Auf einer Männerhand steht ein Sparschwein mit nachdenklichem Gesichtsausdruck

Deutschland macht "Miese" 250 Milliarden Euro Verlust

Stand: 21.05.2017, 16:00 Uhr

Den deutschen Sparer kommt die Geldpolitik der EZB teuer zu stehen. Auf 250 Milliarden Euro entgangene Zinseinnahmen wird der "Schaden" beziffert. Ist der Preis für Europa zu hoch?

Zu diesem Schluss kommt jedenfalls der Chefökonom der DZ Bank, Stefan Bielmeier. Nach den Berechnungen seines Instituts hat die Niedrigzinspolitik der EZB seit 2010 den deutschen Sparer 436 Milliarden Euro gekostet. Basis der Berechnungen der Experten der Bank waren Daten der Bundesbank und anderer offizieller Statistiken, als Vergleichszeitraum diente der Zeitraum zwischen 1998 und 2008.

Roter Würfel mit Prozentzeichen mit angelehnter Leiter schwimmt im Wasser

Prozente. | Bildquelle: colourbox.de

Danach entgingen dem deutschen Sparer im Zeitraum zwischen 2010 und 2016 insgesamt 344 Milliarden Euro an Zinseinnahmen, 2017 werden weitere 92 Milliarden Euro hinzukommen. Würden diese 436 Milliarden Euro auf jeden Deutschen umgelgt, käme man auf eine Summe von 5.317 Euro je Einwohner.

Gegenrechnen

Allerdings hat die Niedrig- beziehungsweise Nullzinspolitik auch ihre Kehrseite. Denn auch die Kreditzinsen sind deutlich gesunken und haben zu einer kräftigen Ersparnis bei den Zinskosten geführt. Diesen positiven Gegeneffekt beziffern die Experten der DZ Bank auf 188 Milliarden Euro, so dass unter dem Strich damit eine Einbuße von 248 Milliarden Euro steht.

"Deutschlands Sparer zahlen einen üppigen Teil der Rechnung für die lockere Geldpolitik der EZB", sagte Bielmeier gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeirtung".

Eine Rechnung mit vielen Unbekannten

Aber ist das alles wirklich so einfach mit dem Gegenrechnen? Zweifel bleiben im Gesamtkontext erlaubt, denn die Effekte der Niedrigzinspolitik der EZB gehen weit über die simple Berechnung von Soll gegen Haben hinaus.

Sechs kleine Arbeiterfiguren halten eine Euromünze

Eurokrise - Lasten tragen . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gerade für Exportweltmeister Deutschland, für den die europäischen Nachbarstaaten unverzichtbare Absatzmärkte sind. Da wäre wohl so mancher Staat dabei (außer Griechenland), der sich die deutschen Produkte bei einem höheren Zinsniveau in Euroland wegen Überschuldung schlicht nicht mehr hätte leisten können.

Aber kann man den als sparsam und fleißig geltenden Deutschen wirklich einen Vorwurf machen? Sie scheuen überwiegend das Risiko und meiden daher Anlageformen wie Aktien, zumal nach den schlechten Erfahrungen zur Jahrtausendwende und während der Finanzkrise. Auch Immobilien werden, wenn überhaupt vorhanden, überwiegend lange selbst genutzt oder vererbt. Subjektive Wohlstandeffekte wie in den angelsächsischen Ländern kommen da nicht so recht auf, auch wenn die Preise zumindest in den Ballungsräumen hierzulande zuletzt deutlich gestiegen sind.

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Aktien stärker im Blick behalten

EZB-Präsident Mario Draghi auf einer Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

EZB-Präsident Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Übrigens ist die Aktie der absolute Gewinner der Niedrigzinsphase, das darf als gesicherte Erkenntnis gelten. Denn schon seit 2009, dem Ende der Finanzkrise, spätestens aber seit 2012, dem Ende der Eurokrise, steigen bekanntlich die Kurse und Dividenden der Anteilsscheine kontinuierlich. Sparen die Deutschen also nur falsch, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) meint?

Bliebe als Lösung des Zinsdilemmas noch hemmungsloser, kreditfinanzierter privater Konsum, wie er etwa in Amerika gang und gäbe ist. Zwar stiegen zuletzt die privaten Konsumausgaben auch in Deutschland kräftig, der deutsche Michel übertreibt es dabei aber nun mal nicht gerne. Endlos in die Zukunft geschobene Kreditkartenabrechnungen sind also auch keine Alternative.

Die EZB unter Mario Draghi ist übrigens gut beraten, den Übergang hin zu einer zumindest normalisierteren Geldpolitik vorsichtig und behutsam anzugehen. Weder Aktien noch Rentenpapiere können eine schnelle Zinswende unbeschadet wegstecken. Dann wäre wohl der entgangene Zins für die Sparer das kleinere Übel.

rm

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Dogs of the Dax 2017 Ganz dicke Dividenden

<b>1. Münchener Rück: 4,77%</b><br />Eine Aktie für Dividendenjäger par excellence ist die Münchener Rück mit ihren annähernd 4,8 Prozent Dividendenrendite, basierend auf dem Schlusskurs vom 23.3.2017. Der Versicherer erhöht für 2016 die Zahlung von 8,25 auf 8,60 Euro pro Aktie. Absolut betrachtet ist es die höchste Ausschüttung je Aktie im Dax. : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

1. Münchener Rück: 4,77%
Eine Aktie für Dividendenjäger par excellence ist die Münchener Rück mit ihren annähernd 4,8 Prozent Dividendenrendite, basierend auf dem Schlusskurs vom 23.3.2017. Der Versicherer erhöht für 2016 die Zahlung von 8,25 auf 8,60 Euro pro Aktie. Absolut betrachtet ist es die höchste Ausschüttung je Aktie im Dax.

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