Olaf Zeitnitz, Visualvest „Nachhaltig anlegen bedeutet keinen Renditeverzicht“

Stand: 06.02.2020, 16:17 Uhr

Auch in der Online-Vermögensverwaltung steigt die Nachfrage nach Depots, die nach ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien aufgesetzt sind. Als erster „Robo Advisor“ hat Visualvest bereits 2016 „grüne“ Anlagestrategien angeboten.

boerse.ARD.de: Sie bieten bereits seit einigen Jahren „Greenfolios“ – also Anlageportfolios mit dem Ziel Nachhaltigkeit – an, wie kam es dazu?

Olaf Zeitnitz: Einerseits sind wir im Team von Visualvest alle ein wenig „grün angehaucht“. Wir haben aber bereits kurz nach unserem Start unsere Kunden gefragt, „was fehlt euch noch in unserem Angebot“? Und einer der häufigsten Antworten war, dass wir noch nachhaltige Portfolios anbieten sollten. Die haben wir dann sehr rasch auch ins Angebot aufgenommen. Damit hatten wir 2016 gleich eine schöne Differenzierung zu unseren Konkurrenten.

boerse.ARD.de: Wer fragt denn eine „grüne“ Online-Vermögensverwaltung nach? Inwiefern unterscheiden sich die Kunden?

Zeitnitz: Die notwendige Internet-Affinität ist natürlich auch hier ein Grundmerkmal der Kunden. Sie achten etwas mehr darauf, was im Produkt enthalten ist und nicht nur auf die Performance. Die Prioritäten sind andere. Kunden der Greenfolios richten sich eher danach, welche Branchen wir bei den Produkten ausschließen, nicht so sehr, welche Aktienmärkte die größten Renditen versprechen.

boerse.ARD.de: Wie ist die Verteilung zwischen den „normalen“ und den nachhaltigen Portfolios bei den Geldern die sie verwalten?

Zeitnitz: Wir liegen derzeit bei rund 25 Prozent in den Greenfolios, das ist im Branchenvergleich ein guter Wert. Wir sehen hier aktuell ein deutliches Wachstum. Die nachhaltigen Produkte sind etwas teurer, weil die Fondsgebühren hier höher liegen. Das ist ein bisschen wie mit dem Bio-Apfel, der ist auch teurer als der „normale“ Apfel.

boerse.ARD.de: Wie ist denn ein Greenfolio konkret aufgebaut?

Zeitnitz: Zunächst streut ein solches Portfolio, genauso aufgebaut wie ein „normales“ Portfolio, die Anlagen über mehrere Asset-Klassen, also in der Regel über Aktien und Anleihen, und zwar weltweit. Je höher das Risiko, das der Kunde bereit ist zu tragen, desto höher die Aktienquote. Es gibt derzeit für die Greenfolios nicht so viele Anlageklassen, Rohstoffe etwa fallen hier weg. Wir nutzen generell keine Einzelwerte, sondern nur Fonds oder ETFs. Und derzeit gibt es auf dem Markt noch nicht so viele Fondsprodukte, die unsere Kriterien für die Greenfolios erfüllen. Aber das ändert sich erfreulicherweise.

boerse.ARD.de: Wie werden diese Fonds oder ETFs nach nachhaltigen Kriterien gefiltert?

Zeitnitz: Wir schauen uns natürlich die ESG-Kriterien bei der Auswahl genau an. Dabei können wir als Teil der Union-Investment-Gruppe auf viel Expertise zurückgreifen. Zusammen haben wir einen Kriterienkatalog entwickelt, den wir dann bei der Auswahl der Fonds berücksichtigen. Daneben schauen wir natürlich auch auf Aspekte wie Fondsgröße, Alter des Fonds oder Managementqualität. Die Fondsauswahl wird alle drei Monate überprüft. Wir geben bei den Greenfolios auch Informationen über den CO2-Fußabdruck des Portfolios und beschreiben die Einsparungen gegenüber einem konventionellen Investment.

boerse.ARD.de: In den Greenfolios setzen Sie stärker auf aktiv gemanagte Fonds, während in den Standard-Portfolios fast ausschließlich kostengünstigere ETFs genutzt werden. Warum?

Zeitnitz: Unsere Produkte bestehen aus vielen Bausteinen. Derzeit gibt es im nachhaltigen Umfeld nicht überall Indexfonds, die unseren Bedarf so abdecken, wie wir uns das wünschen. Wenn man sich hier nur auf ETFs beschränken würde, würde man einen Fehler machen. Und gerade beim Thema Nachhaltigkeit gibt es eine ganze Reihe guter aktiv gemanagter Fonds. Das dürfte wohl auch mittelfristig so bleiben.

boerse.ARD.de: Welche Nachhaltigkeitsstrategien sind für Sie bei der Auswahl der Fonds wichtig?

Zeitnitz: Wir arbeiten in erster Linie mit Ausschlusskriterien und achten auf den sogenannten ESG-Score. Danach schauen wir auf verschiedene Regionen und versuchen ein weltweites Portfolio etwa im Aktien-, aber auch am Anleihenmarkt abzudecken. Dabei verfolgen wir bewusst einen breiten Anlageansatz. Spezialisierte Themenfonds, etwa im Bereich Wasser oder Erneuerbare Energien, nutzen wir daher nicht.

boerse.ARD.de: Anleger mit Fokus auf Nachhaltigkeit mögen trotzdem auch Rendite. Wie sieht der Performance-Vergleich der Greenfolios mit ihren Standard-Portfolios aus?

Zeitnitz: Die Wertentwicklung ist absolut vergleichbar. Je nach dem betrachteten Zeitraum gibt es eine leichte Outperformance der „grünen“, dann wieder der konventionellen Portfolios. Wenn es an den Aktien- oder Rohstoffmärkten ein wenig holpriger zugeht, dann rutschen die Standard-Portfolios eher einmal deutlich ab. Die Schwankungen in den Greenfolios sind in der Tendenz etwas geringer. Man muss also nicht auf Rendite verzichten, wenn man nachhaltig anlegt.

Das Gespräch führte Andreas Braun.