Europäische Zentralbank in Frankfurt
Video

Womit Anleger rechnen müssen Lässt die EZB die Katze aus dem Sack?

Stand: 22.01.2018, 14:27 Uhr

Investoren blicken gespannt nach Frankfurt. Heute tagt die Europäische Zentralbank und berichtet anschließend über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Wird sie etwa eine Zinserhöhung andeuten?

Die Spekulationen sind im vollen Gange. Angetrieben von der Europäischen Zentralbank höchst persönlich. Wie im jüngst veröffentlichten Protokoll ihrer Dezember-Sitzung zu lesen war, wollen die Notenbanker früh in diesem Jahr ihren Ausblick überprüfen. Die so genannte Forward Guidance könnte "Anfang des kommenden Jahres" geändert werden, war dort nachzulesen. Dieser geldpolitische Ausblick ist ein wichtiges Mittel der Notenbanker, um die Märkte schonend und frühzeitig auf kommende geldpolitische Schritte vorzubereiten.

»Die Ratsmitglieder waren überwiegend der Ansicht, dass die Kommunikation angepasst werden muss, wenn sich das Wirtschaftswachstum fortsetzt und die Inflation weiter dem Zielbereich nähert, ohne jedoch etwas an der Reihenfolge zu ändern.«

Aus dem jüngsten EZB-Protokoll

"Das Ende der lockeren Geldpolitik rückt näher und es kommt schneller als bislang gedacht", interpretiert Devisenhändler John Dolan von Fexco das Sitzungsprotokoll. Schon wurde an den Finanzmärkten spekuliert, dass die EZB ein erstes Signal zu einer Zinserhöhung auf ihrer Januar-Sitzung gibt. Wenn, dann würde sie das aber behutsam tun durch eine kleine Änderung ihres Wortlautes. "Der Hinweis zur möglichen Aufstockung oder Verlängerung der Anleihekäufe könnte gestrichen werden", erklärte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Der Kurs der EZB

Stapel von Euroscheinen

Die EZB kauft seit März 2015 Staatsanleihen, um die Konjunktur und die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation anzuschieben. Das Programm läuft nach derzeitigem Stand bis mindestens Ende September 2018. Ab Januar halbierten die Währungshüter das monatliche Kaufvolumen auf 30 Milliarden Euro, da die Wirtschaft im Währungsraum inzwischen deutlich besser läuft.

Januar oder März?

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
1,1727
Differenz relativ
+0,70%

Allerdings halten Volkswirte den Termin der nächsten EZB-Sitzung am 8. März für wahrscheinlicher. Denn nach der heftigen Reaktion an den Finanzmärkten - der Euro stieg nach dem Sitzungsprotokoll auf ein Drei-Jahres-Hoch - äußerten sich etliche Top-Notenbanker ungewohnt deutlich zum Euro.

So bezeichnete Frankreichs Zentralbankchef Francois Villeroy de Galhau die Kursrally als Quelle von Unsicherheit. EZB-Vize Vitor Constancio äußerte sich besorgt über plötzliche Kursbewegungen, die keine Veränderungen der Fundamentaldaten widerspiegelten.

Sorgenkind Euro

"Der jüngste Anstieg des Euro/Dollar-Kurses scheint bereits die EZB in einem gewissen Ausmaß aufgeschreckt zu haben", sagt Zinsexperte Jan von Gerich von der schwedischen Großbank Nordea. Ähnlich sehen das die Volkswirte Gizem Kara und Stefan Ubovic vom französischen Bankhaus BNP Paribas: "Obgleich sich aus ökonomischer Sicht die Währung noch nicht auf einem alarmierenden Niveau befindet, ist der plötzliche beschleunigte Anstieg ein Grund zur Sorge."

Mit einem starken Euro-Wechselkurs verbilligen sich Importe. Güter aus dem Währungsraum werden dagegen im Ausland teurer und büßen an Wettbewerbsfähigkeit ein. Tendenziell dämpft das die aus EZB-Sicht ohnehin schon zu niedrige Inflation.

Neue Bezugsgröße Zinsen?

Wende

Bislang sind für die Euro-Wächter die Anleihenkäufe die zentrale Bezugsgröße. So heißt es im EZB-Ausblick, dass die billionenschweren Transaktionen so lange fortgesetzt werden, bis ein nachhaltiger Anstieg der Inflation in Richtung der Zielmarke von knapp zwei Prozent zu erkennen ist. Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld eintrüben, wird eine nochmalige Aufstockung oder Verlängerung der Käufe nicht ausgeschlossen.

Die Formulierung im Protokoll spreche eigentlich dafür, dass Änderungen beim Ausblick bereits jetzt erfolgen müssten, so Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. "Allerdings scheinen dem Vernehmen nach viele Ratsmitglieder hiermit bis zur übernächsten Sitzung im März warten zu wollen, vielleicht auch um auf diese Weise die zuletzt verstärkten Zinserhöhungsspekulationen zu dämpfen." Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters zuletzt, die Notenbank brauche noch mehr Zeit, um die wirtschaftlichen Aussichten für die Euro-Zone und die künftige Euro-Entwicklung besser abschätzen zu können.

bs