Anlagestrategie

Kleiner Münzstapel zwischen Daumen und Zeigefinger

Verdienen mit Aktiensplits "Kleinere" Aktien laufen besser

Stand: 25.06.2015, 11:26 Uhr

Eigentlich ist der Aktiensplit nur eine "kosmetische" oder optische Veränderung bei einer Aktie. Doch offenbar ist die Bereitschaft eines Unternehmens zu "splitten" ein Zeichen der Stärke - Anleger fliegen drauf.

Man nehme eine beliebige Aktie, nachdem das Unternehmen einen Split seiner Anteilsscheine angekündigt oder durchgeführt hat - und halte sie zweieinhalb Jahre. Genau das hat der US-Börsenbrief-Schreiber Neil MacNeale gemacht, und zwar 15 Jahre lang. Das Ergebnis ist verblüffend, wie das Investmentportal Marketwatch jüngst zeigte. Das Musterportfolio des Börsenbriefes, der "2-for-1 Stock Split Newsletter", hat den marktbreiten Wilshire 5000 Index um Längen abgehängt. Vorläufiges Fazit: Gesplittete Aktien laufen einfach besser!

Nur selbstbewusste Unternehmen splitten

Bereits eine ältere Studie der Universität Colorado in den USA hat den positiven Zusammenhang zwischen einem Aktiensplit und der nachfolgenden Wertentwicklung einer Aktie statistisch nachgewiesen. Für den Zeitraum 1975 bis 1990 wurde eine "Outperformance" von 7,9 Prozent in dem Jahr festgestellt, das auf die Maßnahme folgte. In den drei Jahren nach dem Split entwickelten sich die Aktien um 12,2 Prozent besser als der Gesamtmarkt.

Auch wenn die beiden Beispiele kein Beweis dafür sind, dass Splits auch in der Zukunft zu mehr Rendite bei den entsprechenden Aktienbesitzern führen, ein wichtiger Fingerzeig sind sie sicher. Die Wissenschaftler aus Colorado haben die These aufgestellt, dass Unternehmen überwiegend dann einen Aktiensplit durchführen, wenn sie sich relativ sicher sind, dass ihre Titel in der folgenden Zeit nicht stark unter Druck kommen werden und "optisch" dann wieder zu billig und damit unattraktiv erscheinen.

Damit dürfte vor allem das Management sich sicher sein, dass die Geschäftsentwicklung in seinem Unternehmen positiv ist und die Aktie damit keinen deutlichen Kursrutsch vor sich haben wird. Ein Signal, das - bewusst oder unbewusst - auch von vielen Anlegern empfangen wird.

Kleinanleger werden angelockt

Ein weiterer viel zitierter Effekt eines Aktiensplits, ist es, die Aktie "handelbarer" zu machen. Gerade für Kleinanleger ist es durchaus ein Unterschied, ob ein einzelner Titel 500 oder "nur" 50 Euro kostet. Wer sich als privater Anleger ein Aktien-Portfolio mit mehreren Titeln und begrenztem Mitteleinsatz zusammenstellen will, muss gezwungenermaßen einen Bogen um Aktien machen, die im hohen dreistelligen oder sogar vierstelligen Euro-Bereich notieren.

Ausnahmen bestätigen freilich die Regel, wie vor allem die Berkshire Hathaway-Aktie der US-Investorenlegende Warren Buffett zeigt. Die Aktie notiert bei 210.000 Dollar und ist eigentlich nur etwas für echte Fans und sehr liquide Anleger. Immerhin hat Buffett vor einigen Jahren auch eine Aktientranche ohne Stimmrecht, aber mit "handlichem" Wert von zurzeit rund 200 Dollar eingeführt, so dass auch Kleinanleger am stetigen Wertzuwachs von Buffetts Unternehmensbeteiligungen profitieren können.

Netflix oder/und Apple: Split als Zeichen weiterer Stärke?

Umgekehrt muss ein Split auch nicht immer ein Zeichen für weitere stürmische Aufwärtsentwicklungen sein. Der Internet-Streaming-Konzern Netflix etwa hat jüngst einen Split im Verhältnis eins zu sechs angekündigt, ob die Kursrakete aber noch lange steigen kann, das bezweifeln einige Analysten ebenso wie Großinvestor Carl Icahn, der die Ankündigung samt einem kleinen Kurshüpfer prompt zum Ausstieg nutzte. Icahn will künftig noch stärker in Apple-Aktien investieren - aber auch mit denen könnte die "Split-Theorie" wieder funktionieren, denn der iPhone-Hersteller hat seine Aktie vor kurzem ebenfalls rank und schlank gemacht.

Netflix: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
312,93
Differenz relativ
-0,86%
Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
187,24
Differenz relativ
-0,09%

AB