Roter Würfel mit Prozentzeichen mit angelehnter Leiter schwimmt im Wasser
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Alarmsignal vom Anleihemarkt FAQ: Was steigende Zinsen für Kapitalanleger bedeuten

Stand: 05.02.2018, 12:59 Uhr

Lange war sie vorhergesagt worden, jetzt gibt es zumindest erste Anzeichen für eine Zinswende. Jedenfalls sind die Anleiherenditen in Europa und den USA zuletzt angezogen - mit entsprechenden Folgen für die Aktienmärkte. Warum ist das so?

FAQ: Die wichtigsten Fragen rund um das Thema steigende Zinsen - leicht und verständlich erklärt:


Warum steigen die Zinsen überhaupt?


Wer profitiert von steigenden Zinsen?


Für wen sind steigende Zinsen schlecht?


Was müssen Besitzer von Schwellenländeranleihen beachten?


Was bedeuten steigende Zinsen für den Aktienmarkt?


Was bedeuten steigende Zinsen für den Goldpreis?


Hauptauslöser für die gestiegenen Renditen am Anleihemarkt ist die gute Konjunktur. Vor allem in den USA und Europa läuft die Wirtschaft wie geschmiert. Das dürfte in beiden Regionen zu höheren Löhnen führen. In Deutschland fordert die Industriegewerkschaft Metall, die rund vier Millionen Arbeitnehmer vertritt, Lohnsteigerungen von sechs Prozent. Es muss also davon ausgegangen werden, dass die schwache Lohnentwicklung der vergangenen Jahre zu Ende geht.

Steigende Löhne bedeuten mehr Konsum. Und wo mehr konsumiert wird, können Preissteigerungen umgesetzt werden. Die amerikanische Notenbank Fed hat bereits vor einer steigenden Inflation gewarnt. Das deutet auf steigende Leitzinsen hin. Inzwischen erwartet die Deutsche Bank in den USA in diesem Jahr vier Leitzinsanhebungen, statt drei in ihrem ursprünglichen Szenario.

Dass in den vergangenen Tagen auch die Renditen der Bundesanleihen gestiegen sind, deuten Experten als Vorzeichen einer kommenden Normalisierung der europäischen Geldpolitik. Tatsächlich will die EZB ihre monatlichen Anleihekäufe reduzieren, eventuell sogar ganz einstellen.
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Wer profitiert von steigenden Zinsen?

Steigende Anleiherenditen erfreuen natürlich in erster Linie ihre Besitzer. Besonders die Käufer von Bundesanleihen können etwas aufatmen, mussten sie sich doch lange Zeit mit Nullzinsen begnügen, auch wenn Bundesanleihen als besonders sicher galten. Selbst jetzt bei einer Rendite von zuletzt 0,7 Prozent erleiden ihre Besitzer noch einen realen Kaufkraftverlust - gemessen an der offiziellen Inflationsrate von 1,3 Prozent. Noch besser sieht es für Besitzer von US-Staatsanleihen aus. Sie können bereits jetzt mit Renditen von 2,8 Prozent rechnen - Tendenz steigend.

So gehen die Experten der Deutschen Bank davon aus, dass die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen bis Ende des Jahres in den USA auf rund 3,0 Prozent und in der Eurozone auf knapp 1,0 Prozent klettern.
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Für wen sind steigende Zinsen schlecht?

Für Anleihebesitzer ist der Anstieg der Renditen ein zweischneidiges Schwert. Weil steigende Renditen, sprich ZInsen, mit entsprechenden Kursrückgängen bei den Anleihen einhergehen, besteht die Gefahr, mit Bundesanleihen im Fall eines Verkaufs erhebliche Verluste einzufahren. Wer kann, sollte also auf sowieso extrem niedrig verzinste deutsche Staatsanleihen verzichten.
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Was müssen Besitzer von Schwellenländeranleihen beachten?

In Lokalwährungen notierte Schwellenländeranleihen dürften bei steigenden US-Zinsen unter Druck geraten. Wer also Staatsanleihen aus Ländern wie Brasilien oder Russland besitzt, sollte hier besonders aufpassen. Denn höhere Zinsen in den USA lassen die Geldanlage in diesem Währungsgebiet wieder attraktiver erscheinen. Gelder werden verschoben, von (unsicheren) Emerging Markets in Richtung USA , wo es jetzt höhere Zinsen gibt. Als direkte Auswirkung steigt der Dollar gegenüber anderen Währungen, was wiederum Anleihen, etwa in braslianischen Real, unattraktiver macht.
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Was bedeuten steigende Zinsen für den Aktienmarkt?

Auch auf die Aktienmärkte haben steigende Zinsen erhebliche Auswirkungen. Zwar gibt es keine direkten Abhängigkeiten voneinander. Allgemein kann man jedoch sagen, dass höher verzinste Anleihen als Alternative zu Aktien wieder interessanter werden. Somit dürfte weniger Kapital in die Aktienmärkte fließen als in den vergangenen Jahren - mit der Folge, dass die Aktienkurse langsamer oder gar nicht mehr steigen. Zu schnelle Zinserhöhungen können sogar zu einem Aktiencrash führen. Allerdings haben die letzten Anhebungen der US-Leitzinsen die Rallye der Aktienmärkte nicht verhindert.
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Was bedeuten steigende Zinsen für den Goldpreis?

Mit wenig Potenzial ist beim Goldpreis zu rechnen: Durch anziehende Zinsen fürchten Goldanleger im Vergleich zu US-Staatsanleihen höhere entgangene Zinserträge. Dies wirkt sich in der Regel negativ auf die Goldnachfrage und den Preis aus. Für Ende 2018 erwartet die Deutsche Bank deshalb einen Rückgang des derzeitigen Goldpreises auf 1.230 Dollar je Feinunze.
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