Rehe auf der Flucht

Es wird holpriger an den Börsen Sollen Anleger jetzt in die Defensive gehen?

von Notker Blechner

Stand: 22.03.2018, 16:30 Uhr

Handelskriege, Zinssorgen, Facebook-Skandal - an den Börsen mehren sich die Alarmsignale. Nach Einschätzung mancher Experten sind wir bereits in der spätzyklischen Phase des Aufschwungs. Kommt nun die Zeit für defensive Aktien?

Die Februar-Korrektur an den Börsen hat den Marktbeobachtern Auftrieb gegeben, die vor Überhitzungserscheinungen gewarnt hatten. Die jüngsten Kurseinbrüche könnten der Beginn einer grundsätzlichen Bereinigungsphase sein, meint Heinz Werner Rapp, Chefanlagestratege bei Feri.

Einige Anleger seien bereits vorsichtiger geworden und begännen, in defensive Werte umzuschichten, weiß Rapp. Sie bevorzugen unter anderem Pharma- und Immobilien-Aktien.

Tatsächlich seien die Börsen schon sehr hoch bewertet, insbesondere die Tech-Titel. Rapp spricht von einer "Bewertungsblase".

Konjunkturaufschwung in der Spätphase

Zudem dürfte die Konjunktur in diesem Jahr wohl ihren Zenit erreichen, prophezeit Rapp. Der Aufschwung trete in seine Spätphase ein. In diesem Jahr dürfte die Konjunktur weltweit noch brummen. 2019 befürchtet der Feri-Experte aber eine globale Abschwächung. Schuld daran sei besonders China. Dort wird sich das Wachstum weiter verlangsamen, weil die Regierung in Peking auf die Bremse tritt. Selbst eine Rezession in den USA im kommenden oder übernächsten Jahr hält Rapp nicht für ausgeschlossen.

Auch Tilman Galler von JPMorgan Asset Management sieht den Konjunkturaufschwung kurz vor seinem Höhepunkt. Der Konjunkturzyklus befinde sich in einer Spätphase, meint er.

Gefahr eines Handelskriegs

Der zunehmende Protektionismus der Trump-Regierung wirft ein Schatten auf die Weltwirtschaft. Eine Eskalation und ein Handelskrieg könnten das Wirtschaftswachstum drücken, die Inflation treiben und die Finanzmärkte belasten, warnen die Analysten der Bank Citi. Wenn die europäischen Autoimporte in den USA auch mit Strafzöllen belegt werden würden, hätte das spürbare Konsequenzen auf die Konjunktur.

Dax

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Als Damoklesschwert über den Märkten schwebt zunehmend auch die Inflationsangst - in den USA wohlgemerkt. Die zuletzt starke Konjunktur könnte zu einer neuen Lohnspirale und dann auch zu höheren Inflationsraten führen.

"Monetäre Intensivbetreuung geht zu Ende"

Gleichzeitig falle der Rückenwind durch die Notenbanken zunehmend weg. Die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken werde in diesem Jahr auslaufen, sagt Rapp. Dieser Effekt sei jetzt schon spürbar und werde sich noch verstärken. Er setze sowohl Aktien- als auch Rentenmärkte unter Druck. Selbst in Europa werde die Geldpolitik straffer. "Die Zeiten der monetären Intensivbetreuung, in der die Europäische Zentralbank strukturelle Probleme mit frischem Geld übertüncht hat, sind vorbei."

Angesichts der drohenden nachlassenden Konjunkturdynamik und der zu Ende gehenden Geldflut der Notenbanken rechnet Rapp mit einem schwierigen Anlagejahr 2018. "Die Finanzmärkte werden im Jahresverlauf zunehmend Probleme bekommen", mahnt er.

Warnung vor Tech-Blase

Bereits Anfang des Jahres hatte der bekannte DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen vor zu hoher Sorglosigkeit und extremen Bewertungen von Tech-Aktien gewarnt. In den USA sehe er bereits "Zeichen einer Tech-Blase". Defensive Werte hätten mittlerweile den größten Bewertungsabschlag gegenüber Wachstumswerten, sagte er. Kaldemorgen sieht bereits Parallelen zur Jahrtausendwende. Ihn erinnere das, was seit einigen Monaten passiere, an die Internetblase, die sich Ende der 1990er Jahre aufpumpte und dann platzte.