ETF-Kosten

Strategien fürs ETF-Depot Mehr Rendite mit "Faktoren"

Stand: 02.08.2019, 10:08 Uhr

Wer im Aktienmarkt über den Tellerrand hinausschaut, kann auch mit passiven Indexfonds noch Extra-Prämien aus dem Markt herauskitzeln. Das ist zumindest der Ansatz, bei dem auf bestimmte Nischen und Spielarten bei Aktien gesetzt wird - den so genannten "Faktoren".

Keine Rendite ohne Risiko! Das eherne Gesetz der Geldanlage signalisiert dem Anleger seit jeher einen fundamentalen Zusammenhang. Aktienmärkte schwanken, produzieren Verluste, die auch über längere Zeiträume anfallen können. Die Schwankungen bei Dax, Dow & Co. auszuhalten, bedeutet für viele Investoren, ob private oder instutionelle, eine gehörige Belastung, ob psychologisch, oder - potenziell - auch finanziell.

Aktien-Prämie in Faktoren zerlegt

In der Welt der Geldanlage gibt es für dieses Risiko-"Opfer" aber stets einen Ausgleich, in der Finanzwirtschaft wird dies auch gerne als "Prämie" bezeichnet. Und die Prämie für Schultern des Risikos lautet schlicht: Rendite! Die Höhe dieser Prämie am Aktienmarkt, etwa gegenüber "risikolosen" Anlagen wie kurzlaufenden Bundesanleihen liegt, je nach Lesart und Studie zwischen vier und sechs Prozent pro Jahr. Dies wird auch als "Equity Premium" bezeichnet.

Innerhalb des Aktienmarktes haben sich in den vergangenen Jahrzehnten aber noch weitere Teil-Prämien oder "Faktoren" in der Welt der Aktien herausgebildet. (s. unsere Grafik) Statistisch sind über längere Zeiträume etwa höhere Renditen in den Emerging Markets zu erzielen als mit Aktien aus Industrieländern. Auch diese Zusatzrenditen haben ihren Preis in einem höheren Risiko. In diesem Fall wird vom "Political Risk Factor" gesprochen. Das Risiko, das ein Land etwa in Asien oder Lateinamerika politische oder ökonomische Probleme bekommt, wird vom Markt höher eingeschätzt - und mit mehr Rendite belohnt. Zudem sind statistisch die Kursschwankungen bei Schwellenländer-Aktien und -indizes größer. Auch diese Schwankungsbreite (Volatilität) ist ein Maß für Risiko.

Faktorprämien im Aktienmarkt

Faktorprämien im Aktienmarkt. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Emerging Markets, Nebenwerte und mehr

Wichtige und allgemein anerkannte Faktoren sind aber auch in anderer Hinsicht nutzbar für Anleger. Auch Nebenwerte bieten traditionell höhere Renditechancen als "Blue-Chip-Aktien" etwa aus dem Dax oder dem Dow. Das zeigen die oftmals besseren Performances von Nebenwertindizes wie dem MDax oder dem SDax. Auch hier liegen die Schwankungen bei den Indizes, besonders aber den Small Caps selbst zumeist höher als bei "Tankern" wie Siemens oder der Deutschen Telekom.

Zu den gut belegten und anerkannten Faktor-Prämien zählen auch die "Value"- und die "Quality"-Prämie. Während bei Value-Indizes vor allem auf Aktien gesetzt wird, die niedrig bewertet und damit "günstig" sind, geht es bei Quality-Indizes um Aktien von Unternehmen, die hohe Gewinnsteigerungsraten aufweisen.

Weniger belegt ist die langfristige Zusatzrendite bei Aktien mit einem hohen "Momentum" etwa wenn Unternehmen kürzlich deutlich Renditesteigerungen geschafft haben. Aus Sicht von Experten viel versprechend ist auch der "Minimum Volatility"-Ansatz. Hier wird auf möglichst schwankungsarme Einzeltitel gesetzt.

Indexfonds mit dem Faktor-Dreh

Die ETF-Industrie hat bereits seit einigen Jahren eine Reihe von Indizes kreiert, die genau auf diese Faktoren zielen. Sie laufen auch unter der Bezeichnung "Smart Beta"-ETF. In den wenigen Jahren seit ihrem Bestehen, konnten die Fonds in vielen Fällen tatsächlich Überrenditen gegenüber marktbreiten Indizes erzielen, zum Teil gelang dies auch mit geringeren Schwankungen (s. unser Vergleichschart).

MSCI World versus MSCI Minimum Volatility ETF

MSCI World versus MSCI Minimum Volatility ETF. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Investieren in Faktoren bedeutet nun einmal prinzipiell ein höheres Schwankungs- und damit auch Verlustrisiko als am Aktienmarkt insgesamt. Wer sein ETF-Portfolio allerdings mischt, also "klassische" Indexfonds mit Faktor-Produkten ergänzt, kann sein Gesamt-Risiko aber annähernd gleich groß halten. Denn ETFs, die auf bestimmte Faktoren setzen, korrelieren exakt mit den Standard-ETF. Wer also einen Fonds auf den MSCI World im Depot hat, der - anders als der Name verspricht - nur auf Aktien aus den wichtigsten Industrieländern setzt, kann mit einem weiteren ETF auf Schwellenländeraktien gleichzeitig ein wenig mehr Rendite erwarten und gleichzeitig auch sein Risiko stärker "diversifizieren".

In Musterstrategien wie denen des Vermögensverwalters und ETF-Experten Gerd Kommer wird stets ein gewisser Anteil der Fonds in Faktoren investiert - um die dort zu erwartenden Risikio-Prämien einzuheimsen und gleichzeitig die Schwankungen des Gesamtdepots zu verringern. Strategien, die ein Privatanleger leicht nachbauen kann (s. auch unser Überblick Faktor-Indexfonds).

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Überblick Faktor-Indexfonds Chartserie

<strong>db x-trackers MSCI World<br/></strong>Der "Faktor" Aktienmarkt sorgt für eine "Renditeprämie" gegenüber dem Renten- oder Geldmarkt, die mit einem gewissen Risiko erkauft wird. Durch die breite Streuung über einen ETF auf den MSCI World-Index kann dieses Risiko verringert werden. Der MSCI World enthält rund 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra ETF für den Zeitraum 1 Jahr

db x-trackers MSCI World
Der "Faktor" Aktienmarkt sorgt für eine "Renditeprämie" gegenüber dem Renten- oder Geldmarkt, die mit einem gewissen Risiko erkauft wird. Durch die breite Streuung über einen ETF auf den MSCI World-Index kann dieses Risiko verringert werden. Der MSCI World enthält rund 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern.

AB