Statoil-Ölbohrinsel Sleipner nahe Norwegen

Reichtum genutzt So investiert Norwegens Staatsfonds

Stand: 30.05.2018, 17:15 Uhr

Die Entdeckung der Ölvorkommen in den 70er Jahren hat Norwegen reich gemacht. Damit auch die zukünftigen Generationen davon profitieren, investiert Norwegen die Gewinne in den norwegischen Pensionfonds – der größte Staatsfonds der Welt.

Norwegen gilt als eines der glücklichsten Länder der Welt. 2018 schaffte es das Land auf Platz zwei beim "World Happiness Report". Die Gründe dafür sind längst bekannt: Das Land gilt als politisch stabil und die Einwohner sind gesund und zufrieden. Vor allem finanziell geht es den meisten gut – und Norwegen tut was dafür, damit das so bleibt.

Am Anfang war das Öl

Erdölförderanlage

Erdölförderung. | Bildquelle: colourbox.de

Fast zwanzig Jahre lang verpulverte das Land die Gewinne aus dem Öl- und Gasgeschäft. Doch Ökonomen warnten vor einem zu großen Zahlungsbilanzdefizit, unter dem vor allem spätere Generationen leiden würden. Anfang der 90er hatten die Norweger dann eine Idee: Das Geld aus den Gas- und Ölgeschäften soll in einen Fonds fließen. Das Vermögen soll schließlich zur Altersvorsorge der Norweger dienen.

1996 ging es los: Pro Einwohner wurden 450 Kronen eingezahlt – umgerechnet rund 50 Euro. Mehr als 20 Jahre später liegt das Vermögen des Fonds bei über 8,124 Billionen Kronen - 160.000 Euro pro Kopf. Damit ist der norwegische Pensionsfonds der größte Staatsfonds der Welt.

So investiert Norwegen

Geleitet wird er vom Norges Bank Investment Management (NBIM), einer Abteilung der norwegischen Zentralbank. Die wichtigsten Kriterien dabei: Langfristig, nachhaltig und diversifiziert investieren – dabei stets nur im Ausland. Damit wollen die Norweger verhindern, die norwegische Krone zu stärken und die heimische Wirtschaft entlasten.

Erst setzte der Fonds nur auf Aktien und Anleihen in Industrieländern. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert: Mittlerweile investieren die Norweger in Aktien, Staatsanleihen und Immobilien in Industrie- und Schwellenländern.

Performance des norwegischen Staatsfonds

Performance des norwegischen Staatsfonds . | Bildquelle: Clemens Bomsdorf, Campus

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Bis zu 70 Prozent darf der Fonds in Aktien anlegen, weitere 25 Prozent können in Anleihen investiert werden und der Rest in Immobilien. Seit 1998 eine durchschnittliche jährliche Rendite von sechs Prozent - der Dax kam im gleichen Zeitraum auf 5,7 Prozent.

2017 war der Fonds mit rund 66 Prozent in fast 9.000 Aktien investiert und hielt unter anderem Unternehmensanteile von Nestlé (2,7 Prozent), Vonovia (7,9 Prozent) und Novartis (2,0 Prozent). Etwa 30 Prozent gingen in Anleihen und nur 2,6 Prozent in Immobilien. Damit schaffte er eine Rendite von 13,7 Prozent – die zweitbeste seit der Gründung.

Doppelmoral: Norwegen will's grün

Außerdem setzt der Ölfonds auf Green Finance: Ob in ein Unternehmen investiert werden darf, entscheidet der Ethikrat des norwegischen Finanzministeriums. Er stellt ethische und moralische Vorgaben – wer diesen nicht entspricht, kann vom NBIM ausgeschlossen werden.

Wer die Umwelt verschmutzt oder Menschenrechte verletzt, Waffen und Tabak produziert oder korrupt ist, kommt auf die schwarze Liste. Getroffen hat es unter anderem schon Airbus und Boeing aufgrund der Beteiligung an der Produktion von Atomwaffen, sowie Walmart wegen Missachtung von Arbeitnehmerrechten. Aus dem Öl- und Gasgeschäft will sich der Fonds künftig ganz zurückziehen. Allerdings nur wegen der geringen Erträge in den letzten Jahren, teilte die norwegische Zentralbank im vergangenen November mit.

Das ethische Engagement des Fonds ist für viele widersprüchlich. Schließlich bezieht der Fonds sein Kapital selbst aus dem Geschäft des norwegischen Öl- und Gaskonzerns Equinor (ehemals Statoil) und erschließt noch immer neue Bohrflächen.

Organisationen wie Greenpeace werfen dem Fonds daher Doppelmoral vor. Die mag bitter schmecken - doch das milliardenschwere Ölgeschäft trägt eben doch die süßeren Früchte. 

jz