Was wird aus der Konjunkturlokomotive? Alarmsignal von Chinas Außenhandel

Stand: 14.01.2019, 11:20 Uhr

Die chinesischen Außenhandelsdaten für den Dezember schüren bei den Investoren Konjunkturängste, die Exporte schrumpfen. Immerhin wachsen die Handelsüberschüsse mit den USA weiter, und das trotz des Zollstreits.

In China gingen die in US-Dollar gemessenen Exporte im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,4 Prozent zurück. Die Importe verringerten sich noch stärker um 7,6 Prozent. Das sind die schwächsten Daten seit rund zwei Jahren. Zudem wurden die Daten für November schwächer ausgewiesen als bisher bekannt. Experten hatten für das Jahresende zwar mit einem schwächeren Außenhandel gerechnet, allerdings sowohl für die Aus- als auch die Einfuhren leichte Zuwächse erwartet.

„Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Handelsstreit seine Spuren nicht nur an den Finanzmärkten hinterlassen hat, sondern sich auch in der realen Wirtschaft mehr und mehr niederschlägt“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader.

Die Bilanz für das Gesamtjahr 2018 fiel dagegen weniger trübe aus. Die Ausfuhren Chinas stiegen im Vergleich zum Vorjahr um knapp zehn Prozent, die Einfuhren erhöhten sich um knapp 16 Prozent. Allerdings war der Ausfuhrüberschuss der geringste seit fünf Jahren, was ebenfalls als Schwächezeichen gelten kann.

Holzkiste mit aufgedruckter China-Flagge wird verladen

Chinesische Exporte. | Bildquelle: colourbox.de

Was hat den USA der Zollstreit gebracht?  

Investoren fürchten derzeit, dass der seit Monaten schwelende Handelsstreit zwischen China und den USA immer mehr Tribut von der chinesischen Wirtschaft zollt. „Die schlechten Konjunkturdaten könnten dazu führen, dass die Regierung in Peking noch stärker an einer schnellen Beilegung des Streits interessiert ist", sagte Analyst Ray Attrill von der National Australia Bank. Die Experten der Citibank rechnen dagegen damit, dass die Unsicherheit bestehen bleibt und eine rasche Lösung mit den USA nicht in Sicht ist.

Dabei hat China trotz des Zollstreits 2018 erneut einen signifikanten Handelsüberschuss mit den USA in Höhe von 323,3 Milliarden US-Dollar (282 Milliarden Euro) erzielt. Zum Jahresende begannen die verzögerten Auswirkungen der Zollerhöhungen von Präsident Donald Trump die Nachfrage aber zu dämpfen.

Die Importe amerikanischer Waren stiegen im Vergleich zu 2017 um nur 0,7 Prozent, was die Vergeltungszölle Pekings sowie die Ermutigung widerspiegelt, mehr von anderen Lieferanten zu kaufen.

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping. | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

Problem Binnennachfrage

Die schwache Entwicklung des Außenhandels dürfte sowohl auf Gründe außerhalb wie innerhalb Chinas zurückgehen. Die Abschwächung der Weltwirtschaft in den vergangenen Monaten sorgt für eine geringere Auslandsnachfrage nach chinesischen Waren. Auf der anderen Seite sind die schwachen Einfuhren Chinas ein Spiegelbild der sich abschwächenden Binnennachfrage.

Die Regierung versucht mit einer Reihe von Maßnahmen gegenzusteuern - von höheren Infrastrukturausgaben bis zu Steuersenkungen.

ts/dpa/rtr

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Wer unter Chinas Konjunkturdämpfer leidet Galerie

Mit einer chinesischen Fahne bedecktes Auto

Automarkt
Für die Autobauer war China in den vergangenen Jahren ein wichtiger Umsatzbringer. Jetzt sehen wir Absatzprobleme: Der Neuwagenabsatz ist im vergangenen Jahr erstmals seit den 90er Jahren gesunken. Im Dezember seien die Verkaufszahlen den sechsten Monat in Folge rückläufig gewesen, sodass der Absatz im Gesamtjahr um 2,8 Prozent auf 28,1 Millionen Fahrzeuge gefallen sei, teilte der Automobilverband CAAM mit. Als Gründe führte der Verband die höheren Zölle im Handelskrieg zwischen China und den USA sowie der Wegfall von Steuervorteilen an. Ursprünglich hatte der CAAM für den weltweit größten Automarkt ein Plus von drei Prozent veranschlagt. Die Nachfrageschwäche traf vor allem den Volumenmarkt, während der von den deutschen Autobauern dominierte Premiummarkt weiter wuchs.

Der CAAM rechnet für 2019 mit Stagnation. Einige Prognosen liegen bei bis zu zwei Prozent Wachstum. Analysten gehen davon aus, dass die geplanten, aber noch nicht konkret bekannten Konsumspritzen des Staates dem Automarkt Schwung verleihen könnten.