Eine menschliche und eine Roboterhand

Online-Vermögensverwaltung übernommen Vaamo geht in die Robo-Ehe

Stand: 20.11.2018, 14:03 Uhr

Im Markt der digtalen Vermögensverwalter herrscht inzwischen ein harter Wettbewerb. Der Frankfurter Branchenvertreter Vaamo wird nun vom Konkurrenten Moneyfarm aus Großbritannien geschluckt. Eine Konsolidierung des Marktes ist in vollem Gange.

Der Frankfurter Anbieter einer Online-Vermögensverwaltung wird sein Know-how bald international einsetzen können. Ob die Marke Vaamo nach der Integration in die britische Moneyfarm langfristig erhalten bleibt, muss abgewartet werden. Einen Bericht des "Handelsblatts" über die geplante Übernahme hat Vaamo inzwischen bestätigt. Danach setzen die Briten ihrem Markteintritt auf Deutschland als dritten Kernmarkt neben Großbritannien und Italien. Gemeinsames Ziel sei es, einen europaweit tätigen Robo-Advisor aufzubauen. 

Vaamo-Gründer ins Moneyfarm-Management

Die beiden Vaamo-Gründer werden im Management des fusionierten Unternehmens angehören und Mitglieder des Executive Committees von Moneyfarm. Thomas Bloch verantwortet das Deutschland-Geschäft und den Ausbau des europaweiten B2B-Geschäfts von Moneyfarm, Oliver Vins wird bei Moneyfarm gruppenweit zuständig für die Themen Produkt-Management und –Entwicklung. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). An Moneyfarm ist auch der deutsche Versicherungsriese Allianz beteiligt.

Moneyfarm ist nach eigenen Angaben einer der "führenden europäischen Online-Vermögensverwalter" entwickelt. Ende 2017 betreute das Unternehmen demnach rund 30.000 Privatkunden mit einem Anlagevolumen von 400 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 450 Millionen Euro). Bei Vaamo wurde zuletzt laut Expertenschätzungen ein hoher zweistelliger Millionenbetrag verwaltet. Laut dem "Handelsblatt" erreichen die Frankfurter rund 5.000 Kunden mit ihrer digitalen Vermögensverwaltung, bei der nach Anlegergusto über ETFs ein Portfolio kreiert wird.

Minimum: Dreistelliger Millionenbetrag

Sowohl die verwalteten Mittel als auch die Kundenzahl dürfte der ausschlaggebende Grund für die Bündelung der Kräfte mit Moneyfarm gewesen sein. Erst ab einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag dürften die "Anlage-Robos" nachhaltig profitabel arbeiten. Diesen Sprung hat hierzulande bislang aber nur Marktführer Scalable Capital geschafft. Die Münchener haben dank einer Kooperation mit der ING Diba die Milliarde an "assets under management" (AuM) übersprungen.

Die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman geht deshalb auch davon aus, dass Zusammenschlüsse, Übernahmen oder auch das Verschwinden einzelner Marktteilnehmer in den kommenden Jahren weitergehen werden. Bereits 2017 hatte mit der Berliner Cashboard sogar eines der Fintech-Unternehmen Insolvenz angemeldet. Zur Konkurrenz der kleinen Start-ups kommen im Bereich der Online-Vermögensberatung auch eine Reihe von "Robos", die Banken wie Comdirect oder die Deutsche Bank selbst im Angebot haben. Nicht zuletzt wurden den vergangenen Monaten auch einige Kooperationen zwischen Robo-Advisors und Banken beerdigt. Auch Vaamo war davon betroffen: Die Zusammenarbeit mit der spanischen Banco Santander lief aus - wohl mangels Kundeninteresse.

AB