Trump geht

US-Präsident in Russland-Affäre unter Druck Wie würde die Börse auf eine Trump-Anklage reagieren?

von Till Bücker

Stand: 24.01.2019, 09:27 Uhr

Donald Trump gerät in der Russland-Affäre offenbar immer mehr in Bedrängnis. Dem US-Präsidenten droht eine Anklage oder gar ein Amtsenthebungsverfahren. Wie würde der Aktienmarkt das aufnehmen? Rally oder Crash?

Hat Donald Trump wissentlich oder unwissentlich für Russland und gegen US-Interessen gearbeitet? Das ist die Kernfrage in der Untersuchung des amerikanischen Bundespolizei (FBI) gegen ihren Präsidenten. Allein auf Twitter bezeichnete Trump diese Ermittlungen mehr als 120 Mal als "witch hunt", als Hexenjagd.

Ein Mann geht an einem Trump-Wahlplakat vorbei

Trump-Wahlplakat. | Bildquelle: Imago

Abgesehen von der Haushaltssperre, dem längsten Shutdown in der Geschichte, prägt kaum etwas die US-Politik so sehr wie die bereits seit zwei Jahren laufenden Russland-Ermittlungen. Konkret geht es darum, ob und wie Russland Einfluss auf die US-Wahl 2016 genommen hat. Und ob die russische Regierung und die Trump-Kampagne gemeinsame Sache gemacht hat: Mit dem Ziel, Trump zum Wahlsieg zu verhelfen.

Vielen Themen wie die russische Troll-Farm, die Übergabe detaillierter Umfragedaten, ein noch bis zur damaligen Wahl andauerndes Hochhausprojekt Trumps in Moskau und auch Wikileaks stehen dabei im Raum. Das Enthüllungsportal veröffentlichte kurz vor der Wahl knapp 20.000 E-Mails von Hillary Clinton, die russische Hacker im April 2016 vom Rechner des Leiters der Clinton-Kampagne gestohlen hatten. Es gibt einige Hinweise, dass Trumps Wahlkampagne vor der Veröffentlichung davon wusste.

Muellers Bericht wohl bald fertig

James Comey

James Comey. | Bildquelle: picture alliance / Carolyn Kaster/AP/dpa

Anfang Mai 2017 feuerte Trump den damaligen FBI-Chef James Comey. Trump räumte später ein, dass er Comey unter dem Eindruck der Russland-Ermittlungen rausgeschmissen habe, was ein starkes Indiz für Behinderung der Justiz sein könnte. Daraufhin übernahm das ehemalige FBI-Oberhaupt Robert Mueller als Sonderermittler die Untersuchungen.

Inzwischen gibt es 17 Gerichtsverfahren in der Sache, mehrere Verurteilungen, dutzende Verdächtige und noch mehr Befragte. Ehemals enge Mitarbeiter des Präsidenten wie sein früherer Anwalt und Schlüsselfigur Michael Cohen, der laut eigenen Aussagen angeblich für Trump lügen und Schweigegelder zahlen musste, sowie sein Wahlkampfmanager Paul Manafort müssen ins Gefängnis.

In Washington wird damit gerechnet, dass Mueller seinen Abschlussbericht bis zum Sommer dem Justizminister übergibt. Sollte es ihm gelingen, eine Zusammenarbeit von Trump, russischen Geheimdienst-Hackern und Wikileaks nachzuweisen, wäre dies der schlimmste Fall für den US-Präsidenten - gleichbedeutend mit Hochverrat. Das würde ein Amtsenthebungsverfahren rechtfertigen. Trump könnte außerdem wegen möglicher Zahlungen von Schweigegeld, Zeugenbeeinflussung und Anstiftung zum Meineid eine Anklage drohen.

Rally oder Crash?

Noch scheint die Wahrscheinlichkeit zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung eher gering. Sollte es aber wirklich soweit kommen, wäre das eine große Überraschung. Wie würde die Börse darauf anspringen?

Viele Szenarien wären denkbar. Eine Hängepartie und ein Machtvakuum an der Regierungsspitze einer der wichtigsten Wirtschaftsmächte könnten für erhebliche Unsicherheit am Finanzmarkt sorgen. Auch eine Schlammschlacht zwischen einem kämpfenden Trump und seinen Kontrahenten wäre sicherlich eine Belastung.

Verhaltene Reaktionen der Anleger wären ebenfalls möglich. Auf der anderen Seite hat Trump viele Gegner - gerade in der ausländischen Wirtschaft - die einen anderen Präsidenten bevorzugen würden. Letztlich kommt es aber auch darauf an, wer überhaupt den Job übernehmen würde.

Doch davon sind wir noch weit entfernt. Auch Experten halten sich bisher bedeckt. boerse.ARD.de hat allerdings mit einigen gesprochen:

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"Der Aktienmarkt findet Trump nicht schlecht" Stimmen zur möglichen Reaktion an der Börse

Zentrale der Postbank in Bonn

Heinz-Gerd Sonnenschein, Aktienstratege von der Postbank
"Bisher prallen alle negativen Nachrichten wie die Russland-Ermittlungen an Trump ab. Deshalb reagiert die Börse darauf nicht wirklich. Wahrscheinlich würden wir im Ausland auf eine Anklage stärker reagieren als die Wall Street."

Im ersten Moment könne die Reaktion negativ ausfallen, da das Risiko eines Machtvakuums in der größten Volkswirtschaft der Welt bestehen würde. "Wie die Märkte aktuell drauf sind - lieber nicht. Es gibt genug andere Punkte, die für Nervosität sorgen", so der Aktienstratege.

Anders als bei einem Todesfall könnte ein Amtsenthebungsverfahren laut Sonnenschein eine eventuelle Hängepartie nach sich ziehen. Wahrscheinlich würde der Nachfolger aber auch hier der Stellvertreter werden, was das Machtvakuum schließen und die Märkte beruhigen würde.