Frau mit Fernglas

Anlagestrategie Wie sich Anleger im Spätzyklus am besten positionieren

von von Detlev Landmesser

Stand: 23.10.2018, 14:28 Uhr

Nicht wenige Experten sind überzeugt, dass wir uns in der Endphase des globalen Wirtschaftsaufschwungs befinden. Wie positioniert man sich in einer solchen Phase am besten?

Der selige André Kostolany hat den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Börse gerne mit einem Herrchen und seinem Hund verglichen. Während das Herrchen gleichmäßig weitergeht, springt der Hund mal nach vorne, mal zurück – bewegt sich aber letztlich in dieselbe Richtung.

Und diese Richtung könnte sich in den nächsten ein, zwei Jahren umkehren. Laut der jüngsten Fondsmanagerumfrage der Bank of America/Merrill Lynch waren immerhin 85 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich die globale Wirtschaft in der Spätphase des Aufwärtszyklus befindet – das sind so viele wie nie zuvor. Den letzten Rekordwert hatte die Umfrage im Dezember 2007 mit 74 Prozent gemessen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
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Das heißt noch nicht, dass die Weltwirtschaft nächstes Jahr in eine Rezession rutscht. Derzeit wird auch heiß darüber diskutiert, ob die Renditekurve in den USA auf einen bevorstehenden Abschwung hindeutet oder nicht. Auch wenn vieles für eine Spätphase des Zyklus spreche, erwarten die Analysten von J.P. Morgan Asset Management die nächste US-Rezession jedenfalls nicht vor der ersten Jahreshälfte 2020.

Aber eine Verlangsamung wird immer wahrscheinlicher – und der Hund, pardon die Börse hat schon deutlich abgebremst, nachdem sie mehr als neun Jahre in dieselbe Richtung strebte.

Kommt das Beste noch?

Was bedeutet das für Aktienanleger? Wie positionieren sie sich in dieser Phase des Konjunkturzyklus?

Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die Spätphase eines Konjunkturzyklus in aller Regel gar keine schlechte Zeit für Aktien ist: Die Unternehmensgewinne erreichen ihren Höhepunkt, und die Dividenden sprudeln wie nie, was die Aktienmärkte oft noch über Monate antreibt.

Risiken schrittweise reduzieren

Idealerweise sollte die Aktienquote also weiterhin hoch bleiben, wenn auch allmählich abgebaut werden. Gerade bei Wachstumstiteln erscheint hier etwa eine Trailing-Stop-Strategie sinnvoll, die bei Rückschlägen automatisch Risiko aus dem Depot nimmt.

Denn wenn es bergab geht, sind Substanzwerte (Value-Aktien) gegenüber Wachstumstiteln (Growth-Aktien) klar im Vorteil. "Qualitätsaktien sind der einzige Anlagestil, der bei jedem Abschwung der vergangenen Jahre besser als der Index abgeschnitten hat", erklärt Tillmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. "Substanzwerte schlagen den Index üblicherweise bei fallenden Märkten."

Large Caps und defensive Titel übergewichten

Gleichzeitig empfiehlt der Experte, die Gewichtung in Aktien mittlerer und kleinerer Marktkapitalisierung allmählich abzubauen: "Large Caps schneiden bei einem Abschwung tendenziell besser ab."

Der klassische Rat in der vermeintlichen Endphase eines Zyklus sind natürlich defensive Branchen, wie Energieversorger, aber auch Pharmatitel und weitere Unternehmen, die von langfristigen Trends wie der Alterung der Gesellschaft profitieren.

Anleihen bleiben gefährlich

Börsenteil einer Zeitung mit einer Lupe über dem Kapitel Anleihen

Dürften die wenigsten glücklich machen: Anleihen. | Bildquelle: picture alliance/Bildagentur-online

Ob es gleichzeitig schon ratsam ist, den Anleiheanteil zu erhöhen, ist äußerst fraglich. In der derzeitigen Niedrigphase wiegen die mickrigen Zinsen die hohen Kursrisiken bei Staats- und auch vielen Unternehmensanleihen nicht auf. Kurspotenzial ist dagegen kaum auszumachen, wie Kapitalmarktstratege Galler erläutert. "Da die derzeitigen Leitzinsen durchschnittlich nur bei 0,8 Prozent liegen, gibt es ganz offensichtlich keinen Spielraum mehr für Zinssenkungen dieser Größenordnung."

Allein der US-Markt für Staatsanleihen biete einen gewissen Puffer, da die Zinsen bereits einige Schritte erhöht wurden. "Fällt die Rendite einer US-amerikanischen 10-jährigen Staatsanleihe von 2,9 Prozent auf 1,5 Prozent, dann ergäbe sich daraus ein Ertrag von rund 15 Prozent."

Bleibt der Klassiker Gold. Als Depotabsicherung werden Edelmetalle häufig empfohlen, wenn es an den Märkten rund geht. Allerdings konnte Gold in den vergangenen Jahren seiner Rolle als "sicherer Hafen" nicht gerecht werden. Anleger sollten von Gold als Sicherheitspuffer also nicht zu viel erwarten. Letztlich lernt man in solchen Zeiten die Weisheit der klassischen Portfoliotheorie, dass Geldhaltung in manchen Phasen durchaus rational sein kann.