Fearless Girl

Mehr Gleichberechtigung, mehr Rendite Schluss mit dem Männer-Club Börse!

von von Angela Göpfert

Stand: 08.03.2018, 07:02 Uhr

Die Wölfe der Wall Street sind noch fast immer männlich. Hierzulande sieht es nicht besser aus. Kein Dax-Unternehmen wird von einer Frau geleitet. Und das sollte nicht nur Feministinnen ärgern – sondern auch Aktionäre.

Seit dem Weltfrauentag 2017 bietet das "Fearless Girl" vor der New Yorker Börse dem Bullen die Stirn. Die Botschaft der Künstlerin Kristen Visbal liegt auf der Hand: Das "Fearless Girl" soll auf den Missstand aufmerksam machen, dass in den börsennotierten amerikanischen Konzernen Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert sind.

Die männlichen Wölfe der Wall Street

Ein Jahr später hat sich daran – wer hätte das gedacht – nichts geändert. Neue Studien verdeutlichen das ganze Ausmaß der Chancenungleichheit an der Wall Street.

So ist etwa das gesamte Universum der offenen Fonds in den USA rund zwölf Billionen Dollar schwer. Laut einer Studie von Morningstar werden davon aber nur 2,5 Prozent exklusiv von Frauen gemanagt, bei 80 Prozent besteht das Fondsmanagement nur aus Männern.

Deutsche Fondsindustrie als Negativbeispiel

Weltweit stagniert der Anteil der Fonds, die "mindestens einen" weiblichen Manager haben, seit der Finanzkrise 2008 bei rund 20 Prozent. In den USA und Deutschland liegt der Anteil mit zehn respektive neun Prozent sogar noch deutlich darunter.

Doch nicht nur in der Fondsindustrie, auch in anderen Branchen sind Frauen von Gleichberechtigung noch weit entfernt. Dabei belegen zahlreiche Studien, etwa von Credit Suisse, RobecoSam oder McKinsey Global Institute, dass solche Unternehmen eine deutliche Outperformance gegenüber ihrer Konkurrenz aufweisen.

Mehr Frauen, bessere Performance

Eine Studie des Peterson Institute for International Economics zeigt, wie viel mehr für Unternehmen drin ist, wenn sie Frauen eine Chance geben. Firmen mit einem höheren Frauen-Anteil im Vorstand weisen im Schnitt eine um sechs Prozentpunkte höhere Gewinnmarge aus.

Das spiegelt sich auch an der Börse wider: Firmen, die sich zur Gleichberechtigung bekennen, zeigen eine klare Outperformance.

Mehr Frauen, mehr Rendite

Mehr Frauen, mehr Rendite. | Bildquelle: Bloomberg Finance L. P., Solactive Equileap, Grafik: boerse.ARD.de

Dax-Vorstandschefs: Männer unter sich

Eine Erkenntnis, die in den Vorstandsetagen der deutschen Großkonzern allerdings noch nicht so recht angekommen scheint: Zwar ist laut dem jüngsten Dax-Vorstandsreport der Personalberatung Odgers Berndtson für das Jahr 2017 der Frauenanteil in den Vorständen der 30 Dax-Konzerne mittlerweile auf 13 Prozent gestiegen.

Doch auf den Chefsessel eines Dax-Konzerns hat es bislang noch keine Frau geschafft. Zudem gibt es immer noch neun Unternehmen (Vorjahr: 13), die keine einzige Frau in ihrem Vorstandsgremium haben; darunter Infineon, Linde, RWE und ThyssenKrupp.

Zum Vergleich: Unter den S&P 500-Unternehmen betrug der Frauen-Anteil in den Vorstandsetagen Ende 2017 laut der Researchfirma Catalyst 21 Prozent, sechs Prozent der Unternehmen wurden von einem weiblichen CEO geführt.

Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in Dax-Unternehmen

Immerhin: Der Frauen-Anteil in den Dax-Vorständen steigt . | Bildquelle: Odgers Berndtson, Grafik: boerse.ARD.de

Mehr Frauen braucht die Börse

Fazit: Zu einer Zeit, in der Frauen in immer mehr Branchen Fuß fassen, ist und bleibt die Finanzwelt ein Männer-Club. Die grassierende Ungleichberechtigung in den Vorstandsetagen der börsennotierten Großkonzerne ist ganz klar zum Nachteil einzelner Frauen.

Sie ist aber auch zum Nachteil der Unternehmen und damit letztlich auch der Aktionäre, die diese Unternehmen besitzen. "Shareholder Value" richtig verstanden, bedeutet daher auch ein Votum für mehr Chancengleichheit im Unternehmen. Denn Gleichberechtigung und Rendite gehen Hand in Hand.