf dem weltgrößten Automarkt um rund fünf Prozent erwartet.

BMW Shenyang

BMW Shenyang. | Bildquelle: imago images / China Photo Press

Die Lungenkrankheit hat schon die deutschen Autokonzerne getroffen. So hatte BMW wegen des Coronavirus die chinesischen Neujahrsferien an seinem weltgrößten Standort in der Millionenstadt Shenyang verlängert. An diesem Montag (17. Februar) soll die Produktion in den Werken wieder hochfahren.

VW liefert weniger Fahrzeuge aus

Der zeitweilige Stillstand habe aber keine Folgen für die weltweiten Lieferströme. "Wir rechnen momentan nicht damit, dass andere Werke außerhalb von China davon maßgeblich betroffen sind", sagte jüngst BMW-Chef Oliver Zipse.

VW hat dagegen den Produktionsstopp in den Werken des Gemeinschaftsunternehmens mit der Shanghai Automotive (SAIC) um eine Woche verlängert bis zum 24. Februar. Bereits jetzt sind die Auslieferungen aller VW-Marken in China auf 343.400 Fahrzeuge gefallen - ein Einbruch von 11,3 Prozent gemessen am Vorjahr. Weltweit sorgte das für einen Rückgang der Verkäufe um 5,2 Prozent. Am Morgen wurde bekannt, dass die im April angesetzte Automesse in Peking verschoben wird.

lg/dpa