Evgenij Terehov, bettervest

Evgenij Terehov, bettervest „Es geht darum, etwas zurückzugeben“

Stand: 17.03.2020, 13:53 Uhr

Solarpanels und Kochherde in Afrika oder Asien: Für diese und ähnliche Projekte mobilisiert die digitale Investitions-Plattform bettervest Mittel von Privatanlegern. So können Anleger mit ihren Investments zu weniger CO2-Emissionen und mehr Umweltschutz, aber auch zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort beitragen.

boerse.ARD.de: Wie kam es zur Idee, nachhaltige Projekte per Crowdinvesting zu unterstützen?

Evgenij Terehov: Das Team hat sich bei einem Start-up-Weekend 2012 in Frankfurt gefunden. Unser Gründer, der Zukunftsforscher Patrick Mijnals, war von der Idee des Crowdfundings begeistert. Darauf aufmerksam wurde er, weil er davon erfahren hatte, dass mittels Crowdfunding eine Südseeinsel finanziert wurde. So kam er auch auf die Idee, über diese Finanzierungsform etwas Nachhaltiges zu tun. Wir haben damals mit bettervest den Ideenwettbewerb gewonnen und anschließend gemeinsam das Unternehmen gegründet. Dabei ging es uns immer darum, ein Unternehmen aufzubauen, mit dem wir gemeinsam etwas bewegen können.

boerse.ARD.de: Was ist dieser Zweck von bettervest?

Terehov: Der Zweck hat sich im Lauf der vergangenen Jahre ein wenig gewandelt. Zur Zeit der Gründung hatten wir uns vor allem Projekten verschrieben, mit denen die Energieeffizienz in Deutschland gesteigert werden sollte. Nach und nach haben wir gemerkt, dass der „Impact“, den man gemeinsam in anderen Ländern erreichen kann, zum Beispiel in Afrika, sehr viel größer ist, als bei uns. Daher vermitteln wir inzwischen Projekte in Asien, Südamerika und auch Europa.

boerse.ARD.de: Wie sehen solche Projekte konkret aus?

Terehov: Die oberste Prämisse unserer Projekte war immer, CO2 zu sparen, zukünftig wollen wir uns auch stärker an den Sustainable Development Goals, kurz SDG, der UN orientieren. Alle Projekte müssen gewissermaßen einen ökologischen Fußabdruck haben, idealerweise außerdem eine soziale Wirkung. Oft erhalten durch solche Projekte Menschen erstmals Zugang zu Strom. Beispiel: In Afrika muss ein Kind, wenn es von der Schule kommt, erst einmal den Eltern helfen. Dann kann es aber seine Schularbeiten abends nicht mehr machen, weil es kein elektrisches Licht gibt. Das heißt mit den Projekten auf bettervest wird nicht nur sauberer Strom zugänglich und bezahlbar für Menschen vor Ort gemacht, sondern auch der Zugang zu Bildung erleichtert. 

boerse.ARD.de: Warum kann man solche Projekte nicht ebenso über Crowdfunding, also gesammelte Spenden, finanzieren?

Terehov: Unsere Idee war immer, dass wir in diesen Ländern wirklich auch Geschäfte auf Augenhöhe machen. Es geht uns darum, funktionierende Geschäftsmodelle vor Ort zu unterstützen. Wir nennen das auch gerne Entwicklungshilfe 2.0, weil es eine Hilfe zur Selbsthilfe ist und den Unternehmen vor Ort so eine echte wirtschaftliche Chance ermöglicht wird. Deshalb sehen wir Crowdinvesting als zukunftsfähige Lösung an und jeder Investor soll für das Risiko, das er oder sie eingeht, auch einen Ausgleich in Form einer Rendite erhalten.

boerse.ARD.de: Wie gehe ich als Investor vor, wenn ich an einem solchen Projekt teilnehmen will?

Terehov: Alle unsere Prozesse werden komplett über die Online-Plattform abgebildet. Dort kann man sich registrieren und dann ab einem Betrag von 250 Euro in Projekte investieren. Die Projekte stellen sich auf unserer Plattform vor, informieren auch über Risiken und Chancen, und auch über den Impact, den sie erzielen. In der Regel wird dort auch ein Interview mit den Projektbeteiligten vor Ort gezeigt. Es ist immer ratsam, Geld auf mehrere Projekte aufzuteilen, um das Risiko zu streuen.

boerse.ARD.de: Wie hoch sind die Risiken bei einem solchen Investment?

Terehov: Es kann durchaus auch zu einem Totalausfall kommen, darüber sollte man sich als Investor immer im Klaren sein. Wir berichten detailliert über Projekte, wie sie umgesetzt wurden, und auch, wenn eines der Projekte einmal gescheitert ist oder es zu Problemen gekommen ist. Die Gründe dafür werden den Anlegern erläutert, etwa wenn Produkte im Zoll hängen geblieben sind oder Korruption aufgetreten ist. Und wegen der hohen Risiken steht den Projekten auch ein hoher Zins gegenüber.

boerse.ARD.de: Über welche Wege finden Sie Projekte, die per Crowd finanziert werden können?

Terehov: Da wir mit bettervest schon seit vielen Jahren am Markt sind, haben wir uns mittlerweile einen Bekanntheitsgrad in der Branche aufgebaut. So arbeiten wir beispielsweise mit der Entwicklungshilfe-Organisation GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) zusammen. Unsere Mitarbeiter sind außerdem in vielen der Länder vernetzt, in denen wir Projekte vermitteln. Inzwischen kommen auch viele Projektpartner auf uns zu und dann schaut man gemeinsam, ob man etwas realisieren kann.

boerse.ARD.de: Werden die laufenden Projekte von bettervest überwacht?

Terehov: Über die Laufzeit geben wir den Anlegern regelmäßig Updates. Wir stehen mit den Projektinhabern vor Ort in Kontakt und schauen auch, wenn es Probleme gibt, wie wir unterstützen können.

Das Gespräch führte Andreas Braun.