Häuser der Deutsche Wohnen AG im Osten Frankfurts

Studie Wohnimmobilien-Preise dürften fallen

Stand: 20.04.2020, 12:01 Uhr

Ist es mit dem deutschen Immobilien-Boom bald vorbei? Einer Studie zufolge könnten wegen der Coronakrise zum ersten Mal seit zehn Jahren die Preise für Häuser und Wohnungen sinken. Am stärksten würde es wohl Süddeutschland treffen.

Immer wieder wurde in der jüngsten Vergangenheit vor einer Blase oder Überhitzung am Immobilienmarkt gewarnt. In einigen Städten und Ballungsregionen waren die Preise für neue Häuser und Wohnungen teils regelrecht explodiert. Doch allen Unkenrufen zum Trotz ging es am Immobilienmarkt weiter nach oben.

Nun aber scheint die Corona-Krise dem deutschen Immobilienboom ein vorläufiges Ende zu setzen. Die Kontaktsperren und der Lockdown haben den Markt in Schockstarre versetzt. Die Arbeiten an Baustellen wurden gestoppt, Makler und Finanzierer halten sich zurück, und viele Bürger verzichten auf Häuser- oder Wohnungsbesichtigungen.

Preisrückgang von bis zu zwölf Prozent

Im Auftrag der Deutschen Reihenhaus AG hat das Institut der Deutschen Wirtschaft die Corona-Preiseffekte ermittelt. Mögliche Insolvenzen und zunehmende Arbeitslosigkeit dürften dazu führen, dass den Haushalten weniger Einkommen zur Verfügung steht, glauben die Autoren der Studie. Folglich dürften die künftigen Mietpreiserwartungen sinken. Das Institut der Deutschen Wirtschaft hält daher einen Wohnimmobilienpreisrückgang von null bis zwölf Prozent für realistisch.

Einzelne Marktsegmente dürften besonders betroffen sein, meint Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft. So dürften gerade bei Luxusimmobilien und Mikroapartments, wo die mobilen Fachkräfte als Mieter wegfallen, die Preise sinken. Ebenso dürften auch einige Regionen mehr leiden als andere. Voigtländer rechnet vor allem in Süddeutschland mit einem stärkeren Preisrückgang, weil dort die Mieten im Verhältnis zu den Löhnen bereits vor der Krise relativ hoch waren. Ostdeutschland dagegen wäre weniger betroffen.

Zinsen fallen stärker als die Renditen

Mit einem Einbruch der Mieten sei aber nicht zu rechnen, glauben die Autoren der Studie. Sie verweisen auf die hohe Differenz zwischen den Bruttoanfangsrendite der Immobilien (aktuelle Jahresmiete / Kaufpreis) und dem allgemeinen Zinsniveau als Zeichen dafür, dass der Markt nicht überbewertet ist. Die Zinsen seien zuletzt stärker gesunken als die Renditen. Sollten die Zinsen für Hypothekenkredite künftig weiter stark fallen – beispielsweise um 0,7 Prozentpunkte, dürfte der Preisrückgang in Städten wie Köln und Hamburg nur ein bis zwei Prozent betragen. Gehen die Zinsen dagegen nur um 0,3 Prozentpunkte zurück, würden die Preise in Hamburg um 14 Prozent fallen, haben die Autoren ausgerechnet.

Interesse an Wohnungskäufen steigt wieder

Möglicherweise könnte sich der Immobilienmarkt aber rasch wieder erholen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft verweist auf die Google-Statistik. War seit Anfang März die Suche nach Wohnungen, egal ob zur Miete oder zum Kaufen, in Deutschland deutlich gesunken, hat sich der Trend nun gedreht. Bei "Wohnung kaufen" ist der Wert schon wieder nach oben geklettert. Das könnte darauf hindeuten, dass einige Haushalte hoffen, dass es nun günstige Kaufmöglichkeiten gibt.

Zudem könnte sich ein Effekt aus der Zeit der Finanzkrise wiederholen. Sollten Spanien und Italien wirtschaftlich zurückfallen, könnte die Zuwanderung der Südeuropäer nach Deutschland wieder zunehmen. Dann hätte der Immobilienboom nur eine Pause gemacht, meint die "Welt am Sonntag".

nb