Robert Rethfeld

Börsenstatistik-Experte im Gespräch "Rally-Startschuss fällt sieben Tage vor der Wahl"

Stand: 01.10.2020, 08:53 Uhr

Die Konsolidierungsphase an den Börsen könnte bald ein Ende finden. Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest macht Hoffnung auf eine Wahlrally ab Ende Oktober.

boerse.ARD.de: Herr Rethfeld, wie genau folgt der Dow Jones 2020 bislang dem typischen Verlauf eines Wahljahres?

Robert Rethfeld: Recht genau. Der Dow markierte im März ein Tief, so wie es der Durchschnittsverlauf in Wahljahren vorsieht. Es folgten Hochpunkte im Juni und im September. Die Schwankungsbreite war überdurchschnittlich, es war insbesondere im Frühjahr ein wilder Ritt.

Dow Jones Wahljahre ab 1960

Seit März hält sich der Dow Jones 2020 weitgehend an das Muster. | Grafik: boerse.ARD.de

boerse.ARD.de: Wahljahre sind statistisch gute Börsenjahre. Wie hält sich das Wahljahr 2020 bislang?

Rethfeld: Gewinne gab es nicht überall. Auf Kalenderjahresbasis liegt der Dow Jones Index vier Prozent hinten. Der S&P 500 schafft immerhin ein knappes Drei-Prozent-Plus. Großer Gewinner ist der Nasdaq 100 Index mit einem satten 30-Prozent-Zuwachs. Aktienmärkte sind ein guter vorauslaufender Indikator für die Wirtschaftsentwicklung. Die Konjunktur erholte sich im zweiten und dritten Quartal. Die Tech-Werte – insbesondere FAANG – waren momentumgetrieben. Privatanleger haben sich fleißig ein Stück vom Tech-Kuchen abgeschnitten und trieben die Märkte zusätzlich.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
28.335,56
Differenz relativ
-0,14%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
12.645,75
Differenz relativ
+0,82%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
11.692,57
Differenz relativ
+0,25%

boerse.ARD.de: Können wir trotzdem noch auf eine typische Wahlrally ab Mitte Oktober hoffen?

Rethfeld: Zunächst sollte sich ein Tiefpunkt ausbilden. Dies geschieht üblicherweise bis Mitte Oktober. Die Wahlrally ist ein Phänomen, das in den vergangenen Wahljahren 2008, 2012 und 2016 recht spät, also erst ab Ende Oktober, auftrat. Durchschnittlich beginnt die Wahlrally sieben Handelstage vor der Wahl, das wäre in diesem Jahr Freitag, der 23. Oktober.

boerse.ARD.de: Wer ist der Wunschkandidat der Märkte? Bei welchem Wahlausgangsszenario wäre mit Verwerfungen zu rechnen?

Rethfeld: In der Vergangenheit führte eine Niederlage der amtsführenden Partei häufig zu einer kurzfristigen Enttäuschung an den Aktienmärkten. Das Gegenbeispiel ist die positive Reaktion auf die Wahl von Donald Trump im Jahr 2016.

Dow Jones Wahljahre nach 1900

Sollte Trump verlieren, so wäre dies laut Statistik kurzfristig negativ für die Märkte. | Grafik: boerse.ARD.de

Historisch sind Präsidenten der demokratischen Partei allerdings besser für die Börsenentwicklung. Man denke an Barack Obamas 125-Prozent-Plus oder an Bill Clintons goldene Neunziger mit einem Plus von 227 Prozent, jeweils in acht Jahren. Dagegen fällt der republikanische Präsident George W. Bush mit minus 34 Prozent in acht Jahren ab. Donald Trump schaffte in seinen vier Jahren ein Plus von bisher 39 Prozent. Das ist ok, aber sein republikanisches Vorbild Ronald Reagan konnte – wie Obama – plus 125 Prozent in acht Jahren für sich verbuchen. Die Wall Street wird es nehmen, wie es kommt.

Das Interview führte Angela Göpfert.