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Amerika bereitet sich auf das Ende der Börsenparty vor Finanzgurus melden sich zu Wort

Ed Yardeni

Ed Yardeni
"Der Optimismus blüht und die Gewinne und Erträge der Unternehmen nehmen ab", schreibt der angesehene Analyst Ed Yardeni, Leiter von Yardeni Research. Die jüngste Ertragssaison habe zu dem starken Ausverkauf der Aktien im Oktober beigetragen, da einige Unternehmen bullische Gewinne vermeldeten, die durch bärische Prognosen über die künftigen Gewinnaussichten mehr als ausgeglichen wurden.

Die Herde der Wall Street sei beim S&P 500 viel zu optimistisch. Die Ergebnisse des dritten Quartals hätten die Begeisterung der Analysten für das Gewinnwachstum in diesem und den kommenden zwei Jahren nicht gemindert. Yardeni habe jedoch seine Begeisterung gebremst und nennt dafür Gründe: Er erwartet ein sinkendes Gewinnwachstum, eine Verlangsamung der Umsätze und eine Verschlechterung der globalen Konjunkturaussichten. "Ich erwarte daher nicht, dass die Gewinnspanne des S&P 500 von hier aus weiter steigt", so Yardeni.

Amerika bereitet sich auf das Ende der Börsenparty vor Finanzgurus melden sich zu Wort

Ed Yardeni

Ed Yardeni
"Der Optimismus blüht und die Gewinne und Erträge der Unternehmen nehmen ab", schreibt der angesehene Analyst Ed Yardeni, Leiter von Yardeni Research. Die jüngste Ertragssaison habe zu dem starken Ausverkauf der Aktien im Oktober beigetragen, da einige Unternehmen bullische Gewinne vermeldeten, die durch bärische Prognosen über die künftigen Gewinnaussichten mehr als ausgeglichen wurden.

Die Herde der Wall Street sei beim S&P 500 viel zu optimistisch. Die Ergebnisse des dritten Quartals hätten die Begeisterung der Analysten für das Gewinnwachstum in diesem und den kommenden zwei Jahren nicht gemindert. Yardeni habe jedoch seine Begeisterung gebremst und nennt dafür Gründe: Er erwartet ein sinkendes Gewinnwachstum, eine Verlangsamung der Umsätze und eine Verschlechterung der globalen Konjunkturaussichten. "Ich erwarte daher nicht, dass die Gewinnspanne des S&P 500 von hier aus weiter steigt", so Yardeni.

Jim Cramer

Jim Cramer
Auch CNBC-Gastgeber Jim Cramer, ehemaliger Hedgefonds-Manager, warnt: Der Aktienmarkt werde "eine sehr gravierende Korrektur" hinnehmen müssen. Es gebe einige fundamentale Gründe für den Abwärtstrend. Investoren könnten sich nirgendwo davor verstecken.

In CNBCs "Halftime Report" sagte Cramer, dass es einen Einbruch der Anteile an sogenannten FANG-Namen gebe - das Quartett von Facebook, Amazon, Netflix und Google-Mutter Alphabet. Aufgrund der massiven Marktwerte und des Ausmaßes, in dem die Anleger in diese Investitionen investiert haben, gehörten sie zu den einflussreichsten Unternehmen an der Wall Street. Alle vier Konzerne befänden sich in Korrekturphasen.

Cramer meint, die Wirtschaft sei solide und setze sich für die Idee ein, dass die US-Notenbank ihre Zinserhöhungsinitiative zur Beurteilung der aktuellen Marktbedingungen pausiert oder zumindest verlangsamt. Die Zentralbank wird voraussichtlich im Dezember die Zinssätze wieder anheben, zum vierten Mal im Jahr 2018.

US-Ökonom und Nobel-Preis-Gewinner 2013 Robert J. Shiller

Robert J. Shiller
US-Ökonom Robert Shiller weist ebenfalls darauf hin, dass ein Crash der Aktienmärkte jederzeit möglich sei. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" sagt der Nobelpreisträger von 2013: "Der Einbruch wird kommen."

Zwar boome die US-Konjunktur, die Arbeitslosenquote sei so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr und Trump gebe den Amerikanern Zuversicht. Die langfristigen Risiken seien aber größer als der kurzfristige Nutzen: "Man darf sich nicht täuschen lassen. Ein Kollaps ist jederzeit möglich, sowohl an den Aktien- als auch an den Immobilienmärkten." Die agressive und protektionistische Politik des Präsidenten sei eine tickende Zeitbombe, so dhiller.

Bisher seien die Finanzmärkte mit Trump zufrieden und auch die Asset-Preise seien vor allem in den USA noch hoch. Doch das werde sich mittelfristig ändern.

Bank of America-Werbung in New York

Michael Hartnett
Die Bank of America rät ebenfalls zu einem vorsichtigeren Ansatz. Die Aktien hätten ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht. "Wir bleiben bärisch, da die Positionierung der Anleger noch nicht "The Big Low "an den Anlagemärkten signalisiert", sagt Michael Hartnett, Chefinvestitionsstratege der Tochter Merrill Lynch.

