Mann und Frau mit Tablets

Hohe Zuflüsse dank Kooperationen Robo-Advisors sammeln Milliarden

Stand: 01.06.2018, 16:23 Uhr

Der Markt für Online-Vermögensverwaltungen legt in Deutschland weiter dynamisch zu. Das gilt nicht nur für die verwalteten Mittel der Anbieter. Auch die Zahl der "Robos" steigt weiter, immer mehr Bankhäuser und Vermögensverwalter entdecken die Chancen der digitalen Geldanlage.

Eine Milliarde Euro verwaltet der Marktführer in Sachen Robo-Advisors in Deutschland inzwischen. Die Meldung elektrisierte Ende Mai die Finanzszene. Dank einer Kooperation mit der Direktbank ING-Diba hat es der Münchener Startup Scalable Capital binnen knapp drei Jahren in den zehnstelligen Euro-Bereich geschafft. Eine Größenordnung, die nach Expertenschätzungen nicht nur einträglich für das Unternehmen sein dürfte, sondern auch international Beachtung findet.

Die kostengünstigen, aber standardisierten Geldanlage-Tools finden bei den Bundesbürgern immer mehr Anklang. Vor allem dann, wenn wie im Fall Scalable - Diba technisches Know-how und die Vermarktungsmöglichkeiten einer Direktbank zusammen kommen.

Vier Anbieter dominieren den Markt

Scalable, das bereits seit mehreren Jahren klarer Marktführer in der Branche ist, hat seinen Vorsprung in Deutschland damit weiter ausgebaut, auf wohl ziemlich genau die Hälfte aller "Assets under management" (AUM) unter den deutschen Robo-Advisors. Deren verwaltetes Vermögen liegt laut einer neuen Studie des Analysehauses Barkow Consulting bei rund zwei Milliarden Euro. Auf den folgenden Plätzen rangieren danach die Comdirect-Tochter Cominvest (300 Millionen Euro), Liqid, ein Berliner Unternehmen, das mit dem Vermögensverwaltung HQTrust der Familie Harald Quant kooperiert und Quirion (100 Millionen Euro), Ableger der Quirin Bank. Rund drei Viertel des Marktes in Deutschland konzentriert sich damit auf nur vier Anbieter. Insgesamt sind rund 30 Robo-Advisors in Deutschland aktiv (s.a. unsere Übersicht: Robo-Advisors in Deutschland).

Deutsche Bank-Robo noch diffus

Noch unklar ist der Erfolg von "Robin", des Anlage-Tools der Deutschen Bank, das Ende 2017 eher verschämt über die Tochter Maxblue in den Markt eingeführt wurde. Wie bei vielen Online-Vermögensverwaltungen üblich setzt auch Robin auf ein ETF-Portfolio, das nach dem Anlagehorizont, der Risikobereitschaft und dem verfügbaren Vermögen des Anlegers zusammengesetzt ist und bei Bedarf umgeschichtet wird.

So deutlich die bisher erreichten Zuwächse sind, so klein ist das über Robo-Advisors verwaltete Vermögen dennoch gegenüber der klassischen Anlage. Barkow zufolge entsprechen die zwei Milliarden an AUM gerade einmal 0,2 Prozent des Vermögens, das die Bundesbürger in Aktien, Anleihen und Fonds investiert haben. Das weitere Wachstumspotenzial ist entsprechend groß. Die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman schätzt, dass die automatisierte Vermögensanlage bis 2021 ein Volumen von 35 Milliarden Euro erreichen wird, also das 17-fache des heutigen Wertes.

Mehr als Indexfonds fürs Robo-Portfolio

Neben diesem Standardverfahren mit Indexfonds und automatisiertem Umschichten hat sich die Welt der Robos in den vergangenen Monaten stärker ausdifferenziert. So können bei mehreren Anbietern auch aktiv gemanagte Fonds oder Einzelaktien Teile der online ermittelten Vermögensstrategie sein (etwa bei Fundamental Capital). Dazu kann der Anleger auch gezielt auf einzelne Trendthemen setzen, wie etwa das Thema Nachhaltigkeit bei VisualVest. Der Berliner Anbieter Liqid nutzt seine Verbindung zur Quant-Vermögensverwaltung HQTrust inzwischen auch dadurch, das er Privatanlegern über Fonds Zugang zur Anlageklasse Private Equity bietet.

Neben Startups, die allein oder in Kooperation mit Banken ihre Dienste anbieten, können Anleger inzwischen auch die Expertise von Vermögensverwaltern und Family Offices über automatisierte oder halbautomatisierte Anlageroboter nutzen. Das zeigt einerseits Liqid durch seine Anbindung an HQTrust. Aber auch der renommierte Fondsmanager und Vermögensverwalter Jens Ehrhardt ist inzwischen im Zeitalter der Online-Verwaltung angekommen. Sohn Jan Ehrhardt zeichnet für "Solidinvest" verantwortlich, ein Tool, über das direkt in Aktien und Anleihen investiert werden kann.

Harter Wettbewerb um Kundengelder

Zwar ist die Branche noch jung, dennoch erwarten Experten wie Barkow Consulting bereits in den kommenden Jahren eine "Konsolidierung" unter den Robo-Advisors. Der Grund liegt auf der Hand: Wer im Kampf um Kundengelder nicht binnen weniger Jahre eine kritische Masse erreicht, die ein profitables Verwalten möglich macht, wird wieder verschwinden. Ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag wird hierfür üblicherweise als Untergrenze angesehen.

Durch die immer größere Anzahl von Anbietern entsteht außerdem weiterer Preisdruck. So haben mehrere Robos, darunter etwa Quirion, die Preise für ihre Verwaltungsgebühren weiter gesenkt. Der Markt für die digitalen Vermögensverwalter wächst also zwar weiterhin dynamisch, der Verdrängungswettbewerb hat aber zugleich begonnen.

AB