Vorbereitungen für Biden-Trump-Debatte

Erste TV-Debatte zwischen Biden und Trump "It's the economy, stupid"

von Thomas Spinnler

Stand: 29.09.2020, 14:00 Uhr

Immer wieder ist die US-Wirtschaft das bestimmende Thema im US-Wahlkampf. Das wissen auch die Kandidaten Trump und Biden. Macht es für die Wall Street einen Unterschied, wer im November gewinnt?

Jüngst hatte der amtierende US-Präsident Donald Trump es abgelehnt, die friedliche Übergabe der Macht im Falle einer Wahlniederlage zuzusichern. "Wir müssen abwarten, was passiert", hatte Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus mitgeteilt. Bedeutet das, er plant unabhängig vom Wahlausgang Präsident bleiben zu wollen? Wenn ja, meint er damit gewiss nicht "Präsident der Herzen".

Während in den USA beispielsweise die "New York Times" schon darüber nachdenkt, ob Trump in einem solchen Fall durch das Militär, den Secret Service oder durch US Marshals aus dem Weißen Haus begleitet wird, muss zunächst gewählt werden.

Secret Service vor dem Weißen Haus

Secret Service vor dem Weißen Haus: "Würden sie uns bitte ohne Aufsehen zu erregen, nach draußen begleiten?". | Bildquelle: picture alliance / dpa / CNP

Bis dahin vergehen zwar noch einige Wochen, aber die spannende Phase beginnt jetzt: In der Nacht zum Mittwoch wird die erste von drei TV-Debatten zwischen Trump und seinem Herausforderer Joe Biden ausgestrahlt. Für die Börsen ist besonders interessant, wie sich die Wahl auf die US-Wirtschaft auswirken wird.

Die Corona-Folgen bleiben wesentlich  

Zumindest auf den wirtschaftlichen Umgang mit dem Thema Pandemie wird der Wahlausgang wohl keine Folgen haben: "Egal wer das Rennen um das Weiße Haus macht: Beide Präsidentschaftskandidaten werden am expansiven finanzpolitischen Kurs festhalten, um die Folgen der Covid-19-Krise zu beherrschen", kommentieren die Fachleute von Western Asset Management.

Auch der Handelsstreit mit China wird in den kommenden Monaten weiter im Vordergrund stehen. "Die Beziehungen zu den USA werden sich wahrscheinlich verschlechtern, unabhängig davon, wer die US-Präsidentschaftswahl gewinnt", meint Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute.

Donald Trump, Joe Biden

Donald Trump, Joe Biden: Biden dürfte den Ton verändern. | Bildquelle: picture alliance / Carolyn Kaster / AP / dpa, Montage boerse.ARD.de

Biden dürfte den Ton verändern

Die Kandidaten Donald Trump und Joe Biden seien sich in fast nichts einig, aber beide fordern härtere Maßnahmen gegen ein Land, von dem sie glauben, dass es sich während seines globalen Aufstiegs schlecht verhalten habe, so Smart.

"Eine völlige Umkehr von Trumps eingeschlagenem Weg wird Biden nicht vollziehen können", meint auch die DZ Bank. "Der Vorwurf, die hohen Exportüberschüsse Chinas gingen zulasten der amerikanischen Industrie, trifft offenbar in der Bevölkerung auf breite Zustimmung."

Trotzdem könnte eine Wahl Bidens Veränderungen bringen: Der Demokrat würde nach Ansicht der Experten von Western Asset stärker als Trump auf internationale Kooperation setzen. Unterschiede vor allem im Ton sehen hier auch die Experten der DZ Bank, weil von Biden eher eine Deeskalation zu erwarten sei. Trump hingegen würde wohl das US-Handelsbilanzdefizit auch gegenüber Europa schon bald wieder thematisieren.

Donald Trump (l) und Xi Jinping

Handelsstreit mit China: Kooperationsbereitschaft ist nicht Trumps hervorstechendste Eigenschaft. | Bildquelle: imago images / VCG

Mehr Regulierung unter Demokraten?  

Bei der Steuerpolitik und beim Thema Regulierungen dürften die Unterschiede hingegen größer ausfallen. Ein Präsident Joe Biden könnte im Bereich der Unternehmenssteuern Erhöhungen durchsetzen, meinen die Fachleute von Western Asset. "Je nachdem, wie die Macht im Weißen Haus und im Kongress verteilt ist, fallen Steuererhöhungen leichter oder schwerer. Sollten die Demokraten den Präsidenten stellen und auch im Kongress mehrheitsfähig sein, sind höhere Steuern wahrscheinlicher", unterstreichen die Experten.

Joe Biden

ARD-Börse: Trump vs. Biden vor dem TV Duell

"Biden hat höhere Staatsausgaben, bei gleichzeitig höheren Steuern für Unternehmen und wohlhabende Bürger, in den Vordergrund seiner Kampagne gestellt", schreiben die Analysten der DZ Bank. Das seien Zugeständnisse an den linken Flügel der Demokraten.

Hinzu kommt, dass Biden auch den Kampf gegen den Klimawandel in sein Wahlprogramm aufgenommen hat. Er verspricht, dass die USA bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität erreicht haben wird: "Trump würde wohl seinen eingeschlagenen Weg der Deregulierung fortsetzen, zum Beispiel bei Umweltauflagen. Im Gegensatz dazu würde sich Biden wohl insbesondere bei Umweltthemen für striktere Auflagen einsetzten", prophezeit die DZ Bank.   

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
27.690,46
Differenz relativ
-2,28%

Wie werden die Börsen reagieren?

Ob sich für die Wall Street je nach Wahlausgang etwas Gravierendes verändert? Ein US-Präsident, der gegen die Interessen der Finanzwelt und der Wirtschaft regiert, ist schwer vorstellbar. Joe Biden wird es gewiss nicht sein, auch wenn er mit den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei den Wählern punkten will. Historisch gesehen haben demokratische Präsidenten den Börsen übrigens mehr Kursgewinne beschert als republikanische Präsidenten.

Die Börsenbilanz der letzten US-Präsidenten

Die Börsenbilanz der letzten US-Präsidenten.

Aber ist der Vergleich überhaupt aussagekräftig? "Sicher würde es zu weit führen, die zu beobachtenden Performanceunterschiede alleine den politischen Machtverhältnissen zuzuschreiben", stellt Helaba-Fachmann Markus Reinwand fest. "So fiel auf Seiten der Republikaner die große Depression in die Amtszeit von Hoover, Nixon hatte mit den Auswirkungen eines massiven Ölpreisschocks zu kämpfen und G. W. Bushs erste Amtszeit wurde durch das Platzen der New Economy Blase, die Anschläge auf das World Trade Center sowie durch spektakuläre Bilanzierungsskandale wie Enron und Worldcom überschattet", so Reinwand.

Ein bisschen Glück gehört neben der lockeren Geldpolitik der Notenbank also auch dazu, wenn man die Börsen glücklich machen will.