Grüne Erdkugel

Investoren sorgen für Zuflüsse Nachhaltige Geldanlagen trotzen der Coronakrise

Stand: 27.04.2020, 06:45 Uhr

Geraten ökologische oder soziale Fragen beim Investieren durch die Coronakrise aus dem Blickfeld? Die Befürchtung scheint sich nicht zu bewahrheiten, Investoren setzen weiterhin auf nachhaltige Anlagen. Sie haben in der Krise vielfach sogar besser abgeschnitten als konventionelle Investments.

Ein Kurschart kann eine deutliche Sprache sprechen. Der wohl wichtigste Nachhaltigkeitsindex des wichtigsten Indexanbieters MSCI macht eine klare Aussage: Nachhaltig lohnt sich - auch in der Krise. So schlägt der MSCI World Sustainability Index (SRI) den Industrieländerindex MSCI World deutlich. Im Monat März etwa verlor der MSCI World 13,2 Prozent, der nachhaltige SRI-Index nur 10,8 Prozent. Auf Sicht eines Jahres verlor der MSCI World 9,9 Prozent der MSCI World SRI nur 3,6 Prozent (s. unser Chart).

MSCI World SRI versus MSCI World

MSCI World SRI versus MSCI World. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Ausschluss und Ranking

Der Trend zur Outperformance besteht aber nicht nur in der Krise: In den vergangenen zwölf Jahren, seit der SRI-Index berechnet wird, schlug er den großen Bruder im schöner Regelmäßigkeit, in fast allen Börsenphasen. Der Nachhaltigkeitsindex nimmt grundsätzlich keine Unternehmen aus "heiklen" Branchen wie Waffen, Atomkraft, Tabak oder Alkohol auf. Und die verbliebenen Firmen werden nach ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) gesiebt.

"Je strenger der Index, desto besser die Performance", heißt es denn auch in einer Studie der Fondsrating-Agentur Scope, die Schwankungen und Wertentwicklungen vieler Nachhaltigkeits-Indizes untersucht hat. Darüber hinaus schwankten die nachhaltigen Barometer für den Aktienmarkt auch weniger als herkömmliche Indizes.

Zuflüsse in der Crash-Phase

Der Zuspruch der Anleger zu den Produkten mit Nachhaltigkeitsfokus hat sich durch die Coronakrise nicht abgeschwächt, im Gegenteil: Laut Scope sammelten Aktien-ETFs mit ESG-Schwerpunkt im Krisen-Monat März 1,3 Milliarden Euro ein, während aus herkömmlichen Indexfonds im Monat März rund zehn Milliarden Euro abflossen.

Dass mit nachhaltigen Fonds und ETFs Risiken verringert und Renditen tendenziell gesteigert werden können, haben viele professionelle Investoren längst erkannt. Ihre Strategieschwenks dürften sich in den vergangenen Wochen bezahlt gemacht haben. Dazu gehören beispielsweise der norwegische Staatsfonds, der Unternehmen aus dem Bereich fossile Energien Stück für Stück aus seinem Portfolio verbannt hat. Auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock hat auf Investments umgestellt, die nach ESG-Kriterien "gesiebt" werden.

"Sich der Situation frontal stellen"

Durch die Coronakrise sehen Experten vor allem das "S" in ESG mit einer stärkeren Bedeutung versehen. Die Spreu in Sachen Umgang mit Mitarbeitern, aber auch Zulieferern trenne sich gerade in der Krisenphase deutlich vom Weizen, meint etwa Ophélie Mortier vom Vermögensverwalter DPAM in einer aktuellen Studie. Die aktuellen Herausforderungen seien "eine Chance für Unternehmen, die bereit sind, sich der Situation frontal zu stellen", aber auch "eine Bedrohung für all jene, die vor der Herausforderung kneifen".

Ob Unternehmen zum Beispiel spontan ihre Produktion umstellen, um Schutzmasken statt Bekleidung oder Desinfektionsmittel statt Spirituosen herzustellen, schlägt sich potenziell nicht nur positiv in ihrer Bilanz nieder, sondern beeinflusst auch ihr Image in der Öffentlichkeit - und nicht zuletzt ihren ESG-Score in der Zukunft.

Aktien von Unternehmen mit hohen Nachhaltigkeitswerten, aber auch Fonds und ETFs mit einem Nachhaltigkeitsanspruch bleiben aber während und nach der Coronakrise auf dem Kaufzettel vieler großer und kleiner Investoren.

"Grüner" Dax am Start

Just in dieser Woche hat die Deutsche Börse passend dazu ihren "Nachhaltigkeits-Dax" gestartet. Der Dax50 ESG setzt sich aus 50 deutschen Standardtiteln zusammen, die unter den aktuell 99 Werten des HDax die besten ESG-Ratings haben. Dabei werden auch Börsenumsätze und Marktkapitalisierung berücksichtigt. Einen ersten ETF auf den neuen Index gibt es auch schon, die französische Gesellschaft Lyxor hat den Indexfonds wenige Tage nach dem Start des "grünen Dax" aufgelegt.

AB