Volksbank-Filiale

Am Ende trifft es die Kunden Volksbanken entwickeln Strategie für Negativzinsen

Stand: 29.10.2019, 16:24 Uhr

Der Bundesverband deutscher Volks- und Raiffeisenbanken diskutiert zunehmend die Möglichkeiten, Kosten, die den Banken durch die Zinspolitik der EZB entstehen, auf die Sparer umzulegen, wie ein internes Strategiepapier zeigt.

Seit Montag ist Mario Draghi nicht mehr im Amt - was aber bleiben dürfte, ist die Zinspolitik, die die Europäische Zentralbank (EZB) betreibt. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sich an der derzeitigen Politik der EZB auch unter der neuen Chefin Christine Lagarde nicht viel ändern wird. Die Strategie der Zentralbank macht den Sparern, aber auch den Banken zu schaffen. Für Bankkunden wird es immer enger, denn immer mehr Geldinstitute wollen die Strafzinsen auf ihre Sparer umlegen.

Negativzinsen könnten steigen

Rotes Prozentzeichen mit Minzsvorzeichen

Negativzinsen. | Bildquelle: colourbox.de

Die deutschen Banken klagen schon lange darüber, dass sie Negativzinsen bezahlen müssen. Das ist dann der Fall, wenn sie überschüssige Spargelder ihrer Kunden bei der Notenbank parken. Aktuell liegt die Gebühr dafür bei minus 0,5 Prozent. Von einer Vergünstigung der Gebühr ist in absehbarer Zukunft nicht auszugehen.

In einem internen Strategiepapier des Bundesverbandes deutscher Volks- und Raiffeisenbanken, das dem "Handelsblatt" vorliegt, rät der Verband seinen Mitgliedern unter anderem, wie die Option von Strafzinsen gegenüber den Kunden kommuniziert werden könnte.

Aus Sicht des Verbandes seien negative Einlagezinsen "eine der denkbaren geschäftspolitischen Optionen". "Schon allein mit Blick auf die Verpflichtung zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung muss ein Bankvorstand dauerhaften Verlusten (...) durch geeignete unternehmerische Entscheidungen entgegenwirken", erklärt der Verband.

Gebühr wird auf Kunden umgelegt

Dass Banken die Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben, galt lange als Tabu. Zu groß war die Angst vor der Reaktion der Kunden. Nun droht dieses Tabu immer häufiger zu fallen. Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte ein Bankvorstand, dass Banken es sich schlicht nicht leisten können, Kunden dauerhaft vor Negativzinsen abzuschirmen.

Das Strategiepapier sei durch die Analyse der Rechtslage und durch Kommunikationstipps ein wichtiger Leitfaden für Genossenschaftsbanken, die die Einführung von Negativzinsen erwägen, heißt es im "Handelsblatt". Die meisten Ratschläge des Papiers bezögen sich auf die Einführung von Negativzinsen bei Neukunden. Allerdings könnten Minuszinsen auch Bestandskunden treffen. Dazu benötigten die Institute zwar die Zustimmung der Kunden, könnten den bestehenden Vertrag aber auch kündigen, falls die Kunden dem Vorhaben nicht zustimmen.

Auch Sparkasse verfolgt die Strategie

Rotes Schwein mit weißem Sparkassen-Logo als Heißluftballon

Weltspartag. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Eine Umfrage im Auftrag der "Süddeutschen Zeitung" hatte im Sommer dieses Jahres ergeben, dass immer mehr Banken bei größeren Guthaben Strafzinsen verlangen. Insgesamt 30 Institute forderten demnach Zinsen ab einem Einlagevolumen von mindestens 100.000 Euro - darunter auch Sparkassen. Laut dem Verbraucherportal biallo.de geben einige Sparkassen die Negativzinsen an die Kunden weiter. So verlangt beispielsweise die Berliner Sparkasse 0,5 Prozent Zinsen auf das Giro- oder Tagesgeldkonto ab einem Einlagebetrag von 500.000 Euro.

Negativzinsen für Privatkunden beschäftigt auch Politik

Schon im Sommer hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ein gesetzliches Verbot für die Erhebung von Negativzinsen für Privatkunden ins Spiel gebracht. Sparer mit einem Einlagevolumen von unter 100.000 Euro sollten demnach von negativen Zinsen verschont bleiben. Gegenüber der "Bild" hatte er damals erklärt, dass Negativzinsen "nicht der deutschen Finanzkultur" entsprächen.

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Bundesfinanzminister Olaf Scholz. | Bildquelle: picture alliance/Jörg Carstensen/dpa

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte den Vorschlag des bayrischen Landeschefs geprüft, plant aber kein Verbot von Negativzinsen für Bankkunden. Das geht aus der Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die der "Rheinischen Post" vorliegt. "Die Bundesregierung plant aktuell keine gesetzliche Regelung im Sinne der Fragestellung", heißt es in der Antwort.

ms