Geldstapel auf einer Notebook-Tastatur, auf dem Bildschirm ein steigender Chart

Echtgeldtest mit harten Zahlen Wie viel Rendite mit Robo-Advisors?

Stand: 01.02.2018, 15:14 Uhr

Der Trend zur Online-Vermögensverwaltung ist ungebrochen. Die in Deutschland verfügbaren Anbieter steigern das von ihnen verwaltete Vermögen weiter dynamisch. Eine Performance-Auswertung für das vergangene Jahr zeigt Licht, aber auch Schatten.

Ein Rendite-Vergleich zwischen verschiedenen Robo-Advisors gestaltet sich naturgemäß schwierig. Die Anbieter haben in aller Regel zwischen fünf und zehn verschiedene Portfolios im Angebot, die sich an der Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont oder auch der Erfahrung der Kunden in Sachen Geldanlage ausrichten. Ein nach diesen Kriterien zusammengestelltes Anlage-Konzept wird dann über den Kauf von Indexfonds auf Aktienindizes, aber auch Anleihen und Rohstoffen zusammengestellt und regelmäßig überprüft. Das Ziel der Anbieter, die dabei auf spezielle Algorithmen setzen, ist stets, das Risiko des Investors möglichst gering und die Rendite möglichst hoch ausfallen zu lassen.

"Mittleres Risiko" im Vergleich

Beim Echtgeld-Test des Internet-Portals "Brokervergleich.de" konnten die Anbieter ihre Strategien nun quasi öffentlich präsentieren. Die Macher des Tests haben dabei versucht, jeweils eine Robo-Strategie mit "mittlerem" Risiko gegenüberzustellen. In diesen Strategien sind Aktien und Anleihen jeweils annähernd zu 50 Prozent im Portfolio enthalten. Einige Anbieter nutzen dabei auch Investments in Rohstoffen wie Gold, andere verlassen sich ausschließlich auf die beiden "klassischen" Assetklassen.

Auch eine Messlatte hat der Echtgeld-Test definiert - er besteht aus einem Investment in jeweils den Weltaktienindex MSCI World und einen global anlegenden Anleihen-ETF. In beide Indexfonds werden dabei 50 Prozent investiert.

Benchmark als "harte Nuss"

Diese Benchmark entpuppte sich für alle Anbieter im vergangenen Jahr als harte Nuss. Nach Gebühren und Steuern schaffte es Sutor Bank mit ihrer entsprechenden Robo-Strategie am deutlichsten, den "Referenzindex" zu schlagen. Der stieg binnen zwölf Monaten (bis Ende Januar 2018) um 4,9 Prozent, der Sutor-Anlageroboter kam auf 5,8 Prozent Rendite.

Der Sutor Bank auf den Fersen waren im Zwölfmonats-Zeitraum Scalable Capital (5,4 Prozent), Whitebox (5,3 Prozent) und der Frankfurter Anbieter Ginmon (mit 5,0 Prozent). Schlechter als die "Benchmark" performten im Auswahlzeitraum Easyfolio (4,1 Prozent), Vaamo (3,9 Prozent) Quirion (3,5 Prozent) und schließlich die Comdirect-Tochter Fintego (mit nur 2,0 Prozent).

Unterschiede werden deutlicher

Auch wenn die Performance-Statistik nur eine Momentaufnahme ist, zeigt sich doch, dass es einerseits für die gemanagten Portfolios in einer starken Aktienmarktphase schwer ist, ein starres Aktien-Anleihen-Portfolio zu schlagen. Zum anderen zeigt sich, dass die unterschiedlichen Anlagealgorithmen und Portfolio-Zusammensetzungen durchaus unterschiedliche Ergebnisse produzieren. Da die Rendite-Statistik beim Echtgeldtest nach Steuern berechnet wurde, kann ggf. je nach Anleger auch eine andere "Netto"-Rendite entstehen. Je nach Nutzung eines Freistellungs-Auftrag, Kauf- oder Verkaufszeitpunkt oder individueller steuerlicher Gegebenheiten können hier Abweichungen entstehen.

Neue Player im Spiel

Die Welt der Online-Vermögensverwalter wird indes auch in Deutschland fortlaufend um weitere Varianten erweitert. Mit Fundamental Capital aus Willich etwa können Anleger seit kurzem einen Anlageroboter nutzen, der nicht in Indexfonds, sondern direkt in Aktien investiert.

Und Anfang Januar ist mit Werthstein ein weiterer Anbieter ins Rennen um Kundengelder gestartet. Dabei werden nicht nur die Signale des Anlagealgorithmus umgesetzt, sondern auch Einschätzungen von Kapitalmarktexperten. Letztere entwickeln zudem bestimmte "Zeitgeist"-Themen wie den 3D-Druck, in die Anleger dann mit Teilen ihrer Portfolios investieren können (s. unsere Übersicht: Robo-Advisors in Deutschland).

Auf der Jagd nach Anlegergeldern

Die durch Anlage-Roboter verwalteten Mittel sind laut dem Branchendienst "techfluence" zum Jahresende 2017 auf mehr als eine Milliarde Euro angewachsen. Die Münchner Scalable Capital liegt danach mit derzeit 600 Millionen Euro an "assets under management" (AuM) unangefochten auf Rang eins. Darauf folgt mit Liqid aus Berlin ein Anbieter, der auf die Expertise des Family Office der Familie Quandt setzt mit geschätzten 175 Millionen Euro. Für die übrigen Anbieter, die Vermögen im zweistelligen Millionenbereich verwalten, dürfte es in den kommenden Monaten darum gehen, schnell zu wachsen. Denn die niedrigen Kosten und Gebühren, mit denen die "Robos" werben, bedeuten auch, dass nur mit deutlich höheren Kundengeldern profitabel gearbeitet werden kann.

AB

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Vaamo
Schnell und einfach zum Spar- oder Anlageziel, das verspricht Vaamo aus Frankfurt, das 2014 an den Start gegangen ist. Über eine kurze Befragung werden Anlageziele und -horizonte abgefragt. Bei der Anlage werden Indexfonds von iShares, der UBS, von HSBC und des US-Anbieters Dimensional eingesetzt, die Fondsanteile lagern bei der Frankfurter Fondsbank. Die Management-Gebühr liegt je nach Anlagesumme bei 0,49 bis 0,79 Prozent, dazu kommen Fondskosten von durchschnittlich 0,3 Prozent und Transaktionskosten von circa 0,15 Prozent jährlich. Die Fondsanteile werden von der FIL Fondsbank verwaltet.