Euroschein auf einer Zielscheibe

Festgeldangebote locken Neue Ziele für Zinsjäger

Stand: 24.05.2019, 16:05 Uhr

Noch immer liegt der Leitzins im Euroraum auf Allzeittief. Doch während etwa Hypothekenzinsen noch immer im Keller sind, tut sich etwas an der Front für Tages-, vor allem aber Festgelder. Die Zinsen für Sparer werden höher.

Im Grunde ist es finanzielle Notwehr: Bei einer Inflationsrate, die in Deutschland im April bereits auf 2,0 Prozent gestiegen ist, droht den Ersparnissen auf einem Girokonto oder mager verzinstem Tagesgeldkonto eine schleichende Entwertung. Wer die in Grenzen halten und gleichzeitig diesen Teil seiner Mittel nicht in Aktien oder Investmentfonds stecken will, stößt seit einigen Wochen zunehmend auf interessante Festgeldangebote.

Ein Prozent für ein Jahr

Für Laufzeiten von einem Jahr ist inzwischen wieder rund ein Prozent an Zinsen zu haben. Wer bereit ist, Geld für fünf Jahre oder länger festzulegen, bekommt gar knappe zwei Prozent an zumeist jährlichen Zinsausschüttungen.

Im Markt für Festzinsangebote mischen viele, ganz unterschiedliche, Anbieter mit. Da finden sich unter den Spitzenreitern etwa die italienische Illimity, die Siauliu Bankas aus Litauen oder die BNF Bank aus Malta.

"Zugreifen" bei der Deutschen Bank

Aber auch "Seiteneinsteiger" wie der schwedische Internet-Zahlungsdienstleister Klarna sind als Anbieter von Festgeldkonten auf dem europäischen Markt aufgetaucht. Aus Frankreich bietet die Großbank Credit Agricole derzeit sehr konkurrenzfähige Zinsen für verschiedene Laufzeiten an. Und in Deutschland mischt sogar die Deutsche Bank, bislang nicht als aggressiver Anbieter von Festgeld- und Tagesgeld bekannt, kräftig mit. Der "Zugreif-Zins" der Bank liegt bei 0,75 Prozent, gilt allerdings nur für Gelder, die bislang nicht auf Konten der Deutschen Bank angelegt waren. Die Bank will laut Experten damit auch ganz schlicht ihre hohen Refinanzierungskosten drücken.

Für Sparer haben viele der Angebote freilich einen oder mehrere Haken. Oft gelten sie nur für Neukunden, die in den vergangenen ein oder auch zwei Jahren kein Konto bei dem jeweiligen Institut hatten. Auch die Zinsen sind oft nur für einen begrenzten Zeitraum garantiert, und einmalige "Bonus"-Zahlungen lassen die Angebote in den Rankings vieler Vergleichsportale nach oben schnellen. Diese sortieren oft nach "Rendite" und rechnen dabei Neukundenprämien mit ein.

Wie sicher ist "sicher"?

In puncto Sicherheit liefern praktisch alle in Deutschland anbietenden Banken die 100.000-Euro-Garantie, die in der EU verpflichtend ist. Dies entspricht der EU-weiten gesetzlichen Einlagensicherung. Auf freiwilliger Basis liefern viele Institute allerdings noch höhere Sicherungen. Viele deutsche Banken sind etwa zusätzlich Mitglied in einem freiwilligen Einlagensicherungssystem wie dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands. In diesem Fall spricht man von erweiterter Einlagensicherung. In jedem Fall können aber Ehepaare bis zu 200.000 Euro "sicher" anlegen.

Wie sicher im Ernstfall Spareinlagen auf Konten insbesondere im Ausland sind, zeigt im Rückblick die heikle Situation, in die Zinssparer bei der isländischen Kaupthing-Bank vor fast genau zehn Jahren gerieten. Die Bank war nur in der isländischen, nicht aber in der deutschen Einlagensicherung. Nach der Pleite dauerte es Monate und bedurfte einer Intervention der isländischen Regierung, bis die vielen deutschen Sparer ihr Geld zurückerhielten.

Zinsbroker sammeln Angebote

Umständlich ist der Weg zu neuen Zinsen für Zinsjäger nur noch bedingt. Die Kontoeröffnung ist in vielen Fällen per PC und Webcam möglich, der Weg über ein Post-Identverfahren fällt dann weg. Und wer einen der "Zinsbroker" wie Weltsparen, Zinspilot oder Savedo nutzt, kann die Angebote verschiedener Festgeldanbieter zentral über sein Hauptkonto nutzen. (s. unsere Anleitung zum Zinssparen). Und auch beim Zinssparen gilt natürlich wie bei der Aktienanlage: Diversifizieren ist Trumpf. Nicht alle Ersparnisse bei einem Anbieter oder mit einer Laufzeit festlegen.

AB

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Anleitung zum Zinssparen Überblick

Tortengrafik

Aufteilen
Nicht alle Eier in einen Korb: Die Regel aus der Welt der Aktienanlage gilt auch bei der Auswahl des Festgeldkontos. Den Betrag, den man festverzinslich auf die "hohe Kante" legen will, sollte man auf mehrere Anbieter aufteilen. Am besten diversifiziert man auf diese Weise auch über mehrere Länder hinweg, das Risiko einer Bankenpleite in einem Land oder eine finanziellen Schieflage eines Instituts wird damit schon einmal auf einen Teil der Gelder begrenzt.