Interview

Katja Eckardt

Werdet endlich reich Katja Eckardt: "Reichtum ist Frauensache"

Stand: 22.09.2016, 13:54 Uhr

Katja Eckardt ist studierte Betriebs- und Volkswirtin. Ihr ist es wichtig, finanziell abgesichert zu sein. Mit ihrem Finanzratgeber "Reichtum ist Frauensache" erklärt sie anderen Frauen, wie das geht.

boerse.ARD.de: Frau Eckardt, Sie sagen, reich werden ist gar nicht so schwierig. Wie wird „frau“ denn reich?

Katja Eckardt: Zunächst sollte sie sich einen Plan machen, wie sie möglichst viel sparen kann. Danach wird gelernt: Sechs bis zwölf Monate mit einem Musterdepot, mit Seminaren und Finanzratgebern. Mit genügend Wissen und Kapital kann sie anfangen, zu investieren. Erst in Fonds und ETFs, dann in Aktien. Und immer schön das Risiko streuen. Wichtig ist: Man sollte nur so viel investieren, wie man auch verlieren kann.

boerse.ARD.de: Was sollten Frauen tun, die weder Lust noch Zeit haben, sich intensiv mit dem Finanzmarkt zu beschäftigen?

Eckardt: Es gibt Apps, die einem beim Investieren helfen, ohne dass man selbst viel Aufwand hat. Savedroid rundet zum Beispiel die Beträge beim Einkaufen auf und zahlt die Differenz auf ein Konto ein. Man kann dann selbst entscheiden, ob das Geld auf ein Tagesgeldkonto kommen oder in einen Fonds investiert werden soll.

boerse.ARD.de: Warum haben Sie selbst angefangen, in Aktien zu investieren?

Eckardt: Ich kam von der Uni und hatte keine Ahnung, wie man mit Geld umgeht. Mit meinem Gehalt bin ich nicht ausgekommen. Irgendwann habe ich angefangen, zu sparen und zu investieren. Ich finde, man sollte so früh wie möglich damit anfangen, sich um sein Geld selbst zu kümmern. Auch wenn man als Student nur 50 Euro im Monat investiert, kann das über Jahrzehnte hinweg eine gute Rendite abwerfen.

boerse.ARD.de: Was sind Ihrer Meinung nach Indikatoren für eine vielversprechende Aktie?

Eckardt: Ich investiere langfristig in eine Firma, wenn ich vom Produkt überzeugt bin und mich dafür interessiere. Schließlich informiere ich mich durch Geschäftsberichte und Quartals Conference Calls über die Firma und lese mir täglich die Google News über sie durch. Charttechnik nutze ich nur am Rande. Sie ist meines Erachtens zu oberflächlich. Wer ein Unternehmen verstehen will, muss ins Innere einer Firma blicken.

boerse.ARD.de: Wann stoßen Sie eine Aktie ab?

Eckardt: Ich mache mir vorher einen Plan, zu welchem Kurs ich die Aktie kaufe und zu welchem ich sie verkaufe. Daran halte ich mich auch. Für den Fall, dass der Aktienkurs plötzlich sinkt, nutze ich eine Stop-Loss-Order.

boerse.ARD.de: Sie haben ein Buch geschrieben, haben ein Hörbuch eingesprochen, betreiben einen Blog, eine Internet- und eine Facebookseite. Beraten Sie auch privat?

Buchcover: Reichtum ist Frauensache

Reichtum ist Frauensache. | Bildquelle: FinanzBuch Verlag, Colourbox, Montage: boerse.ARD.de

Eckardt: Ich antworte auf jede E-Mail persönlich und spreche auch über Skype mit meinen Lesern. Es schreiben mich auch sehr viele Männer an. Oft helfe ich dabei, aus Schulden rauszukommen. Ich gebe ja nicht nur Anleger- sondern auch Spartipps.

boerse.ARD.de: Sie kritisieren, dass bisherige Finanzratgeber zu kompliziert für Frauen geschrieben sind. Unterstellen Sie Frauen damit nicht mangelnde Intelligenz?

Eckardt: Nein, Frauen sprechen nur eine andere Sprache. Sie können sich mit den Anzugträgern auf den Covern nicht identifizieren, von den komplexen Informationen in den Büchern werden sie abgeschreckt. Warum kann ein Finanzratgeber nicht auch unterhalten? Außerdem kann ich von meinen eigenen Erfahrungen erzählen. Andere Frauen haben vielleicht das Gleiche erlebt, sodass sie sich mit mir identifizieren können.

boerse.ARD.de: Sie sagen, Frauen sind die besseren Anleger. Warum?

Eckardt: Nicht unbedingt besser. Männer wollen Sachen oft allein können und schnell Gewinn machen. Frauen hingegen sind geduldiger und vorsichtiger. Am Aktienmarkt braucht man viel Geduld. Man sollte eine Aktie fünf bis 15 Jahre liegen und das Geld arbeiten lassen. So vermeidet man Kosten durch Steuern und Trading-Gebühren.

boerse.ARD.de: In Ihrem Blog kündigen Sie die nächste Finanzkrise an. Wie sollten Anleger mit der Situation umgehen?

Eckardt: Cash is King. Wer nach einer Finanzkrise noch Geld zum Investieren hat und die dann unterbewerteten Restbestände günstig erwerben kann, ist der König. Heißt: Kosten senken, Liquidität schaffen, Finanzplan machen und auf einen besseren Einstiegszeitpunkt warten.

boerse.ARD.de: Hätte es Ihrer Meinung nach die letzte Finanzkrise gegeben, wenn nur Frauen die Finanzwelt bestimmt hätten?

Eckardt: Welcher Krieg wurde schon von Frauen angefangen?

boerse.ARD.de: Sie schreiben zum Schluss, dass man Unternehmer werden sollte, um richtig reich zu werden. Finden Sie es nicht unsinnig, jedem zu raten, ein Unternehmen zu gründen?

Eckardt: Nicht jeder muss Unternehmer werden, um finanziell vorzusorgen. Aber jeder kann sich Gedanken darüber machen.  Auch Immobilien können als Investments interessant sein. Ich will meinen Lesern zeigen, dass alles möglich ist. Jeder sollte in Werte investieren, die er versteht, die ihn interessieren und an die er glaubt.

Das Gespräch führte Anja Lordieck.