Zweifelnder Aktienhändler an der Frankfurter Börse

Nach dem Einbruch Dax: Wie geht es jetzt weiter?

von von Detlev Landmesser

Stand: 11.10.2018, 09:35 Uhr

Jetzt ist passiert, womit alle irgendwann gerechnet hatten. Eine scharfe Korrektur hat dem Dow Jones den zweithöchsten Einbruch des Jahres beschert. Was steht uns in den nächsten Tagen bevor?

Wodurch wurde der herbe Kursverlust des Dow Jones um 3,15 Prozent und der Einbruch des Nasdaq Composite um 4,1 Prozent ausgelöst? Am wahrscheinlichsten ist, dass die jüngste Korrektur der globalen Wachstumsprognose des IWF, garniert mit einer Warnung vor Gefahren für die Stabilität der Finanzmärkte, das Fass zum Überlaufen gebracht hat - wenn auch mit ein paar Stunden Verzögerung.

Kursbremsen bekannt

SOS-Schild vor dem Colosseum in Rom

Italien ist einer der Gründe für die zuletzt schwächere Performance in Europa. | Bildquelle: Imago

Die größten Belastungen - Zinswende in den USA, Handelskonflikte, Überschuldung und krisenhafte Entwicklungen in der Türkei, Brasilien und nicht zuletzt in Italien - sind den Marktakteuren schon länger bekannt. Allein am Timing, wann eine solche Gemengelage zu ernsten Turbulenzen an den Aktienmärkten führt, sind auch in diesem Jahr zahlreiche Crashpropheten gescheitert. "Mors certa, hora incerta" - der Tod ist gewiss, die Stunde nicht - diese lateinische Weisheit lässt sich trefflich auch auf die Börse anwenden.

Denn bisher konnten die Marktteilnehmer diese schweren Lasten, von denen jede für sich für einen Kurseinbruch taugt, dank einer Reihe positiver Aspekte immer wieder erfolgreich verdrängen. Dazu zählen vor allem der ungebrochen positive Trend der amerikanischen Unternehmensgewinne, die positive Saisonalität sowie die Hoffnung auf Kursimpulse durch den laufenden Wahlkampf vor den Midterm Elections am 6. November. Zur Agenda des US-Präsidenten dürfte sehr wahrscheinlich der Versuch gehören, vor diesem Termin eine Einigung im Handelsstreit mit China zu erzielen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.779,03
Differenz relativ
+1,48%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.684,44
Differenz relativ
+1,08%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.020,52
Differenz relativ
+0,74%

Weitere Turbulenzen zu erwarten

Bleibt die Frage, wie die Aktienmärkte in den nächsten Tagen auf die neue technische Lage reagieren werden. Aller Erfahrung nach ist es mit einem scharfen Einbruch nicht getan, sofern die Gründe dafür erhalten bleiben. Vielmehr werden Marktbeobachter den ein oder anderen Belastungsfaktor verstärkt hervorheben oder neue Gründe heranführen. Der nun entbrennende Streit zwischen US-Präsident Trump und der Fed ist auch nicht angetan, die Gemüter zu beruhigen. Eine typische technische Reaktion nach oben sollte also nicht überinterpretiert werden.

Nach dem letzten Kurseinbruch im Februar hatten die globalen Aktienmärkte mehrere Tage lang zu kämpfen, bis sie sich stabilisieren konnten. In der Folge dauerte es ganze fünf Monate, bis der Dow Jones wieder auf seinen Wachstumspfad zurückfand.

Markttechnisch ausgedrückt, wurde jüngst "viel technisches Porzellan zerschlagen", was sich etwa in dem nachhaltigen Bruch des langfristigen Dax-Aufwärtstrends seit Anfang 2009 äußert. Das ist alles andere als ein Kaufargument.

Dax logarithmisch zehn Jahre, Stand 11. Oktober 2018

Dax logarithmisch zehn Jahre. | Grafik: boerse.ARD.de

Berichtssaison könnte stabilisierend wirken

Jetzt den Weltuntergang und den von manchen Beobachtern erwarteten großen Crash auszurufen, erscheint jedoch ziemlich voreilig. Die Hoffnungen vieler Marktteilnehmer richten sich nun vor allem auf die in Amerika beginnende Berichtssaison zum abgelaufenen dritten Quartal. Als ausgemacht gilt, dass die meisten Unternehmen prächtige Gewinne ausweisen werden. Allerdings dürfte diese Tatsache bereits zu einem Großteil in den erreichten Kursen enthalten sein, womit es vor allem auf die Ausblicke der großen Konzerne ankommen wird.

Dennoch ist zu erwarten, dass ein stetiger Fluss erfreulicher Bilanzen in den nächsten Wochen insgesamt stabilisierend auf die Kurse wirken wird.

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Das sagen die Experten Ausverkauf an den Börsen

Thomas Altmann, QC Partners

"Die Bären haben die Bullen erstmal in die Flucht geschlagen", meint Thomas Altmann von QC Partners. Der Portfoliomanager spricht von einer massiven Verkaufswelle und einer hohen Verunsicherung der Anleger, ablesbar an den weiltweit deutlich gestiegenen Volatilitätsindizes. "Diesseits und jenseits des Atlantiks hat die Korrektur Fahrt aufgenommen. Die hohen Handelsvolumina unterstreichen, das hier viele Verkäufer unterwegs sind", so Altmann. Daran lasse sich die Verunsicherung der Anleger gut ablesen.