Sparstrumpf mit Einhunderteuronoten und Münzen Video

Weltspartag So geht Sparen heute

von Angela Göpfert

Stand: 30.10.2017, 06:51 Uhr

Wer spart, will sein Geld vermehren. Trotzdem nehmen die meisten Deutschen eine reale Vernichtung ihres Vermögens in Kauf, indem sie in Tagesgeld & Co. investieren. Dabei ist modernes Sparen so einfach – wenn man ein paar Regeln beachtet.

Über Geld redet man nicht!? Laut einer repräsentativen Umfrage ist für die meisten Eltern in Deutschland der heutige Weltspartag kein Anlass, um mit ihren Kindern über Geld zu reden. Schade, denn an diesem Tag könnten die Kleinen einiges lernen. Und nicht nur sie.

Inflation frisst Zinsen auf

Dass finanzielle Aufklärung hierzulande bitter nötig ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. Laut der Deutschen Bundesbank halten die Bundesbürger fast 40 Prozent ihres Geldvermögens in Bargeld oder in sehr niedrig bis gar nicht verzinsten Sichteinlagen.

Dieses Geld verliert schleichend an Wert. Grund ist die Inflation. Im bisherigen Jahresverlauf lag die Inflationsrate im Schnitt bei 1,8 Prozent. Nicht wenige Experten gehen von langfristig steigenden Inflationsraten aus.

Alternativen müssen her

Die „Sicherheit“, die eine klassische Sparanlage bietet, ist somit eine trügerische: Ist die Inflation höher als die Zinsen, verliert das Ersparte nämlich real an Wert.

Wer bei der Vernichtung seines Vermögens nicht länger tatenlos zuschauen und zumindest die Kaufkraft seines Geldes erhalten möchte, muss sich also in Zeiten von Niedrigzinsen nach Alternativen zu Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld & Co. umschauen.

Euroscheine im Strudel

Wer sein Erspartes vor der Inflation retten will, kommt mit Tagesgeld & Co. nicht weit. | Quelle: colourbox

Weltanlegertag statt Weltspartag

Weitaus höhere Renditen lassen sich etwa am Aktienmarkt erzielen. Im historischen Schnitt betrug der jährliche Wertzuwachs rund neun Prozent, künftig gehen vorsichtige Experten eher von sieben Prozent aus.

Zeitgemäßer als ein Weltspartag wäre daher ein Weltanlegertag. Doch schon beim Wort „anlegen“ dürften sich vielen Deutschen die Haare aufstellen. Nicht wenige Bundesbürger verwechseln nämlich „investieren“ mit „spekulieren“, „anlegen“ mit „zocken“.

Pokern

Nein, mit Glücksspiel hat langfristiges Investieren an der Börse wahrlich nichts zu tun. | Bildquelle: colourbox.de

Dabei geht es beim langfristigen Anlegen nicht um das schnelle Geld. Es geht darum, das Geld arbeiten zu lassen. Denn nur wer langfristig investiert, kann vom Zinses-Zins-Effekt profitieren.

Schon kleine Beträge reichen

Doch viele Bundesbürger kennen den Zinses-Zins-Effekt gar nicht, diese „Wundermaschine“, die schon aus kleinen Anlagebeträgen über einen längeren Zeitraum wahre Vermögen macht.

Um vom Zinses-Zins-Effekt zu profitieren, werden die anfallenden Zinsen nicht ausgeschüttet, also nicht an den Anleger ausgezahlt, sondern zum Anlagebetrag hinzuaddiert. Sie erhöhen also die Anlagesumme und werden in den Folgejahren mitverzinst. Dadurch werden bei der nächsten Ausschüttung höhere Zinserträge erreicht.

Fünfzigeuroscheine fallen auf einen Stapel

Dank des Zinses-Zins-Effektes werden aus kleinen Beträgen schnell große. | Bildquelle: colourbox.de

Aus 100 Euro werden...

Gerade beim Sparen für langfristige Ziele wie etwa der privaten Altersvorsorge kommt der Zinses-Zins-Effekt voll zum Tragen. In unserem Beispiel haben wir eine monatliche Sparrate von 100 Euro angenommen.

Ein Wunder namens Zinses-Zins-Effekt
JahreSumme der EinzahlungenSparkapital bei 7 % Rendite
11.2001.245,50
56.0007.162,55
1012.00017.208,39
1518.00031.298,20
2024.00051.059,89
2530.00078.776,68
3036.000117.650,91
3542.000172.174,03
4048.000248.645,53

Wer 100 Euro monatlich über 40 Jahre hinweg spart, verfügt am Ende über ein Kapital von 248.645,53 Euro. Davon sind nur 48.000 Euro den monatlichen Einzahlungen geschuldet - die restlichen 200.645,53 Euro beruhen auf dem Zinses-Zins-Effekt.

5 Regeln für Aktien-Sparer

Um vom hohen Zinses-Zins-Effekt am Aktienmarkt voll profitieren zu können, muss der Sparer lediglich ein paar Regeln beachten.

1. Je früher desto besser! Erst über lange Zeiträume kann der Zinses-Zins-Effekt seine großen Kräfte entfalten.

2. Breit streuen! Gerade bei geringen Sparbeträgen ist die Diversifizierung eines Depots mit einzelnen Aktien schwierig. Besser ist es da auf einen ETF zu setzen. Damit lassen sich komplette Aktienindizes und sogar Anlageregionen abdecken.

3. Kosten reduzieren! Viele Broker bieten kostenlose ETF-Sparpläne schon ab 25 Euro an. Auch bei den ETF-Anbietern ist es wichtig, auf die Kostenstruktur zu achten, hier gibt es große Unterschiede.

4. Sparen automatisieren! Mit Sparplänen machen sich Sparer das Leben leicht. Das Geld wird automatisch abgebucht, etwa zum 1. oder 15. eines Monats, und investiert. Damit umschifft der Sparer zudem eine große Klippe am Aktienmarkt: Es gibt genügend Studien, die belegen, dass Privatanleger beim Markttiming, also bei der Suche nach dem perfekten Ein-und Ausstiegszeitpunkt, kläglich versagen.

5. Ruhe bewahren! Korrekturen und auch Crashs gehören zur Börse dazu. Doch die Geschichte zeigt auch: Wer investiert bleibt und stur weiter spart, steht meist schon kurze Zeit nach einer solchen Krise besser da als zuvor.

Fazit: Klassische Sparanlagen erfreuen sich bei den Deutschen immer noch großer Beliebtheit. Doch angesichts real negativer Zinsen ist es an der Zeit, seine Berührungsängste abzulegen und über Alternativen am Aktienmarkt nachzudenken. Der heutige Weltspartag ist ein guter Anlass dazu.

Darstellung: