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Jetzt raus aus Aktien? Pro und Contra

Eurozeichen scheint in einem Auge auf

Gewinnaussichten
Es ist eines der wenigen unverrückbaren Börsengesetze: Langfristig bestimmen die Unternehmensgewinne, ob Aktien steigen oder fallen. Zumindest in Amerika sieht es hier noch ziemlich gut aus. Allerdings wird an der Börse die Zukunft gehandelt. Und graduell steigende Zinsen und ein "Gewöhnungseffekt" der Trump'schen Steuerreform dürften die Aussichten für das kommende Jahr trüben.

Jetzt raus aus Aktien? Pro und Contra

Eurozeichen scheint in einem Auge auf

Gewinnaussichten
Es ist eines der wenigen unverrückbaren Börsengesetze: Langfristig bestimmen die Unternehmensgewinne, ob Aktien steigen oder fallen. Zumindest in Amerika sieht es hier noch ziemlich gut aus. Allerdings wird an der Börse die Zukunft gehandelt. Und graduell steigende Zinsen und ein "Gewöhnungseffekt" der Trump'schen Steuerreform dürften die Aussichten für das kommende Jahr trüben.

Strafzinsen

Zinssorgen
Überhaupt, die Zinsen: Zinssorgen sind der klassische "Runterzieher" am Aktienmarkt. Die amerikanische Notenbank Fed ist - anders als die EZB - mit immerhin acht kleinen Zinsschritten seit Dezember 2015 schon auf einen restriktiven Zinskurs eingeschwenkt.

Wie üblich, beginnen sich die Marktteilnehmer in der derzeitigen Phase um die Konjunktur zu sorgen. So werden Investitionen teurer und die Zinskosten der Unternehmen steigen, was die Gewinne schmälert. Die Sorge ist, dass die Fed zu restriktiv wird und mit ihrem Zinskurs unbeabsichtigt eine Rezession auslöst. Entsprechend kommen schwächere Konjunkturdaten derzeit gar nicht so schlecht an der Wall Street an - sie hofft, dass die Währungshüter dadurch von ihrem geplanten Zinspfad abgebracht werden.

Zum anderen machen höhere Zinsen Zinsanlagen gegenüber Aktien relativ attraktiver. So wird etwa die Entwicklung der zehnjährigen US-Rendite, die im Sommer über 3,00 Prozent geklettert ist, am Aktienmarkt argwöhnisch beäugt.

Blase mit Dollarzeichen und Hand mit Nadel

Gigantische Schuldenberge
Brisanz erhält das Zinsthema durch das, was vorausging – wir leben in einem gigantischen Geldexperiment mit einer noch nie gesehenen Geldflut. Die ultralockere Geldpolitik hat die Politiker weder in den etablierten Volkswirtschaften noch in den Schwellenländern angereizt, entscheidende Strukturreformen anzugehen. Die Folge: Weiter steigende Schuldenberge.

Steigen die Zinsen, bedeutet das also massiv steigende Belastungen für die Staatshaushalte. Die Fed wird zuallererst Sorge dafür tragen, den eigenen Staatshaushalt nicht zu überfordern. Das allein ist schon eine heikle Aufgabe. Ob das aber reicht, um ernsthafte Schuldenprobleme in den Schwellenländern zu verhindern? Hier lauert auf jeden Fall eine offene Flanke für die Finanzmärkte. Die Frage ist weniger ob, sondern wann die derzeitige Schuldenblase platzt.

Silhouette der Landmasse Italiens bricht von einer Klippe ab

Politische Unsicherheit
Die Brexit-Thematik mag letztlich noch beherrschbar sein. Wenn es mit Italien rund geht, ist das kaum vorstellbar. Die Furcht vor einer Euro-Krise 2.0 hat schon in den vergangenen Monaten zu einer Unterperformance der europäischen Märkte gegenüber den USA geführt. Eine politische Lösung des gärenden Haushaltsstreits, der die italienischen Renditen nach oben treibt, ist derzeit nicht absehbar.

Der Fall Italien erinnert zugleich daran, welche Gefahren von der weiterhin expansiven Geldpolitik der EZB ausgehen. Während die Amerikaner mit einem Leitzins von 2,00 bis 2,25 Prozent immerhin ein wenig Munition gegen die nächste Krise gesammelt haben, stehen Europas Geldpolitiker mit ihrem Nullzins ziemlich blank da. Sie wollen sogar bis zum Jahresende weiter Anleihen - inklusive italienischer - aufkaufen. Welches geldpolitische Instrumentarium einer möglichen europäischen Finanzkrise entgegenwirken soll, bleibt ihr Geheimnis.

<strong>Technische Verfassung</strong><br/>Die fundamentalen Probleme haben auch unübersehbare Spuren in den Charts hinterlassen: Der langfristige Aufwärtstrend seit 2008 ist eindeutig Geschichte, und der Dax hat mit den Hochpunkten 2017 und 2018 eine gewaltige Wendeformation ausgebildet. Das spricht für zumindest holprige Zeiten in den kommenden Monaten.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre

Technische Verfassung
Die fundamentalen Probleme haben auch unübersehbare Spuren in den Charts hinterlassen: Der langfristige Aufwärtstrend seit 2008 ist eindeutig Geschichte, und der Dax hat mit den Hochpunkten 2017 und 2018 eine gewaltige Wendeformation ausgebildet. Das spricht für zumindest holprige Zeiten in den kommenden Monaten.

<strong>S&P 500 ebenfalls angeschlagen</strong><br/>Auch an der Wall Street, die sich um Italien eher weniger Gedanken macht, sind die Bremsspuren unübersehbar. Der marktbreite S&P 500 hat noch eine komfortable Unterstützungszone um 2.600 Punkte unter sich. Aber eine nachhaltige Erholung aus dem Stand scheint bei diesem Chartbild ebenfalls unwahrscheinlich.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 5 Jahre

S&P 500 ebenfalls angeschlagen
Auch an der Wall Street, die sich um Italien eher weniger Gedanken macht, sind die Bremsspuren unübersehbar. Der marktbreite S&P 500 hat noch eine komfortable Unterstützungszone um 2.600 Punkte unter sich. Aber eine nachhaltige Erholung aus dem Stand scheint bei diesem Chartbild ebenfalls unwahrscheinlich.

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping

Wundertüte Trump
Bei all diesen düsteren Aussichten darf man mögliche Kurstreiber nicht aus den Augen verlieren. Ausgerechnet der unberechenbar scheinende US-Präsident Donald Trump könnte den Bären einen entscheidenden Schlag verpassen.

Alle Erfahrung deutet darauf hin, dass Trump hinter den Kulissen eifrig an einer Einigung im verfahrenen Handelsstreit mit China arbeitet. Es ist also durchaus denkbar, dass er in zeitlicher Nähe zum G20-Gipfel in Argentinien vom 30. November bis 1. Dezember, bei dem Trump mit Chinas Machthaber Xi Jinping zusammentrifft, einen Durchbruch verkünden wird. Das würden die Börsen zweifellos dankbar aufnehmen. Bleibt die Frage, ob die Chinesen bei diesem Poker tatsächlich mitspielen.

Weihnachtsrally im Dax

Weihnachtsrally
Ein weiterer Faktor, der noch ein Fünkchen Hoffnung bietet, ist die Saisonalität. Nachdem die übliche Jahresendrally ab Mitte Oktober diesmal ins Wasser fiel, bleibt den Optimisten noch das Phänomen der Weihnachtsrally, also stark steigende Kurse ab Mitte Dezember. In 20 Jahren fiel die Weihnachtsrally nur zweimal aus - übrigens auch letztes Jahr.

la