Eine Roboterhand legt eine Münze auf einen Geldstapel auf einer Notebook-Tastatur, auf dem Bildschirm ein steigender Chart

Werthstein zieht die Reißleine Robo-Advisor macht dicht

Stand: 18.12.2018, 15:34 Uhr

Im Wettbewerb um Kundengelder wird auch bei den Online-Vermögensverwaltungen, den so genannten "Robo Adivsors", mit harten Bandagen gekämpft. Nach rund zwei Jahren steigt nun ein ambitionierter Vertreter schon wieder aus.

Mit seinen "Zeitgeist"-Investments hatte die Schweizer Werthstein so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. Dabei konnten Anleger in bestimmte Trends investieren. Dazu gehörte etwa der Bereich eHealth, der 3D-Druck oder auch das Thema Autonomes Fahren. Wie bei der Konkurrenz konnte der private Investor sich aber auch über ETFs und Einzelaktien ein Anlage-Portfolio ganz nach Risikobereitschaft und Anlagehorizont zusammenstellen lassen. Mit einer Verwaltungsgebühr von 0,85 Prozent lagen die Schweizer im Mittelfeld der inzwischen gut zwei Dutzend "Robos" auf dem deutschen Markt.

Kunden werden ausbezahlt

Dieser Markt, so scheint es Ende 2018, sortiert sich immer mehr. Während Marktführer Scalable Capital im laufenden Jahr bereits die Anlagesumme von einer Milliarde Euro knackte, sollen bei Werthstein nur "Assets under management" zwischen einer und zwei Millionen Euro seit dem Start 2016 zusammengekommen sein - viel zu wenig, um auskömmlich arbeiten zu können.

Am Montag gab der Robo Advisor daher bekannt, seinen Betrieb in Deutschland zum Ende des Jahres einstellen zu wollen. Die Schließung habe "sich als notwendig erwiesen, da sich die Geschäftszahlen seit unserem Markteintritt Anfang des Jahres leider nicht ausreichend entwickelt haben, um das Geschäft fortzuführen", so der Werthstein-Generalbevollmächtigte in Deutschland, Felix Röscheisen, in einem Schreiben an die Kunden. Die Depotwerte würden nun verkauft und die Gelder an die Kunden zurückgezahlt. 

Zu wenig Resonanz

Werthstein war im Jahr 2016 gegründet worden und hatte den Vermögensverwaltungsbetrieb erst zu Jahresbeginn in Deutschland aufgenommen. Zu den Werthstein-Gründern gehörten der ehemalige Marketingchef der Credit Suisse (CS) Bastian Lossen, der langjährige CS-Researchleiter Giles Keating sowie Röscheisen, vormals Head Sales Management Retail Banking und Private Banking bei der HypoVereinsbank. Zu den Investoren zählte Werthstein unter anderen Walter Berchtold sowie Leonard Fischer, beides ehemalige Topmanager der Credit Suisse.

Um die wohl nötigen Anlagesummen im mittleren dreistelligen Millionenbereich zu erreichen, schließen viele der Anbieter Kooperationen im Bankensektor. Der Deal zwischen Scalable und der ING Diba war dabei branchenweit der größte. Dank des Vertriebsnetzes der Direktbank konnten die Münchener die kritische Schwelle schnell überschreiten. Andere, wie die Berliner Liqid, konnten als Partner des Family-Offices HQTrust der Familie Harald Quandt inzwischen nach Schätzungen mehr als 300 Millionen Euro einsammeln. Gerade für Neulinge im Robo-Geschäft dürften die Eintrittsbarrieren inzwischen hoch geworden sein, zumal einige Banken auch eigene Vermögensverwaltungs-Tools anbieten. Das Aus für Werthstein dürfte nicht das letzte in der Branche gewesen sein (s. unser Überblick Robo-Advisors).

AB