Ausschüttungen unter Corona-Vorbehalt Zu hohe Dividendenrendite?

Stand: 29.05.2020, 16:07 Uhr

Viele Aktionäre kalkulieren sie bei ihren Aktieninvestments wie selbstverständlich mit ein: Die Dividende bei ihren Depotbestandteilen. Die Corona-Krise hat auch hier vieles verändert. Auch bei langjährigen Dividenzahlern steht die Ausschüttung zur Debatte. Und eine hohe Dividendenrendite sollte zur Vorsicht mahnen.

Nach den heftigen Kursrückgängen durch den Corona-Crash regt sich bei manchem Dividenden-Fan der Jagdinstinkt. Warum nicht einen Öl-Multi wie ExxonMobil oder Total kaufen, hier locken derzeit noch Dividendenrenditen von rund acht Prozent. Oder eine Bergbau-Aktie wie die von Rio Tinto, die kaum weniger Dividendenrendite verspricht?

Auch in Dax oder MDax warten einige der Konzerne mit hohen Ausschüttungsquoten auf. Etwa BASF, einer der weltgrößten Chemie-Konzerne mit knapp sieben Prozent oder die Versicherungsriesen Allianz und Münchener Rück. Alles eigentlich grundsolide Unternehmen, deren Ausschüttungen traditionell stabil sind.

Ab sechs Prozent droht "Ärger"

Experten sehen ein solches Vorgehen angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gewinnsituation vieler Unternehmen durchaus kritisch. Die Analysten der französischen Großbank Société Générale etwa haben in einer aktuellen Studie untersucht, dass eine hohe Dividendenrendite in vielen Fällen auch "zu hoch" sein kann. Dann nämlich, wenn das Unternehmen zum Beispiel in einer zyklischen Branche tätig ist, bei der eine anstehende Rezession massiv in die Gewinnaussichten einschneidet. Etwa solche aus dem Chemie- oder Grundstoffsektor.

In vielen Fällen sind denn auch die Aktien solcher Konzerne zuletzt überdurchschnittlich gefallen, was beim Blick auf die Dividendenrendite dann leicht ein falsches Bild erzeugen kann. Ab sechs Prozent Dividendenrendite drohe statistisch gesehen "Ärger", so die Analysten. Der Abstand zwischen Dividendenprognosen und tatsächlich ausgeschütteten Dividenden wachse ab sieben Prozent Dividendenrendite immer weiter. Bei einer erwarteten Quote von 15 Prozent fiel in der Vergangenheit die wirkliche Rendite um drei Viertel geringer aus.

Rezession sorgt für Revision

Vor Einschnitten bei den Ausschüttungen sind auch Dax-Konzerne und langjährige stabile Dividendenzahler nicht gefeit. Nach einer Statistik der DZ Bank sind die Ausschüttungen der Dax-Unternehmen in vergangenen Rezession durchschnittlich um ein Viertel eingedampft worden. Dieses Mal könnten diese Revisionen sogar noch stärker ausfallen, weil die Rezession durch Corona wohl stärker ausfallen wird als in früheren Wirtschaftskrisen.

Diese "Revisionsrunde" hat längst begonnen, und sie macht auch vor langjährigen Dividendenzahlern nicht Halt. Im Dax etwa gibt es von den arg gebeutelten Unternehmen Lufthansa und MTU für das abgelaufene Jahr gar keine Ausschüttung mehr. Auch Deutsche-Bank-Aktionäre gehen leer aus. Der Spezialchemiekonzern Covestro hat seine Dividende auf 1,20 Euro je Aktie halbiert.

Dividendenkontinuität gebrochen

Im MDax sind Dividenden reihenweise auf Null gefahren worden, etwa die der Aareal Bank, von Fraport, Airbus oder CTS Eventim. Auch langjährige Dividendenzahler wie der Brillenhersteller Fielmann, dessen Aktie inzwischen im SDax notiert, haben das Handtuch geworfen - und das nach 14 Dividendenanhebungen in Folge.

Statt allzu sehr auf die Dividendenhöhe und die Dividendenrendite zu schauen, sollten Anleger derzeit eher auf die fundamentale Situation "ihrer" Unternehmen schauen. Dazu gehört neben der Finanz- und Ertragslage derzeit auch die schlichte Branchenzugehörigkeit. Gesundheits- oder Pharmakonzerne wie Fresenius oder Merck dürften die Corona-Krise auch dividendentechnisch tendenziell besser überstehen als Auto- oder Chemiekonzerne. Versicherer wie die Allianz oder die Münchener Rück haben finanziell gute Polster, um ihre Ausschüttungen auf einem hohen Niveau zu halten.

Dividendenfonds: Ein Blick auf die Strategie lohnt sich

Auch wer auf Dividendenfonds oder entsprechende ETFs setzt, sollte nun einen Blick in das Portfolio seiner Fonds-Produkte werfen. Die reine Orientierung an der Dividendenhöhe oder -Kontinuität hilft womöglich in Corona-Zeiten nicht immer weiter. Auch die Logik vieler aktiver und passiver Fonds, Aktien mit langjährig stabilen oder steigenden Ausschüttungen zu bevorzugen, funktioniert nicht mehr wie zuvor. Der Ölmulti Shell ist dafür ein gutes Beispiel: Das Unternehmen hat Mitte Mai verkündet, seine Ausschüttungen um rund zwei Drittel einzudampfen. Das ist die erste Dividendenkürzung seit 1945, und Shell war bislang mit jährlichen Ausschüttungen von zuletzt 15 Milliarden Dollar der größte Dividendenzahler weltweit. Auch wenn die Corona-Krise nicht die Ursache für die Lage in der Ölbranche war, sie hat die Probleme des Sektors noch einmal deutlich verschärft.

AB

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Die zehn Dax-Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen Chartserie

<strong>BASF</strong><br/>Mit derzeit 6,7 Prozent Dividendenrendite ist der Chemiekonzern Dax-Spitzenreiter. Die Ausschüttung soll 3,30 je Aktie betragen.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

BASF
Mit derzeit 6,7 Prozent Dividendenrendite ist der Chemiekonzern Dax-Spitzenreiter. Die Ausschüttung soll 3,30 je Aktie betragen.