Der Bull & Bear-Indikator der Bank, der die Anlegerstimmung nachverfolgt, hänge bei 3,1, was bedeutet, dass kein "Contrarian-Buy-Signal" asugelöst werde, sagte er. Die Anzeige läuft von 0 bis 10, wobei das obere Ende extreme Euphorie und das untere extremen Pessimismus darstellt.

Ming Cen, Perella Weinberg Partners

Ming Cen
"Die Margin-Verschuldung ist sehr hoch", sagte Ming Cen, Managing Director und Senior Researcher bei Perella Weinberg Global Macro Fund, gegenüber "TheStreet". Dahinter verbirgt sich der kreditfinanzierte Aktienkauf, den Broker ihren Kunden anbieten. Der Markt sei daher "sehr anfällig für Abverkäufe". Das Gesamtvolumen solcher Kredite in den USA liegt nach Angaben von FINRA jetzt bei über 650 Milliarden US-Dollar, was nahezu dem höchsten Wert entspricht, den es je gab.

Die Spanne zwischen dem Wachstum des S&P 500 und dem Anstieg der Verschuldung, die die Anleger zum Kauf von Aktien übernommen haben, ist fast so hoch wie 2007, kurz vor der Finanzkrise. Das werde, so Cen, "zu einem Ausverkauf führen und die Volatilität erhöhen", sie glaube aber nicht, "dass daraus eine Blase wird".

Der zweite Trend, den amerikanische Anleger im Auge behalten sollten, ist laut Cen die erwartete Verlangsamung der Aktienrückkäufe. Die Rückkäufe hätten die Aktienmärkte für einen Großteil des Jahres 2018 gestützt. "Die Unternehmen werden ihre Rückkäufe fortsetzen - es ist aber eine Frage der Zeit, wann sie sich verlangsamen. In diesem Fall wird es wahrscheinlich eine Korrektur geben", sagt sie. Deshalb warnt auch sie, "auf dem US-Aktienmarkt vorsichtig zu sein".

Paul Tudor Jones

Paul Tudor Jones
Paul Tudor Jones, eine Hedgefonds-Legende, sagt, er teste sein Portfolio an Unternehmensanleihen, da er aufgrund der offensichtlichen Zusage der Federal Reserve, die Zinssätze zu normalisieren, einen turbulenten Weg erwartet. Bei einem Wirtschaftsforum in Greenwich, Connecticut sagte Jones, die Fed stehe vor dem "Ende einer zehnjährigen Laufzeit" des Wirtschaftswachstums, das für viele bald ein schreiendes zyklisches Ende nehmen werde.

Jones glaubt, dass Anleihen und Aktien in einem Umfeld überbewertet werden, das durch die Geldpolitik der Zentralbanken auf der ganzen Welt gestützt wurde.

David A. Stockman

David A. Stockman
Der US-Politiker David Stockman, Leiter des Office of Management and Budget im damaligen Kabinett von Präsident Ronald Reagan, ist sich schon länger sicher, dass der Abschwung kommen wird. Gegenüber CNBC vertrat Stockman eine klare Meinung: Es werde zu einem epischen Abschwung an den Aktienmärkten kommen. "Wenn Sie ein vernünftiger Investor sind, brauchen Sie nur zwei Wörter in Ihrem Wortschatz: Trump und verkaufen", sagt der Politiker über die momentane Situation. Sobald Trump sich nochmal zum Handelskrieg mit China äußert oder die Fed erneut kritisiert, komme es zu heftigen Bewegungen auf dem Aktienmarkt nach unten.

Stockman ist der Meinung, dass der nächste Abschwung der US-Wirtschaft schon innerhalb der nächsten ein oder zwei Jahre kommen wird. Das werde auch für den Aktienmarkt von Bedeutung sein. "Der faire Wert des S&P wird auf dem Weg in die nächste Rezession weit unter 2.000 Punkten sein, eher bei 1.500 Punkten - weit unter dem, wo wir heute sind", prophezeit Stockman. Er warnt: "Wir werden in eine Rezession rutschen, und wir werden eine weitere, ziemlich bestialische, Marktkorrektur erleben."

Seema Shah,  Investment-Strategin bei Principal Global Investors

Seema Shah
"Gehen Sie in Deckung, das Schlimmste ist noch nicht gekommen", alarmiert die Investmentstrategin Seema Shah von Principal Global Investors. Anleger sollten sich laut Shah nicht auf die kleinen Rebound-Aktien, die seit dem roten Oktober gesehen wurden, verlassen. "Statt eines Signals für eine erneute Stärke des Aktienmarkts sollte jede Rally zum Jahresende eher als Chance betrachtet werden, US-amerikanische Aktien zu verlassen", schreibt sie.

Shahs Bedenken basieren auf einigen bekannten Themen: die Maßnahmen der Fed, ein negativer wirtschaftlicher Einfluss durch den starken Dollar, die Schlappe der Tech-Aktien und der US-China-Konflikt.

"Ich sollte noch einmal betonen, dass meine negativen Aussichten für US-Aktien nicht von Annahmen über den Handelskrieg abhängen, sondern von der Umkehrung der lockeren monetären Bedingungen", sagt Shah.