Zwei alte Damen beim Dominospiel

Megatrend Demographie Profitieren vom demographischen Wandel

Stand: 02.10.2017, 15:45 Uhr

Schätzungen zufolge dürfte sich die Zahl der weltweit über 60-Jährigen bis 2050 von derzeit einer Milliarde mehr als verdoppeln. Das stellt die westlichen Gesellschaften vor große Herausforderungen, bietet aber auch Chancen für Investoren.

Zu den dominierenden Themen der kommenden Jahre gehört die inzwischen als "silver economy" bezeichnete Alterung der Gesellschaft. Bis 2035 sind die Babyboomer im Ruhestand. Allein in Deutschland dürfte der Bevölkerungsanteil der über 67-Jährigen von derzeit 17,7 Prozent bis 2035 auf 25,8 Prozent steigen. Gleichzeitig wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter trotz der starken Zuwanderung in den vergangenen Jahren um 2,7 Millionen oder fünf Prozent schrumpfen, hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft errechnet.

Auch weltweit dürfte die Zahl der Senioren in den kommenden Jahren drastisch zunehmen. Schätzungen der Credit Suisse zufolge dürfte die Zahl der über 60-Jährigen bis 2050 von 900 Millionen (2015) auf 2,1 Milliarden steigen.

Geringere Wachstumsaussichten

Ein riesiges Problem, gilt doch das Wachstum der Bevölkerung als ein wesentlicher Treiber des Wirtschaftswachstums. Daher führt eine Reduzierung der Bevölkerung zu geringeren Raten des Wirtschaftswachstums (in absoluten Zahlen; die Entwicklung des BIP pro Kopf ist davon unberührt). In Deutschland könnte die vom Ruhestand der Babyboomer-Generation hinterlassene Lücke am Arbeitsmarkt das jährliche Wachstumspotenzial von heute 1,7 Prozent auf nur noch 0,7 Prozent mehr als halbieren - falls die Regierung nicht gegensteuert.

"Die demografische Entwicklung wird die Wachstumsaussichten der Volkswirtschaft verschlechtern“, prophezeit IW-Chef Michael Hüther. Auch wird das Kaufverhalten in großem Maße durch das Alter der Konsumenten bestimmt. Eine wachsende Zahl von älteren Konsumenten verschiebt das Kaufverhalten in Richtung von Produkten und Dienstleistungen, die für diese Gruppe interessant sind.

Zwei Damen beim Dominospiel.

Alte Damen beim Dominospiel. | Bildquelle: colourbox.de

Enorme Kaufkraft

Allerdings verfügen viele der künftigen Senioren über eine enorme Kaufkraft: Schätzungen zufolge dürfte sie bei den über 60-Jährigen im Jahr 2020 etwa 15 Billionen Dollar weltweit betragen. Unternehmen, die einen Fokus auf die Bedürfnisse und Wünsche dieser alternden Gesellschaft legen, sollten davon profitieren. Das betrifft nicht nur das verarbeitende Gewerbe und den Einzelhandel.

Medtronic-Herzschrittmacher

Medtronic-Herzschrittmacher. | Quelle: picture-alliance/dpa

Einer der größten Profiteure des demografischen Wandels ist die Gesundheitsbranche - allen voran Unternehmen, die sich auf die Behandlung chronischer oder alterspezifischer Erkrankungen spezialisiert haben, etwa die Hersteller von Hörgeräten oder Gelenkimplantaten.

Neue Wohntrends

Zu den Wachstumstrends des demografischen Wandels gehört auch eine steigende Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum und einer entsprechenden Infrastruktur. Dazu gehören neben Seniorenresidenzen auch die Betreuung und Versorgung kranker Menschen.

Viele Experten erwarten zudem, dass die zunehmende Lebenserwartung auch die Nachfrage nach privaten Altersvorsorgeplänen ankurbeln wird. So dürfte in einigen Ländern die Nachfrage nach Lebensversicherungs - und Fondsprodukten weiter hoch bleiben und sogar steigen.

lg