Globus mit internationalen Banknoten beklebt
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Allianz Global Wealth Report Weltweites Finanzvermögen schrumpft

Stand: 18.09.2019, 11:04 Uhr

Handelskrieg und schleppende Weltkonjunktur haben sich auch auf die Vermögen der Weltbevölkerung niedergeschlagen. Erstmals seit zehn Jahren, seit der Finanzkrise 2008, schrumpfte es im vergangenen Jahr wieder, wie der Report des Versicherungsriesen Allianz aufschlüsselt.

In den 53 Ländern, die die Allianz Tochter Global Investors, 2018 - zum zehnten Mal - untersuchte, sank der Wert von Finanz-"Assets" wie Bankguthaben, Fondsanteilen oder Aktien. Der Rückgang um 0,1 Prozent auf 172,5 Billionen Euro ist nur minimal, aber zeigt, dass die Welt vor einigen Herausforderungen steht.

Weltweites Vermögen (in Billionen Euro)

Weltweites Vermögen. | Bildquelle: Allianz Global Wealth Report, boerse.ARD.de

Die Wohlstandslücke wird nicht mehr kleiner

Der Vermögensrückgang im vergangenen Jahr betraf dabei sowohl Industrieländer als auch Schwellenländer, die so genannten Emerging Markets. Die Marktforscher beobachteten dabei eine Entwicklung, die sie für besorgniserregend halten: Die Wohlstandslücke zwischen den weniger "reichen" Regionen in Asien, Osteuropa und Lateinamerika und den Industrieländern in Nordamerika und Westeuropa ist nicht mehr kleiner geworden. Damit hat der Trend der vergangenen Jahrzehnte zumindest eine Unterbrechung erfahren.

Das weltweite Vermögen wäre sogar noch deutlicher zurückgegangen, hätte die US-Steuerreform nicht zu einem Anstieg der US-Zuflüsse verschiedene Vermögenswerte wie Aktien oder Anleihen geführt. Der Anstieg der Mittel aus den USA sorgte alleine für zwei Drittel der Nettozuflüsse, 1,8 Billionen Euro kamen aus dieser Richtung in den globalen Vermögensstock. Vor allem fallende Aktienkurse sorgten dafür, dass die Vermögensbilanz dennoch schlechter ausfiel. In absoluten Zahlen gingen durch die Einbrüche bei Dow, Dax & Co. rund drei Billionen Euro an Wert verloren.

Bankguthaben als Fluchtburg

Wenig förderlich für die Gesamtbilanz des Weltvermögens war im vergangenen Jahr auch, dass ein Großteil der frischen Mittel in Bankguthaben floss. Angesichts der niedrigen Zinsen aufs Erspartes eine vermögenstechnisch eher ungünstige Vorliebe von Millionen Sparern. Bedingt durch diese Vorliebe und den Rückgang der Börsenkurse stieg der Anteil der Bankguthaben am Gesamtvermögen von 26,3 auf 27,8 Prozent. Der Anteil der Wertpapiere lag 2018 nur noch bei 39,1 Prozent, nach 41,1 Prozent ein Jahr zuvor.

Verteilung von Vermögensarten

Verteilung von Vermögensarten. | Bildquelle: Allianz Global Wealth Report, boerse.ARD.de

Regional bleibt Vermögen ungleich verteilt. Im vergangenen Jahr sorgte eine konjunkturell schwächere Entwicklung besonders in China dafür, dass die gesamt Region "Asien ohne Japan" fast ein Prozent an Vermögen verlor. In Nordamerika betrugt der Rückgang nur 0,2 Prozent, in Westeuropa 0,3 Prozent.

US-Bürger sind die wohlhabendsten

Die Unterschiede im Pro-Kopf-Vermögen zwischen den Einwohnern wohlhabender und "armer" Schwellenländer-Regionen sind weiterhin eklatant. Vermögensspitzenreiter mit 173.849 Euro pro Kopf sind weiterhin die Nordamerikaner. In Japan liegt der Wert bei 96.308 Euro je Einwohner, in Westeuropa bei 59.392 Euro. Vermögensschlusslichter sind Asien (ohne Japan) mit einem Pro-Kopf-Vermögen von 6.908 Euro, Lateinamerika mit 5.483 Euro und Osteuropa: Hier liegt das Pro-Kopf-Vermögen bei nur 4.428 Euro.

Pro-Kopf-Vermögen nach Regionen

Pro-Kopf-Vermögen nach Regionen. | Bildquelle: Allianz Global Wealth Report, boerse.ARD.de

Die Ungleichheit bleibt aber auch ein Thema über die Grenzen von Ländern und Regionen hinweg: 2018 gehörte den wohlhabendsten zehn Prozent der Weltbevölkerung 82 Prozent des weltweiten Finanzvermögens. Das reichste Prozent verfügte über 43 des Vermögens.

AB