Georg Schürmann, Geschäftsleiter Triodos Bank

Georg Schürmann, Triodos Bank „Wir legen auch den CO2-Fußabdruck unserer Kredite offen“

Stand: 16.03.2020, 16:04 Uhr

Auch nachhaltige Banken wollen Geld verdienen, allerdings in einem „vernünftigen“ Rahmen, wie Georg Schürmann von der Triodos Bank erklärt. Als Kreditgeber und Investor will die Bank auch Einfluss auch die Nachhaltigkeit von Unternehmen nehmen.

boerse.ARD.de: Was unterscheidet die Triodos Bank von einem „normalen“ Kreditinstitut?

Georg Schürmann: Wir verstehen uns als nachhaltige Bank. Der Unterschied besteht darin, was wir finanzieren, das sind bei uns ausschließlich nachhaltige Projekte. Im Bereich Umwelt sind das Windräder oder Photovoltaik-Anlagen, im sozialen Bereich finanzieren wir Senioreneinrichtungen oder beispielsweise Walldorf-Schulen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Immobilien, in Frankfurt etwa haben wir eine Immobilie unterstützt, in der jetzt Studierende und Geflüchtete zusammenleben.

boerse.ARD.de: Welche Kunden kommen zu einer Bank wie der Triodos Bank?

Schürmann: Was alle unsere Kunden verbindet, ist das Interesse an nachhaltigem Konsum und einem bewussten Umgang mit Geld. Unser typischer Kunde kauft auch im Bioladen ein, nutzt Ökostrom und fährt vielleicht auch ein Elektro-Auto. Da wir eine Online-Bank sind, gehören die Kunden vor allem der Altersgruppe zwischen 25 und 60 an, der Bildungsstandard ist höher als im Durchschnitt.

boerse.ARD.de: Welche Kriterien sind dabei für Sie als Bank wichtig, damit ein Unternehmen oder ein Projekt eine Finanzierung erhält?

Schürmann: In diesem Bereich geht es vor allem um Erneuerbare Energien. Bei der Finanzierung eines Windrads schauen wir uns sehr genau die Umweltauflagen an, besonders, wenn die Installation nicht auf dem Meer erfolgen los, also „anhöre“ stattfindet. Im sozialen Bereich legen wir Wert darauf, eine Einrichtung, also etwa ein Seniorenheim, persönlich in Augenschein zu nehmen. Nur wenn es dort wirklich um den Menschen und nicht nur ums Geldverdienen geht, finanzieren wir eine solche Einrichtung. Alle unsere Kreditnehmer veröffentlichen wir übrigens auf unserer Internetseite. So kann jeder Kunde sehen, wo sein Geld wirkt.

boerse.ARD.de: Auch als nachhaltige Bank müssen Sie Gewinne erwirtschaften. Ist das mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit leichter oder schwerer?

Schürmann: Darin unterscheiden wir uns nicht stark von einer normalen Bank. Der Aufwand, den wir betreiben, ist im ein oder anderen Fall etwas höher. Dafür denken wir, dass die Risiken, die wir eingehen, geringer sind. Und natürlich wollen wir als Geschäftsbank auch Geld verdienen, das allerdings in einem vernünftigen Rahmen.

boerse.ARD.de: Welche Kontenmodelle für Privatkunden bieten Sie an?

Schürmann: Wir bieten neben Girokonten, bei denen bereits weltweite Bankverfügungen sind im Standardpreis mit enthalten sind, auch Tagesgeldkonten und Sparprodukte an.

boerse.ARD.de: Sind auch diese Produkte nachhaltig?

Schürmann: Mithilfe der Einlagen unserer Kunden auf diesen Konten können wir Kredite vergeben. Durch die Auswahl von ausschließlich sozialen und ökologischen Projekten und Unternehmen bei der Kreditvergabe stellen wir sicher, dass die Gelder unser Kunden nur in Projekte fließen, die einen positiven Beitrag für Mensch und Umwelt haben.

boerse.ARD.de: Sie haben auch eine Reihe nachhaltiger Fonds im Angebot. Wie läuft der Auswahlprozess für Aktien oder Anleihen dabei ab?

Schürmann: Wir möchten bei unseren Fonds ausdrücklich in Unternehmen investieren, die einen positiven Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der UN, den SDGs, haben. Bei diesen Unternehmen nutzen wir dann noch einmal Ausschlusskriterien, um sicherzustellen, dass zum Beispiel keine Menschenrechtsverletzungen in den Firmen vorkommen und Arbeitsnormen eingehalten werden.

boerse.ARD.de: Wie steht es um die Rendite der Fonds, steht diese für Sie nicht im Vordergrund?

Schürmann: Für uns und auch unsere Kunden steht eine langfristige Perspektive im Vordergrund. Und wir stellen immer wieder fest, dass nachhaltige Investments in der Regel auch ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis haben, weil zum Beispiel die Schwankungen geringer sind. Und das ist auch das, was unsere Anleger suchen.

boerse.ARD.de: Führen Sie auch selbst Gespräche mit den Unternehmen, in die sie über die Fonds investieren?

Schürmann: Ja, der Austausch mit den Unternehmen ist für wichtig. Wir stellen auch fest, das Unternehmen durchaus Dinge verändern, auf die wir sie aufmerksam machen. So hat zum Beispiel einmal ein niederländischer Versicherer seine eigene Anlagepolitik geändert, um weiter für uns investierbar zu bleiben. Über diese Gespräche und die Ergebnisse berichten wir in einem Engagement-Report.

boerse.ARD.de: Kann ein Anleger die Wirkung, neudeutsch den „Impact“ seiner Geldanlage, bei Ihnen auch konkret sehen?

Schürmann: Wir berichten seit 2019 über den CO2-Fußabdruck, der Kredite, die wir in Deutschland vergeben. Gleiches gilt für unsere Investmentfonds: Hier kann der Kunde sehen, dass seine Fonds im Gegensatz zu vielen anderen Produkten fast CO2-neutral sind.

boerse.ARD.de: Sehen Sie die großen Bankhäuser als wachsende Konkurrenz an, die selbst ebenfalls immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit bei der Kreditvergabe und ihren Finanzprodukten legen?

Schürmann: Nein. Wir nutzen hier gerne den Vergleich mit den Bioläden. Obwohl es inzwischen auch beim Discounter Bio-Produkte gibt, wachsen die Spezialisten weiterhin deutlich. Davon gehen wir auch bei uns aus und wir sehen diesen Impuls eher als befruchtend für uns an.

Das Gespräch führte Andreas Braun.