Grinsender Donald Trump

Trumps Steuerpläne Börse im Bann der Steuerreform

Stand: 23.10.2017, 15:23 Uhr

Die Amerikaner haben die Vorlage für die größte Steuersenkung ihrer Geschichte auf den Weg gebracht. Zwar dürfte bis Weihnachten noch die eine oder andere Änderung an den Maßnahmen erfolgen. Doch Wirtschaft und Börsianer jubeln bereits. Zu Recht?

Es ist das größte und wichtigste Vorhaben von Donald Trump. Nun steht das zentrale Wahlkampf-Versprechen des US-Präsidenten vor der Umsetzung: die Steuerreform. Schon ab 2018 sollen die Unternehmenssteuern drastisch gesenkt werden und auch der Spitzensteuersatz reduziert werden.

Die wichtigsten der geplanten Maßnahmen im Einzelnen:

  • Die Körperschaftssteuer soll von derzeit 35 Prozent auf 20 Prozent sinken.
  • US-Unternehmen sollen zur Rückverlagerung von Kapital und Investitionen aus dem Ausland bewegt werden.
  • Das Einkommensteuer-System soll drastisch vereinfacht werden (nur noch drei statt bisher sieben Sätze), zahlreiche Abschreibungsmöglichkeiten sollen gestrichen werden. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass ein zusätzlicher Spitzensteuersatz für Superreiche eingeführt wird.

Insgesamt dürften die Steuersenkungen für Unternehmen und Privatpersonen ein Volumen von bis zu sechs Billionen Dollar erreichen. Diese horrende Summe werde der US-Wirtschaft nachhaltigen Schwung verleihen, so die Hoffnung der Republikaner. Tatsächlich werden vor allem US-Unternehmen profitieren: Deren Steuerlast sinkt, Investitionen werden gefördert, Gewinne steigen.

Kritiker befürchten höheres US-Haushaltsdefizit

Gegner der Steuerreform befürchten, dass die entstehende Haushaltslücke durch das zu erwartende Wirtschaftswachstum nur teilweise ausgeglichen wird. Das US-Haushaltsdefizit könnte deshalb bis 2027 um bis zu 1,5 Billionen Dollar steigen. Außerdem werden nach Ansicht der Kritiker neben den Firmen nur Wohlhabende profitieren, während für die Mittelschicht und sozial schwache Bürger kaum steuerliche Vorteile zu erwarten sind. Im Gegenteil: Einsparungen im Gesundheitswesen würden insbesondere die über 55 Millionen Amerikaner treffen, die auf dieses sehr beliebte Programm MedicAid (“ObamaCare“) angewiesen sind, um die Kosten ihrer Gesundheitsversorgung zu bewältigen.

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Dax

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An den Börsen sorgten die konkretisierten US-Steuerpläne zuletzt für Käufe. Die großen Aktienindizes Dow Jones, S&P 500 und Dax notieren auf Rekordniveau. Viele Aktionäre befürchten angesichts der überkauften Situation bereits eine Korrektur. Doch eine echte Trendwende abwärts ist nicht in Sicht.

Goldlöckchen treibt die Kurse

Die Aktionäre dies- und jenseits des Atlantiks können Experten zufolge vielmehr auf weitere Kursrekorde hoffen. "An den Arbeitsmärkten geht es aufwärts, der private Konsum ist robust, und die Unternehmensinvestitionen steigen", sagt Tine Choi, Chef-Anlagestrategin der Danske Bank. "Ein globaler Aufschwung in Kombination mit einer niedrigen Inflation bedeutet, dass sich die Wirtschaft in einem sogenannten 'Goldlöckchen-Szenario' befindet - ein für Anleger ideales Umfeld."

Goldlöckchen hat nichts mit der Haarpracht des US-Präsidenten zu tun, sondern beschreibt Marktbedingungen, die einfach perfekt aussehen. Die Wirtschaft wächst, inflationäre Belastungen und Zinsen sind gering – ein ideales Umfeld für Investitionen.

Jahresendrally möglich

Anleger können dabei weiter auf einer Welle billigen Geldes surfen – auch in Europa. Zwar rechnen Börsianer mehrheitlich damit, dass EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag eine Drosselung der monatlichen Geldspritzen von 60 auf 40 Milliarden Euro ankündigen wird. Doch gleichzeitig dürfte “das Anleihekaufprogramm ab Januar 2018 um neun Monate verlängert“ werden, betont Jorgen Kjaersgaard, Chef des europäischen Anleihegeschäfts beim Vermögensverwalter AllianceBernstein.

Auch Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck, zeigt sich weiter optimistisch für den Aktienmarkt: "Viel spricht dafür, dass die kriechende Aktienrally erst einmal anhält." Rückenwind könne es auch für den US-Aktienmarkt geben: "Je konkreter die Hinweise auf eine Verwirklichung von Trumps Steuerplänen werden, desto mehr dürften Analysten dazu übergehen, die Effekte in ihren Modellen zu berücksichtigen."

Auch technisch ist die Börsenwelt noch in Ordnung. Die Trendfolge-Indikatoren deuten für die großen Indizes auf eine mögliche Jahresend-Rally hin. Neue Allzeit-Hochs sind wahrscheinlich, beim Dax sind weitere 1.000 Punkte bis zum Jahreswechsel durchaus denkbar. Und danach lockt im Dax die 15.000-Punkte-Marke…

mmr