Rentner-Figur sitzt auf Riester-Schriftzug aus Scrabble-Würfeln

Corona-Crash sorgt für Verluste Riester-Sparer in der Zwickmühle

Stand: 19.06.2020, 15:17 Uhr

Die staatliche geförderte private Altersvorsorge hat es weiter schwer. Die Kunden kehren Riester zunehmend den Rücken. Und viele, die auf die prinzipiell renditeträchtigeren Investment-Sparpläne gesetzt hatten, haben im Corona-Crash ihr blaues Wunder erlebt.

Von den Chancen des Aktienmarktes profitieren und dennoch staatlich gefördert Vermögen bilden. Das war und ist das Versprechen der Handvoll Anbieter von Riester-Verträgen, mit denen in Investmentfonds investiert wird. Tatsächlich schnitten die Kunden in vielen Fällen mit den Produkten von DWS, Union Investment, der Deka und dem Neueinsteiger Fairriester in den vergangenen Jahren damit besser ab, als Riester-Sparer, die auf Versicherungs-Lösungen oder Banksparpläne gesetzt hatten.

Der Corona-Crash führt allerdings zum Teil zu heftigen Reaktionen in den Anleger-Depots. Vor allem bei Fairriester, einem Berliner Startup, das mit der Sutor Bank kooperiert, wurde die bis dahin hohe Aktienquote auf null reduziert. Ungünstig, vor allem auch, weil dies ausgerechnet am 12. März umgesetzt wurde, als Dax & Co. nahe ihren Tiefstständen notierten. Entsprechend herb fielen die Verluste auf Anlegerseite aus. Einen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt nimmt das Unternehmen nun langsam wieder vor, allerdings zu deutlich höheren Kursen am Aktienmarkt.

Kapitalgarantie als Pferdefuß

Auch andere Anbieter nahmen, wenn auch weniger drastische Umschichtungen vor, so etwa das stark gefragte Riester-Produkt der genossenschaftlichen Union Investment, die UniProfiRente. (s. unser Überblick: Riester-Produkte im Corona-Crash).

Riester-Produkte müssen laut Gesetzgeber ihren Kunden zum Antritt ihrer Rente zumindest die Einzahlungen garantieren. Diese Kapitalgarantie lässt ein längerfristiges Investment in den Aktienmarkt nur bedingt zu, denn kommt es vor der Auszahlphase eines Kunden zu einem heftigen Kursrückgang am Aktienmarkt, und dieser hält noch eine hohe Quote an Aktien, kann die Garantie wackeln.

Sicherung mit Haken

Die Anbieter haben dafür unterschiedliche Sicherungsmethoden eingesetzt. Bei vielen Riester-Investmentfonds-Varianten wird die Aktienquote immer weiter heruntergefahren, je näher die Auszahlphase rückt. Andere bieten grundsätzlich kaum hohe Aktienquoten an, sondern investieren die Einzahlungen der Kunden nur in Renten- oder Mischfonds. Diese kommen dann in der Regel noch aus eigenem Hause. Und in der Mehrzahl wird in aktiv gemanagten Fonds investiert, die die Wertentwicklung des Riester-Depots mit Gebühren auf Fondsebene belasten.

Genau das wollte Farriester anders machen. Hier wurde in kostengünstige Indexfonds (ETF) investiert und zudem mit einer im Vergleich hohen Aktienquote geworben. Zwar wurde und wird die Aktienquote auch hier nach Restlaufzeit abgestuft. Doch im Corana-Crash wurde wegen der hohen "Marktvolatilität" komplett die Reißleine gezogen.

Wechseln oder Aussteigen?

Verbraucherschützer wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfehlen, sich genau anzuschauen, wie die Anlagepolitik des Anbieters nach der Corona-Krise aussieht. Ein Vertragswechsel zu einem anderen Produkt oder auch zu einem anderen Anbieter ist gegen geringe Gebühren möglich. Einen Komplettausstieg empfehlen die Experten nicht, da sich Riestern wegen der staatlichen Zulagen und der Steuervorteile dennoch für die meisten Sparer lohne.

Davon sind allerdings immer weniger Anleger überzeugt, wie die aktuelle Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BAMS) zeigt: Danach ist der Bestand an Riesterverträgen im ersten Quartal 2020 erneut gesunken - um 50.000 auf nun noch 16,5 Millionen. Und erstmals ging die Zahl der Verträge in allen Varianten zurück. Auch Riestern per Investmentfonds wollen immer weniger Bundesbürger. Ende März waren es mit 3,3 Millionen Verträgen rund 6.000 weniger als im Vorquartal. Die Zahl dürfte nach dem Corona-Crash wohl weiter sinken, wenn die Anleger aus Unzufriedenheit mit den Umschichtungen bei ihren Anbietern selbst die Reißleine ziehen.

AB