Geldanlage

Neues Denken braucht das Land Garantiezins versus Dividendenrendite

Stand: 02.12.2014, 16:22 Uhr

Der Kampf um eine einigermaßen auskömmliche Verzinsung wird für den Sparer und Anleger immer dramatischer. Mit der bevorstehenden Senkung des Garantiezinses in der Kapitallebensversicherung wird das liebste Kind der Deutschen wieder ein Stückchen unattraktiver. Müssen die Investoren umdenken?

In der Analyse sind sich alle einig. Die extremen Niedrigzinsen, die EZB-Chef Mario Draghi Euroland schon eine geraume Zeit als Gesundungspille für seine schwächelnde Wirtschaft verabreicht, hat immer mehr hässliche Nebenwirkungen. Was dem Häuslebauer recht ist, wächst sich für den Sparer immer mehr zur Katastrophe aus.

Zwischen 0,7 und 0,8 Prozent beträgt aktuell die Rendite für eine zehnjährige Bundesanleihe, lange Zeit der größte Gegenspieler der Aktie. Berücksichtigt man die aktuelle Geldentwertungsrate von rund 0,3 Prozent, bleibt nach Kosten und Steuern so gut wie nichts mehr übrig. In kürzeren Laufzeiten werden schon reale Negativrenditen bei festverzinslichen Wertpapieren erzielt und auch im klassischen Spargeschäft drohen dem privaten Kunden mittlerweile Negativzinsen.

Lebensversicherer geraten immer mehr in die Klemme

Vor allem Lebensversicherungen und Pensionskassen, traditionell wichtige Investoren am Kapitalmarkt, leiden kräftig unter der Situation. Denn es fällt ihnen immer schwerer, die Beiträge ihrer Kunden am Markt auskömmlich anzulegen. Zwar erwirtschaftet die Branche im Schnitt mit 3,48 Prozent noch immer deutlich mehr als den Garantiezins, die Tendenz ist aber in Anbetracht der sinkenden Zinsen eindeutig rückläufig.

Die Folgen sind nicht nur für die Inhaber von Lebensversicherungspolicen wenig überraschend, vor allem Neukunden sind zunehmend ernüchtert. Denn seit Jahren schon sinken die Garantiezinsen für Neuverträge immer weiter. Genauer gesagt auf den Sparanteil der Prämienzahlungen, der zwischen 75 und 80 Prozent liegt. Der fehlende Teil wird unter anderem zur Kostendeckung und zur Todesfallabsicherung der Versicherer genutzt.

Nur noch 1,25 Prozent

Am 1. Januar 2015 ist es nun wieder mal soweit. Der Garantiezins in der klassischen Kapitallebensversicherung sinkt von ohnehin schon mageren 1,75 auf 1,25 Prozent. Und auch ein anderes Prozedere wiederholt sich. Versicherungsverkäufer wollen schnell noch zu alten Konditionen abschließen. "Verlieren Sie keine Zeit", lautet da immer wieder die Parole. Sogar von "Schnäppchen" vor dem Jahresende ist die Rede.

Aber Vorsicht - Eile war noch immer ein schlechter Ratgeber. "Die Kunden, die zum Jahresende in Eile eine Versicherung abschließen, sind nachher meist unglücklich, weil der Vertrag nicht richtig für sie passt", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

Warum nicht an Aktien denken?

Zugegeben, die meisten Deutschen wollen von Aktien wenig wissen, wie jüngst wieder eine Studie von Goldman Sachs Asset Management zeigte. Dabei gelten die Dividendenpapiere gerade in angelsächsischen Ländern neben den Immobilien als Hauptstütze der Altersversorgung. Über längere Zeiträume hat sich die Aktienanlage (inklusive der Reinvestition der Dividenden) als eine mehr als konkurrenzfähige Alternative zur Lebensversicherung gezeigt.

In Zeiten extremer Niedrigzinsen wie aktuell lohnt es sich mehr denn je, den spitzen Bleistift zu zücken. Bestes Beispiel ist der Versicherer Allianz selber. Das Management hat erst jüngst erklärt, seine Aktionäre zukünftig stärker am Unternehmensgewinn beteiligen zu wollen. Sie sollen nun die Hälfte und nicht mehr nur 40 Prozent des Gewinns erhalten. Sinkende Dividenden soll es künftig sogar überhaupt nicht mehr geben.

Mit dieser Garantie im Rücken dürfte die Rechnung dann anders aussehen. Denn die zuletzt gezahlten 5,30 Euro für 2013 (aktuell eine Dividendenrendite von 3,9 Prozent) dürften angesichts des stabilen Geschäftsverlaufs aufgestockt werden. Läuft auch das vierte Quartal wie geplant, sind bis zu 7,00 Euro möglich, das wäre eine Rendite von rund fünf Prozent.

Zumindest eine Beimischung solcher dividendenstarker Aktien gewinnt in Anbetracht der Nullzins-Alternativen immer mehr an Reiz - auch für Anleger, die bisher nichts von Dividendenpapieren wissen wollten. Aber mit dem Taschenrechner in der Hand wird ja zumindest das Nachdenken wohl noch erlaubt sein.

rm