Illustration: Figur in Hängematte träumt von hohen Gewinnanteilen

Seitwärts mit Gewinn Von Schaukelbörsen profitieren

Stand: 16.05.2018, 14:25 Uhr

Das Börsenjahr 2018 liefert bislang immer wieder quälende Phasen ohne Landgewinn auf den Kurszetteln. Wer glaubt, dass die Aktienmärkte auf eine längere Durststrecke hinarbeiten, kann sich die Seitwärtsbewegung trotzdem zunutze machen.

Hängepartien bei Dax, Dow & Co. könnte es in den kommenden Monaten zuhauf geben, glaubt man Experteneinschätzungen. Einerseits scheinen die Kurse vieler Aktien in Europa und den USA wohl zunächst ausgereizt zu sein. Das Wachstum in beiden Regionen hat nicht mehr die Dynamik, um die Gewinne der Konzerne deutlich anzuschieben. Das aber wäre nötig, um die Bewertungen vieler Konzerne an der Börse zu rechtfertigen oder sie sogar als "billig" zu charakterisieren.

Erstmal: Eine Marktmeinung bilden

Gleichzeitig droht den Aktienmärkten immer deutlicher die Zinswende. Mehrere Leitzinserhöhungen in den USA stehen im laufenden Jahr wohl noch an. Und obwohl die EZB noch nicht den Schritt an die Zinsschraube wagt, steigen auch in der Eurozone die Anleiherenditen. Aktien werden so langfristig in der Tendenz ein Stück weit weniger attraktiver für Großinvestoren, die ihre Mittel teilweise in Richtung Anleihemarkt umschichten könnten.

Wer sich dieses Szenario zu eigen macht, kann mit verschiedenen Methoden trotz eines relativen Stillstands an den Aktienmärkten so genannte "Seitwärtsrendite" erzielen. Je nach Risikoneigung, Anlagehorizont und Marktmeinung stehen dafür verschiedene Instrumente auch für Privatanleger zur Verfügung.

Risiko abpuffern mit Discountern

Wer eher auf leicht fallende oder kaum steigende Kurse in den kommenden Monaten oder sogar Jahren eingestellt ist, kann mit Discount-Zertifikaten auf durchaus ordentliche Renditen bei stagnierenden Aktienindizes kommen. Die Zertifikate bieten einen "Puffer" bei Abwärtsbewegungen des jeweiligen Basisindex' an, der 10, 15 oder gar 20 Prozent betragen kann. Der Anleger kann hier zwischen Tausenden von "Discountern" auf Dax, Dow, EuroStoxx 50 oder auch Nebenwerteindizes auswählen. Unterschreitet der Index die zuvor definierte Grenze (Cap) nach unten, bewegt sich das Zertifikat bis zum Laufzeitende genau wie der entsprechende Index. Dafür sind die Gewinnchancen nach oben begrenzt. Die aufs Jahr gerechnete Seitwärtsrendite eines Dax-Discounters mit einem Puffer von rund zehn Prozent liegt derzeit bei 3,7 Prozent.

Per Bonus-Zertifikat mit dem Markt...

Wer dem Markt noch tendenziell weitere moderate Steigerungen zutraut, die Gefahr heftiger Rückgänge aber für eher gering hält, der kann mit einem Bonus-Zertifikat erhebliche Seitwärts- und Aufwärtsgewinne erzielen. Der über dem aktuellen Kurs etwa das Dax liegende Bonusbetrag definiert den möglichen Bonus, den ein Anleger erwirtschaften kann - falls während der Laufzeit des Zertifikats keine Berührung einer vorher definierten Barrieren stattfindet. Neben dem Bonusbetrag nimmt der aber auch an einer positiven Entwicklung des Leitindex teil. Wird allerdings die Barriere verletzt, fällt nicht nur der Bonus weg, das Zertifikat entspricht dann im Wert ebenfalls dem des zugrundeliegenden Index'.

... oder gegen den Markt

Die Bonus-Rechnung funktioniert auch anders herum: Über ein "Reverse-Bonus-Zertifikat" setzt der Anleger auf eine Seitwärts- oder auch Abwärtsbewegung. Die Barriere, die nicht verletzt werden darf, liegt hier je nach Ausgestaltung über dem aktuellen Wert des Index' oder eines Einzeltitels. Dafür wird auch - umgekehrt wie beim normalen Bonus-Schein - von weiter fallenden Märkten profitiert.

Dividendenjagd mit Aktien

Wer sich bei Märkten in mehr oder weniger stabilen Seitwärtslagen mit kleineren, aber verlässlichen Renditen vorlieb nehmen kann, ist mit eher defensiven Titeln auch im Aktienmarkt gut aufgehoben. Anleger schauen dabei vor allem auf Dividendenrenditen. Infrage kommen etwa Blue-Chip-Aktien aus den USA oder dem Euro-Raum, die etwa im Konsum-, Pharma- oder Gesundheitssektor tätig sind und damit gegen allgemeine Kurseinbrüche besser geschützt sind. Hier sind Dividendenrenditen zwischen drei und fünf Prozent durchaus möglich (s. unsere Übersicht: Aufwärts mit der Seitwärtsstrategie).

Aktienanleihen für mehr Risiko und Rendite

Auch mit Aktienanleihen, die eigentlich keine Anleihen, sondern strukturierte Finanzprodukte sind, können Anleger auf überdurchschnittliche Renditen in richtungslosen Gesamtmärkten setzen. Dabei wird konkret auf die Entwicklung einer bestimmten Aktie über einen gewissen Zeitraum gewettet. Seitwärtsrenditen von fünf bis zehn Prozent sind dabei möglich. Notiert der Titel allerdings am Stichtag unter dem vorab definierten Sicherheitslevel, erhalten Anleger den Wert einer festgelegten Zahl von Aktien zum Tageskurs zurück. Ein zuvor definierter Zins wird aber immer gezahlt. Dabei gilt die Regel: Je stärker eine Aktie schwankt, desto höhere Gewinne sind möglich. Allerdings steigt dabei auch die Gefahr, dass der Basispreis erreicht und unterschritten wird.

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Aufwärts mit der Seitwärtsstrategie Chartserie

<strong>Dax Discount-Zertifikat</strong><br/>Um rund zehn Prozent müsste der Dax bis zum Jahresende fallen, damit mit dem Discounter der Citigroup ein Verlust anfällt. Hält sich der Leitindex in seiner derzeitigen Pendelbewegung, dann sind auch ohne Kursfortschritte   3,7 Prozent Seitwärtsrendite aufs Jahr gerechnet für Anleger drin. : Kursverlauf am Börsenplatz Stuttgart für den Zeitraum 3 Monate

Dax Discount-Zertifikat
Um rund zehn Prozent müsste der Dax bis zum Jahresende fallen, damit mit dem Discounter der Citigroup ein Verlust anfällt. Hält sich der Leitindex in seiner derzeitigen Pendelbewegung, dann sind auch ohne Kursfortschritte 3,7 Prozent Seitwärtsrendite aufs Jahr gerechnet für Anleger drin.

AB

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