Aktienbesitzer

Trotz Börsenbooms Zahl der Aktionäre 2019 gesunken

Stand: 28.02.2020, 14:57 Uhr

Man kann es eigentlich nicht glauben. Während der Dax im vergangenen Jahr um 25 Prozent gestiegen ist und damit eines der besten Jahre seiner Geschichte erlebte, haben viele Deutsche dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

So ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland im vergangenen Jahr um 660.000 gesunken, unter die Marke von zehn Millionen. Das hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in seinem am Freitag veröffentlichten Jahresbericht festgestellt.

Danach gab es 2019 hierzulande 9,7 Millionen Aktienbesitzer. Das heißt, knapp jeder Siebte beziehungsweise 15,2 Prozent der Bürgerinnen und Bürger über 14 Jahren waren in Aktien oder Aktienfonds investiert. Das DAI ist eine Gründung von Banken und Versicherern.

Rückschlag für die Aktienkultur

Christine Bortenlänger

Christine Bortenlänger, DAI. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, sprach von einem Rückschlag für die deutsche Aktienkultur. Dennoch stimme der langfristige Trend positiv, sagte sie. So hätten heute 1,3 Millionen Menschen mehr Aktien oder Aktienfonds als noch 2010. "Das letzte Jahrzehnt war unterm Strich ein erfolgreiches Jahrzehnt für die Aktie", betont sie.

Als Grund für den vermehrten Ausstieg aus dem Aktienmarkt im vergangenen Jahr vermutet das DAI die Kursverluste im Vorjahr sowie pessimistische Konjunkturausblicke. Auch die Signale aus der Politik seien kontraproduktiv. So dürfte die von Finanzminister Scholz anvisierte Finanztransaktionssteuer auf Aktien Aktionäre und Fondssparer abschrecken.

Politik sollte Aktiensparen fördern

Dabei sollte die Politik eigentlich das Gegenteil tun und das Umfeld für Aktien sowie Aktienfonds verbessern, fordert das Aktieninstitut. "Sie sollte das langfristige Engagement der Menschen in Aktien fördern, statt diesem durch eine diskriminierende Steuerpolitik Steine in den Weg zu legen", kritisiert Bortenlänger.

"Gerade angesichts des sinkenden Rentenniveaus sollten wir die attraktiven Renditen von Aktien in der Altersvorsorge dringend stärker nutzen", ergänzt sie. "Eine breit gestreute, langfristige Aktienanlage erwirtschaftet durchschnittlich jährliche Renditen von sechs bis neun Prozent, wie unsere Dax-Rendite-Dreiecke zeigen. Für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge sind Aktien deshalb prädestiniert. Das sollte für die Politik Grund genug sein, sich in allen Regionen Deutschlands beherzt für Aktien einzusetzen", fordert Bortenlänger.

Weiter große Ost-West-Unterschiede

Auch gibt es 30 Jahre nach dem Mauerfall noch immer große Unterschiede beim Aktiensparen zwischen Ost und West. Während in Westdeutschland jeder Sechste Aktien oder Fonds besitzt, ist es im Osten des Landes nur knapp jeder Zehnte.

Während im Westen rund 3,7 Millionen Menschen mindestens eine Aktie im Depot haben, sind in Ostdeutschland direkte Beteiligungen an Unternehmen weniger verbreitet. Dort gibt es nur 423.000 Aktionäre, die direkt Anteile an Unternehmen halten. Das sind nur ein Drittel aller ostdeutschen Aktienbesitzer. Die meisten Ostdeutschen bevorzugen eine Fondsanlage, sind also indirekte Aktienbesitzer.

Besonders krass ist der Unterschied zwischen Bayern und dem benachbarten Thüringen. Dort besitzen dem DAI zufolge nur acht Prozent der über 14-Jährigen direkt oder indirekt Aktien, in Bayern sind es dagegen 20,3 Prozent.

lg