Zentrale von Morgan Stanley in New York

"Anzeichen der Erschöpfung" an der Wall Street Morgan Stanley warnt vor großer Korrektur

Stand: 02.08.2018, 16:22 Uhr

Sind die Wall-Street-Aktien zu heiß gelaufen, droht jetzt die Abkühlung? Die Anlagestrategen von Morgan Stanley prophezeien eine deutliche Korrektur. Diese könnte vor allem Technologie- und Konsumtitel treffen.

Der jüngste Facebook-Crash hat die Morgan-Stanley-Experten alarmiert. Gerade bei digitalen Höhenfliegern seien nun Anzeichen der Erschöpfung sichtbar, meint der Chefstratege der Bank, Mike Wilson. Vor allem für den Tech- und Konsum-Bereich ist er skeptisch. Nach der jüngsten Sommer-Rally dürfte nun eine Gegenbewegung einsetzen.

"Ausverkauf hat begonnen"

Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
6.594,96
Differenz relativ
-2,56%

"Wir denken, dass der Ausverkauf erst begonnen hat", schreibt Morgan Stanley in ihrem Kunden-Newsletter. Diese Korrektur werde die größte seit Februar sein, heißt es. Laut Experten ist eine Korrektur ein Rückgang von mindestens zehn Prozent gegenüber einem aktuellen Hoch.

Tatsächlich hat der Nasdaq 100 seit seinem Rekordhoch vor acht Tagen über drei Prozent eingebüßt. Selbst die guten Amazon- und Apple-Zahlen konnten kaum helfen.

Weitere positive Impulse fehlen

Nachdem in den vergangenen Wochen viele positive Faktoren die Wall Street gestützt hätten, fehlten nun Impulse für weitere Kurszuwächse. Die starke Berichtssaison - über 85 Prozent der S&P 500-Konzerne schlugen die Analystenschätzungen - und der kräftige Aufschwung der US-Wirtschaft seien inzwischen eingepreist. "Worauf können sich Anleger nun noch freuen?", fragt Morgan Stanley.

"Der Markt hat in den letzten Wochen irreführende Signale gesetzt", meinen die Strategen von Morgan Stanley. Nicht einmal die Top-Gewinner des Jahres konnten weiter zulegen, da die Enttäuschung über Netflix und Facebook die Dynamik bremste.

Netflix: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
236,08
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-2,29%
Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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126,69
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Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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1.402,50
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-1,92%

Warnungen vor dem nächsten Crash

Klaus Kaldemorgen

Klaus Kaldemorgen. | Bildquelle: DWS

Seit Monaten geht die Angst vor einem Tech-Crash um. So erkannte DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen in den USA Anfang des Jahres bereits "Zeichen einer Blase". Defensive Werte hätten mittlerweile den größten Bewertungsabschlag gegenüber Wachstumswerten, sagte er. Kaldemorgen fühlte sich erinnert an die Internetblase, die sich Ende der 1990er Jahre aufpumpte und dann platzte. "So etwas können wir dieses Jahr wieder sehen", warnte Kaldemorgen auf einer Konferenz.

Dirk Müller an der Frankfurter Börse

Dirk Müller. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch der frühere "Mister Dax" Dirk Müller, der zum Fondsmanager mutiert ist, warnte im Frühjahr vor einem schlimmen Crash. Die Situation an den Märkten sei so gefährlich wie 1929. Besonders Sorgen mache ihm der Zinsanstieg in den USA. "Wir haben zwar eine gute Wirtschaftskonjunktur in Amerika, aber Krisen und Crashs wurden in der Geschichte meist von steigenden Zinsen ausgelöst."

nb